Langenau/München Bündnis für Demokratie und Toleranz zeichnet Langenauer aus

Am Dienstag erhielten die "Freunde von Francis Bioret" in der Münchner Staatskanzlei einen Preis des Bündnisses für Demokratie und Toleranz: Dr. Andreas Lörcher (von links), Karl Mack vom Initiativkreis 8.Mai, der Künstler Michael Döhmann und Pfarrer Wolfgang Krimmer nahmen den Preis von der Bundestagsabgeordneten Gabriele Fograscher entgegen.
Am Dienstag erhielten die "Freunde von Francis Bioret" in der Münchner Staatskanzlei einen Preis des Bündnisses für Demokratie und Toleranz: Dr. Andreas Lörcher (von links), Karl Mack vom Initiativkreis 8.Mai, der Künstler Michael Döhmann und Pfarrer Wolfgang Krimmer nahmen den Preis von der Bundestagsabgeordneten Gabriele Fograscher entgegen. © Foto: Gert Krautbauer, Staatskanzlei München
Langenau/München / HELGA MÄCKLE 20.11.2014
Mutig sei die Aufarbeitung des SS-Verbrechens in Langenau gewesen, sagte die Bundestagsabgeordnete Gabriele Fograscher über die "Freunde von Francis Bioret". Sie wurden am Dienstag in München ausgezeichnet.

"Nur wenn wir unsere eigene Geschichte kennen, können wir verhindern, dass ein solches Verbrechen wieder passiert." Das sagte Gabriele Fograscher am Dienstag im Prinz-Carl-Palais der Staatskanzlei in München. Die SPD-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Donau-Ries und Mitglied im Beirat des Bündnisses für Demokratie und Toleranz hielt dort die Laudatio für die "Freunde von Francis Bioret" und überreichte den Vertretern der Gruppe den Preis des Bündnisses, der mit 3000 Euro dotiert ist.

Die Langenauer Initiative hat aus Mitgliedern der evangelischen Kirche, der vh Ulm, des Initiativkreises 8. Mai, dem Künstler Michael Döhmann und einigen Privatleuten die Ermordung des französischen Zwangsarbeiters Francis Bioret 1945 in Langenau aufgearbeitet: Der damals 22-Jährige wurde von der SS aufgehängt, weil er sich mit seinem Chef, einem Schlossermeister, angelegt hatte. Es gab keine ordentliche Gerichtsverhandlung, kein Urteil: Am späten Abend des 13. April 1945, kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Langenau, wurde der junge Mann auf dem Markplatz hingerichtet.

"Anfangs war es ,dr Franzos', den man gehängt hatte", sagte Wolfgang Krimmer im Prinz-Carl-Palais, der bis vor kurzem Pfarrer in Langenau war und sich bei den "Freunden von Francis Bioret" engagiert. "Wir wollten ihm ein Gesicht - und seine Würde - zurückgeben", fuhr Krimmer bei der Preisverleihung fort, zu der neben Emilia Müller, bayerische Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, auch Karin Seehofer, Frau von Ministerpräsident Horst Seehofer, und zahlreiche Bundes- und Landtagsabgeordnete gekommen waren. Ein Gesicht habe man Bioret nicht geben können. Trotz umfangreicher Recherchen, auch in Biorets Heimat Frankreich, konnten die Langenauer kein Foto von ihm finden und auch niemanden mehr aus seiner Familie: Lediglich sein Grab auf einem Friedhof in Gennevilliers im Departement Haut-de-Seine machten die Langenauer ausfindig.

Krimmer, der den Preis gemeinsam mit Michael Döhmann, Dr. Andreas Lörcher von der vh Ulm und Karl Mack vom Initiativkreis 8. Mai entgegennahm, machte keinen Hehl daraus, dass die Aufarbeitung des SS-Verbrechens nicht von allen in der Stadt begrüßt wurde. "Es gab auch Widerstände." Die Auszeichnung durch das Bündnis aber zeige, dass der Weg richtig und wichtig war. "Eigentlich steht hier und heute Francis Bioret im Mittelpunkt", freute sich Wolfgang Krimmer. Gabriele Fograscher betonte, dass die "mutige Geschichtsaufarbeitung in der eigenen Stadt" nachhaltig wirke: Zum einen, weil daran auch Schüler aus Langenau mitwirkten, unter anderem mit einer szenischen Lesung, zum anderen heute eine Gedenktafel auf dem Langenauer Marktplatz an das Schicksal von Francis Bioret erinnert.

Fograscher zeichnete auch das zweite Projekt aus Baden-Württemberg aus, das einen der 42 bundesweit vergebenen Preise des Bündnisses für Demokratie und Toleranz erhalten hat: das "Brundibar-Projekt" der Musikschule Gregorianum und des Museums zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim. Sie haben gemeinsam 1998 und 2012 die Kinderoper Brundibar einstudiert. Diese war 1942/43 mehr als 50 Mal von KZ-Häftlingen in Theresienstadt aufgeführt worden. In Laupheim wurden Kinder, Jugendliche und Erwachsene an das Thema Deportation und Vernichtung herangeführt. Anschließend studierten die Kinder die Oper ein und führten sie vor mehr als 1600 Zuschauern auf. Kinder über Musik an das Thema Holocaust heranzuführen, sei "ein wirklich ein tolles Projekt", lobte Gabriele Fograscher.

Das Bündnis

Für Demokratie Das "Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt" wurde am 23. Mai 2000 von den Bundesministerien des Innern und der Justiz gegründet. "Unser Ziel ist es, das zivilgesellschaftliche Engagement für Demokratie und Toleranz in unserem Land sichtbar zu machen und möglichst viele Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Einsatz für unsere Demokratie zu ermutigen und anzuregen", heißt es auf der Internetseite

buendnis-toleranz.de. Jährlich werden Preise vergeben: 2013 sind 152 Bewerbungen eingegangen, 42 wurden ausgewählt, darunter die "Freunde von Francis Bioret". Für 2014 gibt es 285 Bewerbungen, die Preisträger stehen noch nicht fest.

 

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