Illerrieden Brücke zwischen Illerrieden und Vöhringen vor 85 Jahren eingeweiht

Rainer Palesch führt den drei Gewinnerinnen des Malwettbewerbs, Tebea Erath (9) aus Dietenheim, Zoe Alina Räpple (9) aus Illerrieden-Wangen sowie Lisa Schopies (6) aus Balzheim-Unterbalzheim, einen Hund der Hundestaffel vor. Foto: Polizei
Rainer Palesch führt den drei Gewinnerinnen des Malwettbewerbs, Tebea Erath (9) aus Dietenheim, Zoe Alina Räpple (9) aus Illerrieden-Wangen sowie Lisa Schopies (6) aus Balzheim-Unterbalzheim, einen Hund der Hundestaffel vor. Foto: Polizei
Illerrieden / HARALD KÄCHLER 08.11.2013
Seit nunmehr 85 Jahren verbindet die Illerbrücke die Nachbarkommunen Illerrieden und Vöhringen und damit Württemberg und Bayern. Vorher musste die Iller noch mit Hilfe einer Fähre überquert werden.

Seit alters her bestanden die Illerbrücken zwischen Oberkirchberg und Senden-Ay, Regglisweiler-Brandenburg und Au sowie Dettingen und Kellmünz. 1834/35 ersetzte die Brücke zwischen Dietenheim und Illertissen-Dornweiler den alten Übergang beim Gasthaus "Drei Mohren" in Regglisweiler. 1927/28 und 1929/30 erst kamen die Illerbrücken zwischen Illerrieden und Vöhringen sowie Oberbalzheim/Sinningen und Altenstadt hinzu.

Die beiden jüngsten Illerbrücken resultierten aus der Industrialisierung und dem Bau der Eisenbahn im Illertal im Jahre 1862. Die Wielandwerke hatten ihre Produktion der Wasserkraft wegen von Ulm nach Vöhringen ausgesiedelt. Sie beschäftigten nicht nur Arbeiter aus Vöhringen und dessen bayrischen Nachbargemeinden, sondern auch aus dem württembergischen Illertal und den Holzstöcken. Außerdem fuhren auch einige Illerriedener, Wangener und Dorndorfer mit der Illertalbahn von Vöhringen nach Ulm zur Arbeit.

Die Illerregulierung, die Ende des 19. Jahrhunderts im Bereich Illerriedens abgeschlossen war, ließ nun dort eine Brücke über den begradigten Fluss denkbar erscheinen. Der dafür angesparte Baufonds fiel freilich der Hyperinflation des Jahres 1923 zum Opfer. So bot vor 90 Jahren nur eine Fähre die Möglichkeit, trockenen Fußes über die Iller zu kommen. Diese war inzwischen überlastet und nicht mehr ganz verkehrssicher. "Von Mund zu Mund erscholl die schauerliche Kunde: Das Illerschiff mit allen Insassen ist untergegangen.

Herzzerreißend der Jammer in allen Straßen, besonders von den betroffenen Familien", verkündete der "Illertal Bote" seinen Lesern am 5. Januar 1924. Wie durch ein Wunder sei dabei niemand ums Leben gekommen. Viel zu viele Leute aus Illerrieden, Wangen, Dorndorf und Schnürpflingen hat sich am frühen Morgen auf die viel zu kleine Illerfähre gedrängt, um noch den Frühzug nach Ulm zu erreichen. Nach wenigen Augenblicken war die Fähre gekentert.

Dieses glimpflich abgelaufene Fährunglück war die Initialzündung für die nun folgende Brückenbaukampagne, deren treibende Kräfte Illerriedens Schultheiß Stoker und Vöhringens Bürgermeister Knauer waren. Inzwischen hatte das Bezirksamt Illertissen die Illerfähren aus Sicherheitsgründen stillgelegt, so dass die Illerriedener nun den Umweg über Oberkirchberg und Dietenheim in Kauf nehmen mussten, um auf die andere Illerseite zu gelangen.

Abhilfe tat not. Auch die Wielandwerke begrüßten das Projekt. Zwei große Versammlungen in Vöhringen und in Illerrieden führten die bayerischen und württembergischen Nachbargemeinden zusammen, was den bayerischen Bezirksamtmann Martini sagen ließ: "Das Illertal ist als Einheit zu betrachten." Acht Gemeinden unterzeichneten die Brückenbau-Resolution an die jeweiligen Regierungen. Staatsbeiträge und die Anerkennung als Notstandsarbeit standen in Aussicht, so dass der Gemeinderat Illerriedens am 27. Februar 1926 den Baubeschluss fasste. Von den veranschlagten 182.000 Mark Baukosten hatten die Gemeinden 60.000 Mark zu tragen, davon Illerrieden 24.000 Mark, Dorndorf steuerte 4000 Mark, Wangen 3000 Mark bei. Im September 1927 wurde schließlich der Grundstein für die neue Illerbrücke zwischen Illerrieden und Vöhringen gelegt, am 22. Juli 1928 war die feierliche Einweihung und Eröffnung - ein großes Fest für Illerrieden und Vöhringen.