Blaustein / SAMIRA EISELE  Uhr
Wie soll der Steinzeitpark aussehen, wie muss das Konzept sein, um einen Tourismuszuschuss zu erhalten? Blausteiner Stadträte diskutierten nach kurzer Aufregung sachlich und zogen den Förderantrag zurück. Mit einem Kommentar von Samira Eisele: Licht früher anknipsen

Kurzer Eklat, ausführliche Informationen und ein einstimmiger Beschluss, den Antrag auf Tourismusförderung zurückzunehmen: Der Blausteiner Gemeinderat befasste sich intensiv mit dem Thema Steinzeitpark. Und das – auf Antrag aus den Fraktionen Freie Wähler, Grüne und CDU – auch im öffentlichen Teil der Sitzung.

„Mit etwas gutem Willen könnten wir zusammenarbeiten.“ Vor diesem fast versöhnlichen Satz hatte Elisabeth Couvigny-Erb, SPD-Fraktionsvorsitzende in Blaustein, eine empörte Erklärung abgegeben. „Zum Kotzen“ fand sie, dass die anderen Fraktionen die SPD nicht in ihre Entscheidung zum Antrag auf Öffentlichkeit eingebunden hatten, obwohl diese „grundsätzlich einverstanden“ gewesen wäre. Und den Fakt, dass ein Artikel der SÜDWEST PRESSE schon vor der Sitzung das Scheitern des Antrags samt Äußerungen aller Fraktionen, des Bürgermeisters und des Fördervereins Steinzeitdorf bekannt gemacht hatte. Sie konstatierte: Durch diese Form der Diskussion „wurden wir alle der Lächerlichkeit preisgegeben“. Sofortige Gegenwehr aus der CDU-Fraktion und ein kurzer Aufruhr mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, durch wen der nicht-öffentliche Tagesordnungspunkt bekannt geworden war, schlossen sich an. Bürgermeister Thomas Kayser mahnte, „sachlich und sachorientiert“ weiter zu machen, was dann auch gelang.

Im nun öffentlichen Punkt „Projektplan und Betreiberkonzept Steinzeitpark Blaustein“ – SPD-Fraktion und Bürgermeister Kayser hatten sich enthalten – stellten die Vorsitzenden des Fördervereins Steinzeitdorf einen groben Plan für die Arbeitsschritte in den kommenden Jahren vor. Kayser bat die Stadträte, diese „Bausteine“ zu ergänzen, wenn etwas Wichtiges fehle.

Für die Bauarbeiten am Steinzeitpark ist ein Budget von knapp 1,7 Millionen Euro für die Jahre 2016 bis 2020 vorgesehen. Der Plan:

2016 sollen der restliche Schlamm beziehungsweise das Fremdmaterial auf dem Gelände des Steinzeitdorfs abgetragen werden. Das Areal war früher ein Schlammabsatzbecken des Kalkwerkes Max Hilsenbeck & Co.. Diese Vorarbeiten stehen einer Tourismusförderung für den Park nicht im Weg. Diese wird nur ausgeschüttet, wenn der Bau noch nicht begonnen hat.

2017 soll eine Fußgängerbrücke über den Blaukanal gebaut werden. Zunächst waren zwei Brücken geplant, doch der Zuschnitt des Steinzeitdorfs ist nach neueren Erkenntnissen anders als gedacht. Zudem sollen die Flächen im vorderen Bereich (Richtung Ran-Tankstelle) ausgebaut werden.

2018 soll der Unterbau im hinteren Bereich des Dorfs weitergehen. Im Hochbau soll ein Zeltdach über den so genannten Aktionsbereich gebaut werden, in dem in diesem Jahr außerdem der Nachbau eines Steinzeitgebäudes beginnen soll. Es soll exemplarisch die unter der Erde liegenden Gebäude zeigen.

2019 sollen die Wege und das Steinzeitgebäude fertig ausgebaut werden und ein ausführliches Informationssystem die zuvor aufgestellten einfachen Hinweistafeln ersetzen.

