Blaustein Blaustein will mit einem Park auf Unesco-Welterbe aufmerksam machen

Blaustein / JOACHIM STRIEBEL 12.02.2014
Es gehört zum Unesco-Weltkulturerbe, liegt aber versteckt unter der Erde: Vom Steinzeitdorf Ehrenstein wird jetzt mit dem Nachbau einer Hütte etwas sichtbar. Aktionen sollen die Steinzeit erlebbar machen.

Als das Kalkwerk Hilsenbeck 1952 mit Aushubarbeiten für den Bau eines Schlamm-Absetzbeckens begann, förderte die Schaufel eines Baggers ein Tongefäß und mehrere Hirschgeweihstücke ans Tageslicht. Die Arbeiter waren in Ehrenstein auf die Reste einer jungsteinzeitlichen Siedlung gestoßen. Archäologen des Denkmalamts gruben weiter und entdeckten Hölzer von Hütten. 1960 erfolgte eine zweite Grabung, danach wurde die Fundstelle mit Erde bedeckt, um das 6000 Jahre alte Bauholz zu konservieren. Heute erinnert zwischen Blaukanal, Bundesstraße 28 und RAN-Tankstelle nichts an die prähistorische Siedlung. Seit das Steinzeitdorf Ehrenstein zusammen mit 110 anderen Pfahlbau-Siedlungen vor drei Jahren in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurde, ist das Interesse groß. Nach eineinhalbjähriger Arbeit haben Bürgermeister Thomas Kayser und ein Blausteiner Arbeitskreis dem Gemeinderat ein Konzept für einen Steinzeitpark präsentiert.

Blaustein will damit nicht in einer Liga mit dem Archäopark Niederstotzingen und dem Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren spielen – als Anschub sind für dieses Jahr gerade mal 20 000 Euro im Investitionsplan der Gemeinde vorgesehen. Das Konzept soll auf mehrere Jahre verteilt umgesetzt werden. Den Betrieb will die Gemeinde einem Förderverein übertragen.

Der Landschaftsarchitekt Edmund Spengler und der Architekt Eberhard Ludwig, die wie der frühere Bürgermeister Gerhard Häberle und weitere Blausteiner zum Förderkreis gehören, zeigten Skizzen: Von der Kurt-Mühlen-Straße her beginnt neben der RAN-Tankstelle die Zeitreise. Durch ein kleines Eingangsgebäude mit WC und Kiosk gelangen die Besucher zum „Aktionsbereich“, wo nicht nur Lagergebäude und Arbeitstische für steinzeitliche Bastelarbeiten stehen, sondern auch der Nachbau einer Hütte von damals. Die Fläche wird von einer zeltartigen Konstruktion überspannt, die als Witterungsschutz für das Steinzeithaus dient, das sonst nur ein paar Jahre halten würde. Nebenan ist eine Feuerstelle, wo Schulklassen steinzeitliche Mahlzeiten kochen können.

Ein Rundweg, der teilweise als „Knüppelpfad“ mit liegenden Rundhölzern befestigt werden soll, führt ins Steinzeitdorf. Dort wird mit Rücksicht auf die 1,5 Meter unter der Erde liegenden Originalstücke nichts gebaut. Von den 44 Häusern westlich und östlich des Blaukanals – dieser wird mit zwei Fußgängerbrücken überspannt – werden nur die Grundrisse angedeutet, etwa mit Rindenmulch. Am Rande des Gebiets nahe der B 28 ist ein Aussichtspunkt geplant, zwischen Steinzeitdorf und Bahnlinie können Felder mit ursprünglichen Getreidesorten angelegt werden. Weiter ist an einen Abenteuerspielplatz gedacht. Ein noch bestehender Auwald bleibt unverändert, „um zu zeigen, was damals vorherrschend war“, sagte Edmund Spengler.

Beim Gemeinderat kam das Konzept gut an. „Wir machen Geschichte erlebbar“, sagte Hermann Geywitz (Grüne). „Es ist toll, dass man jetzt eine Richtschnur hat“, freute sich Gerhard Mattes (CDU). Elisabeth Couvigny-Erb (SPD) riet, rasch Förderanträge ans Regierungspräsidium und ans Landratsamt zu richten. Josef Oßwald ist es ein Anliegen, von Anfang an Jugendliche einzubeziehen.

Dies ist vielleicht schon bald möglich, wenn das Denkmalamt zusammen mit Helfern im Damm des ehemaligen Absetzbeckens mit Nachgrabungen beginnt. Dieser wurde einst mit Aushub aufgeschüttet. Grabungen in der Fläche sind nicht vorgesehen, sagte Sabine Hagmann von der Arbeitsstelle für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie des Landesamts für Denkmalpflege. Das Unesco-Siegel verpflichte dazu, Wissen zu vermitteln und Fundstätten zu erhalten. 1952 und 1960 wurden nur Teile des Steinzeitdorfes freigelegt. Sabine Hagmann ist sich deshalb sicher, dass im feuchten Ehrensteiner Untergrund noch viel Datenmaterial liegt. Heute sei es möglich, mit geringen Eingriffen viele Ergebnisse zu erzielen.

 

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