Langenau Bonbons aus dem Hubschrauber

Erste Flugstunden unter Anleitung von erfahrenen Piloten: Eine Szene vom Flugplatzfest gestern in Langenau.Foto: Amrei Groß
Erste Flugstunden unter Anleitung von erfahrenen Piloten: Eine Szene vom Flugplatzfest gestern in Langenau.Foto: Amrei Groß © Foto: Amrei Groß Foto: Erste Flugstunden unter Anleitung von erfahrenen Piloten: Eine Szene vom Flugplatzfest gestern in Langenau.Amrei Groß
Langenau / AMREI GROSS 11.07.2016
Ein Schnupperfliegen mit Vereinsmodellen und ein Flugtag mit Show haben rund 1000 Gäste auf den Flugplatz des MSV Langenau gelockt.

Wenn Reiner Schneider seinen Hubschrauber startklar macht, braucht er Kaubonbons und Karamell in Hülle und Fülle. Bis zu zwei Kilogramm der Süßigkeiten transportiert sein T-Rex 700 im HUGHS 500D-Rumpf mühelos. Eine Zuladung, die der begeisterte Modellhelikopter-Pilot am Sonntag gerne ausnutzte: Als „Mr. Candyman“ machte er den kleinen Besuchern des Flugplatzfests des Modellsportvereins Langenau (MSV) viel Freude.

„Hubschrauber haben mich schon immer fasziniert“, sagte Schneider. Da er auf einen Rollstuhl angewiesen ist, schätze er die Freiheit, seine Modelle alleine fliegen und händeln zu können. „Einen Hubschrauber kann ich anders als ein Flugzeug punktgenau bei mir landen“. Und im sogenannten „Racecopter“ – eines mit Hilfe einer Videobrille gesteuerten Quatrocopters – erlebe er den Flug sogar so, als ob er selbst im Cockpit säße: „Ich fliege quasi mit dem Modell“. Und das sei ein einzigartiges Erlebnis. Am Sonntag aber stand sein Bonbon-Hubschrauber im Mittelpunkt. Schwer beladen startete er zu einigen Runden über den Flugplatz bei Setzingen, bevor er seine zuckersüße Fracht punktgenau vor den kleinen Festgästen abwarf. 

Neben der Gaumenfreude gab es freilich auch allerlei für Augen und Ohren. Über zwei Dutzend erfahrene Piloten aus der Region stellten ihr Können an mehr als 30 verschiedenen Modellen unter Beweis. Unter ihnen der 18-jährige Manuel Kamitz vom MSV Langenau, der mit seinen spektakulären Stunts und Kunstflugeinlagen auf höchstem Niveau den Atem der Zuschauer stocken ließ. Im Anschluss entführten Werner Ley aus Bubesheim und der MSV-Vorsitzende Joachim Stahl das Publikum in die Zeit der Vereinsgründung in den 70er Jahren. Mit Modellen von anno dazumal, einer leuchtend gelben Doppel-Crossmo Marke Eigenbau und einer Curare, sorgten die beiden für Modellflieger-Nostalgie pur.

„Die Curare war einst das Nonplusultra“, erinnerte sich Stahl mit etwas Wehmut. Unmittelbar im Anschluss folgte Hightech: Rainer Kamitz startete mit seinem Natrix, einem turbinengetriebenen Sportjet der neuesten Generation, zum Kunstflug zu Musik; direkt im Anschluss donnerte mit Jo Nüsselers Heinkel He 162 Salamander wiederum der Nachbau eines historischen Flugzeugs gen Himmel.

Wer selbst einmal Hand an den Steuerknüppel legen wollte, hatte bereits am Samstag die Gelegenheit – beim Jedermannfliegen mit Vereinsmodellen unter der Anleitung erfahrener Piloten. Etliche kamen und versuchten sich. „Wenn man dranbleibt, beherrscht man sein Flugzeug in einer Saison“, machte Joachim Stahl den Flugschülern Mut. Neben etwas technischem Interesse brauche es lediglich Ehrgeiz. Und: Der Flugsport sei ausdrücklich „kein Männerhobby“, sondern eine Freizeitbeschäftigung für die ganze Familie. „Wir würden uns über Nachwuchs freuen“.

Vor allem Jugendliche will der gut 100 Mitglieder starke Verein ansprechen. Das Angebot am Samstag kam unter ihnen bestens an. Dennoch blickt Stahl mit Sorge in die Zukunft: „Derzeit gibt es in der Politik Überlegungen, die Flughöhe für Modelle auf maximal 100 Meter zu begrenzen“, erklärt er. Noch seien bis zu 2400 Fuß – etwa 800 Meter –  erlaubt. Künftig könnten in diesem Bereich Frachtdrohnen verkehren. „Für unseren Sport würde dies das Aus bedeuten“. Die Initiative „Pro Modellflug“ hat eine Petition ins Leben gerufen, die die Novellierung luftrechtlicher Bestimmungen oder Gesetzesvorhaben stoppen soll. Fast 100 000 Freunde des Modellflugsports haben bereits unterzeichnet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel