Bildung Blaustein: 10.000 Kilometer Schulweg in vier Jahren

Erstklässlerin voll bei der Sache: Auch Lia aus Blaustein freut sich auf die Schule. Zu Fuß hingehen wird sie voraussichtlich nie: Die 500 Meter entfernte Schule gehört zu Ulm.
Erstklässlerin voll bei der Sache: Auch Lia aus Blaustein freut sich auf die Schule. Zu Fuß hingehen wird sie voraussichtlich nie: Die 500 Meter entfernte Schule gehört zu Ulm. © Foto: Davide Agosta
SAMIRA EISELE 15.09.2017
Die Ulmer Merian-Grundschule liegt viel näher, aber in Ulm: Eine Blausteiner Erstklässlerin hat in vier Grundschuljahren 10.000 Kilometer Schulweg vor sich.

Ihr Nachbarsjunge und bester Freund geht hin, ihre beste Freundin aus dem Kindergarten auch, aber Lia hat keinen Platz an der Maria-Sibylla-Merian-Grundschule an der Heilmeyersteige in Ulm bekommen. Das ist zunächst nachvollziehbar, denn Lia wohnt in Blaustein. Aber: Sie wohnt im Neubaugebiet Pfaffenhau, das an den Ulmer Eselsberg grenzt. Zur Eduard-Mörike-Grundschule in Klingenstein, wo Lia am Mittwoch eingeschult wurde, sind es von dort aus vier Kilometer – in die Merian-Grundschule nur 500 Meter, die Lia zu Fuß gehen könnte. „Ich habe mich immer über die Eltern geärgert, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen – heute Morgen habe ich mich selbst vor der Schule eingereiht“, sagt Mutter Katja Hastedt: Sie rechnet mit 10.000 Kilometern Fahrstrecke und 800 Euro Benzinkosten in vier Jahren nur für den Schulweg.

Wenige Gründe zählen für Antrag

Bei der Schulanmeldung im März dieses Jahres habe sie, die mit ihrem Mann, der sechsjährigen Lia und dem einjährigen Sohn seit elf Monaten im Pfaffenhau wohnt, einen Antrag auf Schulbezirkswechsel gestellt, der im Mai abgelehnt wurde. Begründung: Die Merian-Grundschule sei bereits voll. Von einer Blausteiner Rektorin habe sie gehört, dass dort 28 Schüler pro Klasse angemeldet seien. „Das habe ich akzeptiert – sie können ja keinen Anbau machen für meine Tochter.“ Sie meldete Lia an der Eduard-Mörike-Grundschule an, die im Gegensatz zur näher gelegenen Ludwig-Uhland-Schule ein Ganztagsangebot hat – für die berufstätige Mutter ein Muss.

Im August wies eine Nachbarin Katja Hastedt dann darauf hin, dass an der nahen Merian-Schule nun die Klassenlisten aushingen: Mit 21 beziehungsweise 22 Erstklässlern. Daraufhin habe sie noch einmal beim Schulamt nachgefragt und darum gebeten, die Entscheidung zu überprüfen. Das Amt antwortete: Zwar sei die Aufnahmekapazität der Merian-Schule nicht ausgereizt, aber in Lias Fall lägen keine genehmigungsfähigen Gründe für einen Schulbezirkswechsel von Blaustein nach Ulm vor. „Ich fühlte mich hilflos“, sagt Katja Hastedt: „Ich verstehe auch die Hintergründe nicht.“

Die erklärt Achim Schwarz, Stellvertretender Amtsleiter des Schulamts Biberach. Genehmigungsfähige Gründe für den Schulbezirkswechsel seien beispielsweise ältere Geschwisterkinder an der Wunschschule – wie im Fall von Lias Nachbarsjungen – oder fehlende  Ganztagsbetreuung im Schulbezirk: „Das sind Regelungen, an die wir uns halten müssen, auch im Sinne der Gleichbehandlung aller Antragssteller.“ Schulweg und Freundschaften spielten bei dieser Entscheidung folglich keine Rolle. Schwarz findet den Ärger der Eltern „verständlich und nachvollziehbar“. Doch die Behörde habe in diesem Fall „keinen Spielraum“. Und selbst wenn genehmigungsfähige Gründe vorlägen, gäbe es keinen Rechtsanspruch auf den Wechsel des Schulbezirks, der im Übrigen in „hoher Anzahl“ und „gefühlsmäßig mit steigender Tendenz“ beantragt werde. Schwarz weist darauf hin, dass Lias Eltern auch der Ablehnung ihres Widerspruchs vom August noch widersprechen könne. Viel Hoffnung möchte er aber nicht machen, wenn es keine neuen Fakten gibt: „Eigentlich ist die Sache klar.“

Bei der Einschulung habe sich Lia sehr gefreut, obwohl sie in der neuen Schule „kein einziges Kind“ kannte, sagt die Mutter. Ob sie trotzdem ein zweites Mal Widerspruch einlegt, möchte sie sich noch überlegen.

Ulmer Kinder in Blausteiner Schulen

Gegenrichtung Sechs Schüler, die in Ulm wohnen, besuchen derzeit die Grundschulen in Blaustein.