Bauen Bürgerinitiative fühlt sich nicht ernst genommen

Blaustein / Josephine Schuster 06.11.2018

„Wir wollen noch nicht aufgeben.“ Das ist das Fazit eines Treffens der Bürgerinitiative (BI) „Pro Klingenstein” nach der Zustimmung des Blausteiner Gemeinderats zu dem umstrittenen Bebauungsplan Nördlich Leubeweg/Ulmer Straße. Wie berichtet, hat das Gremium Mitte Oktober für einen Kompromissvorschlag gestimmt, nach dem lediglich ein Viertel des Baumbestands zwischen Leubeweg und Ulmer Straße, also B 28, gerodet wird.

Man komme sich nicht recht ernst genommen vor, lautete der Tenor des Treffens am Freitagabend. Die geplante Nachverdichtung in dem Gebiet sei bedenklich: Die rund 80 Jahre alte Buchen an dem Hang würden dann weniger dicht stehen und seien dadurch mehr der Sonne ausgesetzt – sie drohten zu verbrennen, so die Meinung einiger BI-Mitglieder. Die geplanten Häuser würden zudem weniger vor dem Lärm der Bundesstraße schützen als Bäume, nicht zuletzt bezweifeln die Bebauungsgegner, dass dort tatsächlich, wie von der Stadtverwaltung angekündigt, günstiger Wohnraum entsteht.

Nur Eigentümer können klagen

Die rund 20 Besucher des Infoabends überlegten, ob sie beim Verwaltungsgericht gegen den Bebauungsplan vorgehen könnten. Dem erteilte Uwe Kohlhammer, ehemaliger Gemeinderat, eine Absage: „Nur die direkt betroffenen Eigentümer könnten klagen, dass Wertminderung droht, wenn die grüne Lunge verschwindet. Aber bis jetzt hat noch keiner angekündigt das zu tun.“ Einige befürchteten, dass die Rodung der Bäume erst der Anfang sei und nach und nach der ganze Wald verschwinden könnte.

Neubauten können nicht die einzige Lösung für das Wohnungsproblem sein, es brauche ein ganzes Maßnahmenpaket. So wären viele ältere Menschen froh über eine Möglichkeit der Beratung, wie sie ihren Wohnraum dem Alter entsprechend gestalten können. Wie groß der Leerstand in der Stadt und wie groß der Bedarf an Wohnraum sei, sei völlig unklar, befand der Initiativkreis. „Denn, wenn der Bedarf so groß ist, hätte man ja schon längst in der Molitorstraße bauen können. Da könnte man sofort anfangen”, befand BI-Sprecher Roland Kleinhempel.

Gerlinde Gröschel-Jungwirth von der BUND-Ortsgruppe Blaustein, erklärte den BI-Mitgliedern, dass ein Widerspruch gegen den nun beschlossenen Bebauungsplan auch mündlich direkt im Rathaus möglich sei. Die Naturschützer arbeiten ihren Worte zufolge derzeit die Unterlagen durch, um etwaige Unstimmigkeiten zu entdecken.

Die Initiative „Pro Klingenstein“, die nach eigenen Angaben 580 Unterschriften für den Erhalt der Bäume an dem Hang oberhalb der Ulmer Straße gesammelt hat, will nun eine Stellungnahme abgeben (siehe Infokasten) und bis Ende November so viele Widersprüche wie möglich einreichen, um Zeit zu gewinnen. Dazu wollen die Mitglieder nun Argumente formulieren und zusammenfassen. „Widersprechen können alle Blausteiner, und wer noch Argumente braucht oder Fragen hat, kann sich gern an mich wenden“, sagte Kleinhempel.

Info-Veranstaltung am 15. November

Bürgerbeteiligung Der Bebauungsplan Nördlich Leubeweg/Ulmer Straße liegt noch bis Ende November im Blausteiner Rathaus öffentlich aus. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung findet am Donnerstag, 15. November, eine Info-Veranstaltung statt: Ab 18 Uhr erklären Mitarbeiter des Bauamts und des Planungsbüros Interessierten den Bebauungsplan im Sitzungssaal des Rathauses.

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