Blaustein Blaustein wird am 1. Oktober zur Stadt erhoben

Blaustein darf vom 1. Oktober an den Titel »Stadt« tragen. »Unsere Bemühungen haben sich gelohnt«, kommentiert Bürgermeister Thomas Kayser den am Dienstag vom Landeskabinett gefassten Beschluss.
Blaustein darf vom 1. Oktober an den Titel »Stadt« tragen. »Unsere Bemühungen haben sich gelohnt«, kommentiert Bürgermeister Thomas Kayser den am Dienstag vom Landeskabinett gefassten Beschluss. © Foto: SPD Blaustein
Blaustein / JOACHIM STRIEBEL 24.06.2014
Blaustein darf vom 1. Oktober an den Titel „Stadt“ tragen. „Unsere Bemühungen haben sich gelohnt“, kommentiert Bürgermeister Thomas Kayser den am Dienstag vom Landeskabinett gefassten Beschluss.

Von der Großgemeinde zur Stadt: Auf Vorschlag von Innenminister Reinhold Gall hat das Landeskabinett beschlossen, Blaustein mit Wirkung vom 1. Oktober an die Bezeichnung „Stadt“ zu verleihen. Voraussichtlich wird Gall persönlich dem Bürgermeister die Urkunde des Landes Baden-Württemberg am 21. September überreichen. Thomas Kayser denkt dafür an einen Festakt mit Reden und Musik. Der Zeitpunkt liege zwischen den „Blausteiner Kulturtagen“ und dem „Blausteiner Herbst“. Aus Kaysers Sicht passt das gut. Denn beide Veranstaltungen seien Beispiele für das Gemeinschaftsgefühl in Blaustein. Der Zusammenschluss von Ehrenstein und Klingenstein sei 1968 ein Experiment gewesen. Dies sei geglückt, auch die Eingemeindung umliegender Orte 1974 und 1975. „Blaustein ist zur eigenständigen Kommune gewachsen.“

Das Innenministerium teilt diese Einschätzung. Wie Kayser berichtet, haben im Herbst zwei Vertreter des Ministeriums Blaustein besichtigt und sich vor allem für die Entwicklung in der Tallage interessiert. In dem am Dienstag dem Kabinett vorlegten Schreiben heißt es: „Die Ortsteile Ehrenstein und Klingenstein mit dem Wohngebiet Pfaffenhau bilden ein weitestgehend geschlossenes Gebiet.“ Dem Ort wird ein „städtisches Gepräge“ bescheinigt mit Kultur-, Bildungs-, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten.

Warum hat Blaustein die Stadterhebung beantragt? „Man wird anders wahrgenommen“, sagt Bürgermeister Kayser, der das Prädikat als Bestätigung der bisherigen Entwicklung sieht. Er erwartet, dass die Bezeichnung „Stadt“ die Identifikation der Bürger mit ihrem Ort stärken wird. Mehr Geld gibt es nicht, weder für Bürgermeister und Angestellte noch für die Gemeinde. „Ein Titel ohne Mittel“, sagt der Erbacher Alt-Bürgermeister Paul Roth. Während seiner Amtszeit wurde im Jahr 2002 Erbach als erste Kommune im Alb-Donau-Kreis nach der Kreisreform zur Stadt ernannt. „Wenn ein Betrieb ein Gütezeichen haben kann, dann beantragt er das“, zieht Roth einen Vergleich. Er habe damals zunächst an die Außenwirkung gedacht. „Doch die Innenwirkung war viel wertvoller.“ Die Bürger hätten sich plötzlich mehr mit Erbach beschäftigt. Es habe eine großartige Festwoche gegeben, „und diesen Schwung hat man mitgenommen“. Erbach sei weltoffener geworden. „Wir waren keine graue Maus mehr“, sagt Roth. Die Kosten für neue Briefköpfe, Ortsschilder und Stempel hätten sich „in einem vernachlässigbaren Rahmen bewegt“, erinnert sich der frühere Bürgermeister. Die Befugnisse hätten sich nicht geändert. Allerdings durften sich Gemeinderäte plötzlich Stadträte nennen.

Die Ulmer Landtagsabgeordneten Martin Rivoir (SPD) und Jürgen Filius (Grüne) gratulierten Kayser zur Stadterhebung. Der Kabinettsbeschluss würdige „die positive Entwicklung zu einem äußerst vitalen und attraktiven Ort, in dem es sich gut leben lässt“, meint Rivoir. Das Land anerkenne die Leistungen Blausteins bei der Infrastruktur, der Bildung und der Kultur, sagt Filius und fordert eine Anbindung Blausteins an ein „städtisches Verkehrsmittel“ in Form einer S-Bahn.

Kommentar von Joachim Striebel: Prädikat als Verpflichtung

Von der "Stadt Blaustein" war in jüngster Vergangenheit immer wieder die Rede. Der Bauhof wählte für die Nummernschilder neuer Fahrzeuge nach der Kreiskennung UL die Buchstaben „SB“ für Stadt Blaustein, externe Planer sprachen im Gemeinderat gern von der Stadt Blaustein – aus Versehen oder weil sie dem Gremium schmeicheln wollten. Im Gegensatz zu Kommunen wie Blaubeuren, die den Titel im Mittelalter wegen ihrer strategischen Lage verliehen bekamen, musste sich Blaustein das Prädikat erarbeiten. Denn das Innenministerium befürwortet einen Antrag auf Stadterhebung nicht ohne weiteres. Das wurde bei einem früheren Anlauf deutlich, als sich die Bewertungskommission etwa an den Dreckhäufen im Lixgebiet störte.

Nun bescheinigt das Ministerium der Gemeinde, die Weichen für eine urbane Zukunft richtig gestellt zu haben. Ehrenstein und Klinenstein sind zusammengewachsen, in der Mitte ist ein Zentrum mit Infrastruktur vom Discounter übers Café bis zur Arztpraxis entstanden, der Verkehr wurde mit der Osttangente und Kreiseln neu geordnet.

Bis zu einem wirklichen städtischen Gepräge muss Blaustein noch viele Baustellen angehen: die Entwicklung des Lixgebiets zum Sport- und Freizeitpark, die Gestaltung des Sanierungsgebiets „Stadelwiesen“ mit der seit Jahren ungenutzten „Kalten Herberge“, die Trasse zur Bahnunterführung in Klingenstein. Das Prädikat „Stadt“ wird für Bürgermeister Thomas Kayser und den neuen Gemeinderat zur Verpflichtung, angestoßene Entwicklung konsequent weiterzuführen. Mit neuen Formen der Bürgerbeteiligung, auch bei den Themen Bildung, Kultur und Soziales. Wie in einer Stadt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel