Steinzeitpark Brot backen wie vor 6000 Jahren

Sigi Körner war zufrieden mit dem Ergebnis des ersten Back-Versuchs im selbst gebauten Lehmofen im Steinzeitpark Ehrenstein.
Sigi Körner war zufrieden mit dem Ergebnis des ersten Back-Versuchs im selbst gebauten Lehmofen im Steinzeitpark Ehrenstein. © Foto: Teresa Lorenz
Ehrenstein / Teresa Lorenz 18.08.2018

Drei Tage hat es gebraucht, den Ofen zu errichten – alles in Handarbeit, versteht sich. Nun steht der selbst gebaute steinzeitliche Stein­ofen zwischen Container und Holzhütte auf dem Gelände des Ehrensteiner Steinzeitparks. Dass sich seit der Saisoneröffnung im April schon einiges getan hat, zeigte sich beim Mitgliederhock des Fördervereins Steinzeitpark am Donnerstag.

Für den Ofen musste zuerst das Material zusammengetragen werden: Der Lehm kam aus einer Ziegelei in Bellenberg, erklärt Sigi Körner, der in diesem Projekt federführend agierte. Bevor er auf das Gerüst aus Weiden- und Haselnusszweigen aufgetragen werden konnte, musste der Lehm zuerst mit Stroh und Ziegelmehl gemagert werden. „Auch beim originalen Ofen wurde schon eine Art Ziegelmehl verwendet“, sagt Körner. Die frühzeitlichen Bewohner der Siedlung hätten ebenfalls Abfallreste wie Tonscherben verwendet, um den Lehm fester zu machen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein habe man Ofen wie diese verwendet, sagt Körner, freilich mit besseren Abzügen und in anderen Formen, aber die Art sei über Jahrhunderte dieselbe geblieben.

Das Modell im Steinzeitpark hat überhaupt keinen Abzug, der Rauch gelangt über die einzige Öffnung nach draußen. Wenn die Glut heiß genug ist, wird sie in den hinteren Teil des Ofens geschoben, um Platz für die Gebäckstücke zu machen. Auch die werden hier selbstverständlich nach steinzeitlichem Rezept gebacken. „Es ist ziemlich gut erforscht, wovon sich die Menschen zu dieser Zeit ernährt haben“, sagt Körner. Für die Demonstration beim Mitgliederhock hat er ein Rezept aus Sauerteig und Emmer ausgewählt. Zusätzlich hat er geschrotete Leinsamen hinzugefügt, um die Quellung des Teigs zu verbessern.

Man wisse nicht genau, welche Triebmittel es zur Zeit der Ehrensteiner Siedlung gegeben habe, sagt er, aber dass es welche gegeben haben muss, werde schon durch die Form des Ofens deutlich. „Für Fladen braucht man keinen solchen Ofen, da reicht offenes Feuer.“

Ein Schwall Hitze quillt aus dem Ofenloch, als Körner die Platte vor der Öffnung zur Seite schiebt und die Brotlaibe hinein. „Das Gewölbe wird extrem heiß“, sagt er. Der Steinzeitofen arbeite daher vor allem mit Oberhitze. Körner ist gespannt, als er die Öffnung wieder verschließt. „Das ist jetzt unser erster richtiger Versuch“, sagt er.  Es werde sicher noch ein paar Experimente brauchen, bis das Brot richtig werde. Als die Bortlaibe eine halbe Stunde später aus dem Ofen kommen, zeigt sich Körner jedoch zufrieden: „Das ist ziemlich perfekt.“ Die Besucher dürfen selbstverständlich probieren. 

Beim Ofen soll es freilich nicht bleiben: Nächstes Jahr soll mit dem Nachbau eines steinzeitlichen Hauses begonnen werden, sagt die Vorsitzende Beate Specker. Doch schon in der Planung taten sich mehr bürokratische Hürden auf als gedacht: „Man braucht tatsächlich auch für ein Steinzeit-Haus eine Baugenehmigung“, sagt Specker. Bis alle Anträge gestellt worden waren, dauerte es seine Zeit. In diesem Jahr sollen alle benötigten Materialien herbeigeschafft werden, damit im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden kann, Bauherrin ist die Stadt Blaustein.

Ein Dach aus Birkenrinde

Passende Stämme für das Holzhaus konnten zum Glück ausreichend auf Blausteiner Gemarkung gefunden werden. Für die Birkenrinde zur Verkleidung des Daches mussten die Vereinsmitglieder jedoch bis nach Günzburg fahren. Unter Anleitung lernten sie dort, wie die Rinde in einem Stück vom Stamm abgetrennt werden kann. In großen Stößen liegt die Rinde jetzt auf dem Gelände des Steinzeitparks, platt gedrückt von Holzstämmen. „Aber wir müssen im Frühjahr sicher nochmal hinfahren“, sagt Specker. Denn um das Dach des Steinzeit-Hauses zu decken, braucht es rund 100 Quadratmeter Rinde.

Außer dem Nachbau soll zudem in naher Zukunft ein Neubau mit Imbiss und Informationszentrum errichtet werden. Der Beschluss dazu gehe im Herbst hoffentlich durch den Gemeinderat, sagt Specker. Bis dahin haben die Vereinsmitglieder aber noch eine Menge anderes zu tun: 1000 Meter Seil müssen bis zum nächsten Jahr gefertigt werden, der Hanf dafür sei vor Kurzem bestellt worden, sagt Specker. „Dann kann jeder was mit nach Hause nehmen und über den Winter ein paar Meter Seil herstellen.“

Leben in der Steinzeit sichtbar machen

Projekt Das Steinzeitdorf Ehrenstein ist Teil des Unesco-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ und liegt in der Nähe des Blausteiner Teilorts unter der Erde. Auf dem Gelände entsteht gerade Stück für Stück ein Steinzeitpark, der das Leben in der Jungsteinzeit für Besucher erlebbar machen soll.

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