Die Gründer Thomas Kündiger (33) hat mehr als zehn Jahre Berufserfahrung im Maschinenbau. Er ist gläubiger Christ und war als Maschinenbautechniker viel mit Missionaren unterwegs, wollte ursprünglich Kleinwindkraftanlagen entwickeln und herstellen, hat diese Vision hintangestellt und es sich nun zur Aufgabe gemacht, den neuen Energiespeicher voranzubringen und ihn „groß zu machen“. Thomas Kündiger ist in der BOS AG der Spezialist für Gehäuse und Mechanik. Charaktertyp: „Der Direkte“.

Benjamin Seckinger (30) ist weit entfernt vom Christentum, hat aber bei Reisen in andere Länder erfahren, wie privilegiert er selbst ist und wie schlecht versorgt andere Menschen. Er hat eine Ausbildung absolviert als Mechatroniker, zwei Jahre als Facharbeiter gearbeitet, ein Wirtschaftsingenieur-Studium draufgelegt und den BWL-Master. Benjamin Seckinger arbeitete schon mehrere Jahre in Führungspositionen, gründete die Regionalgruppe der Ingenieure ohne Grenzen Ulm/Neu-Ulm, trieb fünf Jahre die ländliche Elektrifizierung in Afrika und Asien voran, und kam zu dem Schluss: „Das war meist ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es war nicht nachhaltig. Langfristig funktioniert es nur, wenn es sich rechnet.“ Zweite Erkenntnis: „Nur in einer eigenen Firma kann ich meine Vorstellungen verwirklichen.“ In der BOS AG ist er verantwortlich für Finanzen und Marketing. Charaktertyp: „Der Diplomat.“

Peter Adelmann (53) ist Professor für Solarenergie-Technologie in Ulm. Er hat in seinem Leben „nur Solartechnik gemacht“. Aus Überzeugung. „Es gibt Branchen, in denen man schneller mehr Geld verdienen kann“, sagt Peter Adelmann, „aber Solartechnik ist eine ethisch hochwertige Tätigkeit. Und das ist mir wichtig.“ Danach gefragt, wie viele Firmen er schon gegründet hat, gibt Adelmann die Frage zurück: „Reicht da ’ne ungefähre Zahl?“ Der Professor schätzt, es dürften 40 sein. Peter Adelmann ist Mentor der jüngeren BOS AG-Gründer. Charaktertyp: „Der Initiator.“

Bernhard Adelmann (24) ist Sohn des Professors und wurde von seinem Vater früh für den Prototypenbau eingespannt – noch während des Fachabiturs. Er hat wie die anderen drei Gründer Auslandserfahrung, half in Äthiopien eine Schule zu elektrifizieren. Die komplette Elektronik des neuen Energiespeichers hat der 24-jährige Elektronik-Ingenieur entwickelt. Seine Motivation ist der des Vaters sehr ähnlich. Bernhard Adelmann sagt: „Ich will meine Energie in etwas Sinnvolles stecken.“ Charaktertyp: „Der Möglichmacher.“

Das Produkt Der neue, patentierte Energiespeicher besteht aus einer Blei- und einer Lithiumbatterie. Er kombiniert somit bestehende Technologien und damit deren Vorteile. Bleibatterien sind kostengünstig und halten lange, allerdings nur dann, wenn sie immer wieder voll geladen werden. Lithiumbatterien müssen nicht vollgeladen sein, sind aber relativ teuer. Der neue Speicher funktioniert vereinfacht ausgedrückt so: Erst wird die Bleibatterie geladen, bis sie voll ist, zusätzliche Energie läuft in die Lithiumbatterie. Von dort wird sie bei Bedarf auch zuerst wieder abgerufen. Die Innovation besteht darin, dass eine relativ kostengünstige, langlebige Hybrid-Lösung entwickelt wurde. Gernot Schnaubelt, Spezialist für Technologietransfer bei der IHK Ulm, bewertet die Neuentwicklung so: „Speichertechnologien gibt es viele – aber es gibt nicht das, was wir brauchen, um die Erneuerbaren ins Netz einzubinden.“ Anders ausgedrückt: „Bisher war es nicht möglich, den Strom zuhause kostengünstiger zu speichern als ihn einzuspeisen.“

Der Preis für einen BOS-Energiespeicher liegt je nach Kapazität bei 200 bis 400 Euro, der kleinste hat 0,5 Kilowattstunden (kWh), der größte 2. Mit so einem Speicher kann beispielsweise eine Schule beleuchtet oder eine Nähmaschine betrieben werden. Die BOS AG hat den Energiespeicher nicht nur entwickelt, sie vertreibt ihn auch über Großhändler, und sie übernimmt die Endmontage der Geräte – im Moment unter provisorischen Bedingungen in einem alten Bauernhaus.

Markteinführung Das Unternehmen wurde im Sommer 2014 gegründet und befindet sich im Stadium der Markteinführung. Mehr als 40 Speicher wurden nach Angaben der Gründer bereits verkauft – darunter auch viele in Deutschland. „Wenn das Produkt auch hier läuft, werden wir uns dem nicht verschließen“, sagt Kündiger. Anwendungen seien in Wohnmobilen genauso denkbar wie in Wetterstationen. Zurzeit beschäftigt die BOS AG zehn Mitarbeiter, einige davon in Teilzeit. Man will künftig auch Montagemitarbeiter einstellen.

Die AG Das Unternehmen wurde weder als GmbH noch als GbR gegründet, auch wenn das Gros der Gründer diese Rechtsformen vorzieht. Es sollte eine AG sein, die mit großem Aufwand verbunden, aber eben auch „international bekannt ist und als vertrauenswürdig gilt“, sagt Benjamin Seckinger. Außerdem benötigten die Gründer Geld: eine halbe Million Euro. 85 Prozent des Kapitals kommen von außen. 2017 wollen die Gründer schwarze Zahlen schreiben. Die dazu erforderliche Stückzahl liegt nach ihrer Planung bei 25.000. Das erklärte Ziel der vier: aus dem High-Tech-Start-Up ein mittelständisches Unternehmen aufzubauen.

Am Rande bemerkt: Thomas Kündiger testet gerade zuhause einen Prototypen mit 10-kWh-Speicher.

Viele ziehen einen sicheren Verdienst ohne Risiko vor

Kammerbezirk Die Zahl der Gründungen nimmt in Ulm und den Landkreisen Alb-Donau und Biberach seit Jahren ab. Waren es 2009 während der Wirtschaftskrise noch 3784, so wurden 2014 nur noch 2945 gezählt (Quelle: Statistisches Landesamt). Für 2015 rechnet der Leiter des Starter-Centers der Industrie- und Handelskammer Ulm, Artur Nägele, mit einem weiteren Rückgang. Die Entwicklung hängt mit der guten Konjunktur zusammen. In einer florierenden Wirtschaft gibt es attraktive Jobs – gerade auch für jene, die für eine Gründung prädestiniert wären.

Risikoweg Gleichwohl nehmen einige das Risiko und die Mühsal einer Existenzgründung auf sich – wie die vier Gründer der BOS AG in Illerkirchberg. „Weil sie überzeugt sind von ihrem Produkt und den Marktchancen“, sagt Nägele. „Deshalb gründen sie trotzdem.“