2020 soll das Eingangsgebäude fertig gebaut werden. Es soll ein Café oder Bistro und Lagerräume beinhalten. Ein Zaun um das Gelände soll geschlossen werden.

Hauptamtsleiterin Anke Jaeger war sich nach der Vorstellung des Projekts sicher: „Das könnte schon ein Renner werden – wenn wir es gut vermarkten.“ Auch, weil das Gelände des Steinzeitparks direkt am Donauradweg liegt.

Die noch nicht ausgereifte Vermarktung beziehungsweise die Einbinden des geplanten Parks in ein touristisches Gesamtkonzept der Stadt war ein Teil der Kritik, die das Regierungspräsidium Tübingen am Antrag aus Blaustein geäußert hatte. Jaeger erläuterte: Ende Oktober sei der Anruf gekommen, innerhalb von zehn Tagen hätte Blaustein umfangreiche Infos nachreichen können – zum Beispiel die Baugenehmigungen für das geplante Café. Die Zeit war zu knapp, die Anforderungen zu umfangreich und beim Stellen des Antrags auch nicht bekannt, sagte Jaeger: „Ich kann mich nur entschuldigen.“

Da der Antrag dem RP zufolge „keine Aussicht auf Erfolg“ habe, empfahl die Stadt dem Gemeinderat, der Rücknahme zuzustimmen. Nächstes Jahr kann er erneut gestellt werden. Im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung stimmten die Stadträte diesem Vorgehen einmütig zu, wie Jaeger gestern offiziell bekannt geben durfte.

Ein Kommentar von Samira Eisele: Licht früher anknipsen

Blaustein in neuem Licht zeigen: Die Aufgabe, aus dem Steinzeitdorf Ehrenstein einen Steinzeitpark, einen Anziehungspunkt für Touristen und einen Erholungsort für Blausteiner zu machen, ist keine einfache. Aber eine, von deren Bewältigung die Stadt profitieren wird. Verwaltung und Gemeinderat stellen sich der Verantwortung. Doch sie sind nicht die einzigen, die das Projekt betrifft und interessiert. Das Gesamtbudget von 1,7 Millionen Euro verteilt auf die kommenden fünf Jahre ist ein tiefer Griff in die Stadtkasse. Da dürfen die Blausteiner wissen, was mit dem Geld geplant ist, wo Fördermittel Einsparungen bringen könnten. Und sie dürfen erfahren, wenn ein Schritt auf diesem Weg misslingt.

Dass die Stadt den Antrag auf Tourismusförderung zurücknehmen muss, weil sie nicht alle Aspekte umfassend beleuchten konnte, ist schade. Aber es ist weder ein Wunder noch ein Beinbruch. Blaustein ist gerade erst zur Stadt geworden, hat bisher kein umfassendes Tourismuskonzept, keine Erfahrung mit Anträgen dieser Art. Kurz: Fehler können passieren.

Nicht das Scheitern wirft ein schlechtes Licht auf die Angelegenheit, sondern das Schweigen – wenn der Patzer kurz nach der Bürgermeisterwahl bekannt wird und dann nicht-öffentlich behandelt werden soll. Dazu kommt das Drängen auf den Förderantrag, der trotz Bedenken schnell gestellt werden musste. Das Scheitern war also nur Auslöser dafür, über Unstimmigkeiten zu sprechen. Diese gibt es. Das zeigt sich auch daran, dass sich die Fraktionen schwer damit taten, aufeinander zuzugehen – obwohl sich alle einig waren, über die Rücknahme des Förderantrags öffentlich zu beraten.

Die SPD-Vorsitzende Elisabeth Couvigny-Erb hat also genauso Recht damit, den Ausschluss ihrer Fraktion aus dem Antrag auf Öffentlichkeit zu kritisieren, wie die anderen Fraktionen ein Recht darauf hatten, ihn zu stellen.

Der neue Blick auf zuvor verborgene Konflikte bietet aber auch die Chance, sich neu zu orientieren. Sie sollte nicht damit vertan werden, Schuldige oder den Maulwurf zu suchen. Sondern genutzt werden, in Zukunft das Licht früher anzuknipsen.