Abgestimmt Bürger entscheiden gegen die Ortsumfahrung in Pfaffenhofen

Carsten Muth, Matthias Stelzer 06.02.2015
Seit gut zehn Jahren streiten die Pfaffenhofener über Sinn und Zweck einer Umgehungsstraße. Zuletzt hat die Debatte enorm an Fahrt aufgenommen. Am Sonntag haben sich die Bürger gegen die Ortsumfahrung entschieden. Mit einem Kommentar von Carsten Muth
Es war eine hauchdünne Entscheidung: Beim Bürgerentscheid über die verkehrspolitische Zukunft Pfaffenhofens hat sich die Bürgerinitiative von Klaus Vidal knapp durchgesetzt. Damit ist auch die geplante Ortsumfahrung Pfaffenhofens bis auf Weiteres vom Tisch. 

48,2 Prozent der Wahlberechtigten haben sich am Bürgerentscheid im Markt Pfaffenhofen beteiligt. 1344 stimmten mit Ja und damit gegen die geplante Ortsumfahrung. 1320 hatten sich mit einem Nein für die Umfahrung ausgesprochen. Sie unterlagen letztlich mit knapp mit 49,5 Prozent gegen die Umfahrungsgegner, die mit ihren 24 Stimmen mehr auf 50,5 Prozent kamen.


Die Bürger haben entschieden. Knapp und überraschend. Wir haben die ersten Stimmen in Pfaffenhofen gesammelt:
 
„Auch mit den wenigen Stimmen Vorsprung haben wir jetzt ein demokratisch bindendes Ergebnis“, kommentierte Pfaffenhofens Bürgermeister Josef Walz (CSU) am Abend den Ausgang des Bürgerentscheids. Als Befürworter der Ortsumfahrung konnte der Rathaus-Chef seine Enttäuschung nicht verbergen.
 
Karlheinz Thoma (SPD), der als zentrale Figur der Umfahrungsfreunde bis zuletzt hart gekämpft hatte, setzt darauf, dass zu einem späteren Zeitpunkt doch wieder umgedacht wird. „Ich bin wenig begeistert. Aber in einem Jahr wird man sehen, dass sich für die Verkehrsprobleme keine andere Lösung anbietet und welchen Sprüchen die Vidal-Anhänger aufgesessen sind.“
 
Der Angesprochene, ÖDP-Gemeinderat und Umfahrungsgegner Klaus Vidal, feierte nicht, sondern wandte sich der Zukunft zu: „Jetzt ist das Landratsamt am Zug. Wir brauchen eine ökonomische Lösung. Ich hoffe, dass sich der Landkreis auch an einer innerörtlichen Lösung finanziell beteiligt.“
 

Ein Kommentar von Carsten Muth: Jetzt kommt alles auf den Prüfstand

Respekt, Karlheinz Thoma. Respekt, Klaus Vidal. Die Protagonisten des Pfaffenhofener Umfahrungsstreits haben sich in den vergangenen Wochen wahrlich nichts geschenkt. Die von ihnen getragene Debatte über die verkehrspolitische Zukunft der Marktgemeinde mag nicht immer sachlich geführt worden sein, dafür war sie absolut authentisch – auch deshalb, weil Thoma und Vidal leidenschaftlich für ihre Überzeugungen eintraten und auch dann den Kopf hinhielten, wenn es weh tat. Wer sagt eigentlich, dass Kommunalpolitik staubtrocken ist? Die Pfaffenhofener haben gezeigt, dass es anders geht.

Keine Frage: Das Votum der Wähler ist bindend für die Gemeinderäte; und Richtschnur für den Landkreis Neu-Ulm, der keine Umfahrung gegen den Willen der Pfaffenhofener bauen wird. Verkehrspolitisch kommt in Pfaffenhofen nun alles wieder auf den Prüfstand. Nach diesem unglaublich knappen Abstimmungsergebnis sind aber alle Beteiligten gut beraten, zunächst inne zu halten, den Konflikt zu befrieden, das Kriegsbeil zu begraben. Umfahrungsgegner und Anhänger müssen wieder aufeinander zugehen, zum Wohle der Gemeinde und ihrer Bürger. Es gibt keine andere Wahl.