Blaubeuren Blauhöhlensystem misst 10 015 Meter

Allein die riesige Höhlenhalle "Apokalypse" ist rund 170 Meter lang. Ein zweiter Forscher ist in der Bildmitte nur als Punkt hinterm Licht seiner Taschenlampe zu erkennen. Nach neuen Vermessungen hat das Blauhöhlensystem jetzt die Zehn-Kilometer-Marke überschritten. Foto: Andreas Kücha
Allein die riesige Höhlenhalle "Apokalypse" ist rund 170 Meter lang. Ein zweiter Forscher ist in der Bildmitte nur als Punkt hinterm Licht seiner Taschenlampe zu erkennen. Nach neuen Vermessungen hat das Blauhöhlensystem jetzt die Zehn-Kilometer-Marke überschritten. Foto: Andreas Kücha
Blaubeuren / JOACHIM STRIEBEL 17.09.2012
"Ein historischer Moment", sagt Andreas Kücha: Er und weitere Forscher haben bei Vermessungstouren im Blauhöhlensystem die Zehn-Kilometer-Marke überschritten. Die Höhle misst jetzt genau 10 015 Meter.

Nach einer 14-stündigen Tour kehrten Höhlenforscher am Samstagabend um 22 Uhr aus der Blauhöhle zurück. Müde, aber glücklich. Eine Kleingruppe um den stellvertretenden Projektleiter der "Arge Blautopf", Andreas Kücha, konnte der bisher vermessenen Gesamtlänge von 9807 Metern 121 Meter hinzufügen. Die andere Kleingruppe unter Leitung von Arge-Vermessungs-Chef Herbert Jantschke brachte Messergebnisse von 87 Metern mit nach oben. Macht zusammen genau 10 015 Meter. "Damit ist die Zehn-Kilometer-Marke geknackt", freut sich Kücha. Viele Forscher hätten an der genauen Vermessung mitgewirkt, lobt Kücha. Seit der Bohrung eines künstlichen Zugangs an der B 28 im Jahr 2010 gebe es im Sommer im 14-Tage-Rhythmus Forschungstouren. Beteiligt hätten sich jetzt auch einige Mitglieder des Dachvereins der "Arge Blautopf", der Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim, die nicht als Höhlentaucher ausgebildet sind. "Als Taucher waren wir früher nur etwa fünf Mal pro Jahr in der Höhle", sagt Kücha.

Vermessen haben die ehrenamtlich tätigen Fachleute am Samstag einen tief in der Höhle liegenden Abschnitt, der wegen dort gefundenen Marderskeletten "Friedhof der Kuscheltiere" genannt wird. Und einen Gang, der abzweigt von der "Halle des verlorenen Flusses". In die meisten dieser Bereiche waren sie schon früher vorgedrungen, jetzt erfolgte die Vermessung. Und zwar ganz exakt mit einem System, das per Laser Entfernungen ermittelt und auch die Neigung und die Himmelsrichtung berücksichtigt.

Die ermittelte Gesamtlänge des Blauhöhlensystems setzt sich zusammen aus der Summe der Gänge und Hallen der Blauhöhle und der Vetterhöhle (2350 Meter). Die vom Höhlenverein Blaubeuren betreute Vetterhöhle und die Blauhöhle, für die die "Arge Blautopf" zuständig ist, sind über den Höhlensee "Wolkenschloss" miteinander verbunden und bilden gemeinsam das Blauhöhlensystem.

Auf der Liste der längsten Höhlen Deutschlands rangieren nur noch das Hölloch im Allgäuer Mahdtal (11 000 Meter) und das "Riesending" bei Berchtesgaden (16 400 Meter) vor dem Blauhöhlensystem. Noch nicht zur großen Blaubeurer Höhlenwelt gerechnet darf die benachbarte Hessenhauhöhle bei Berghülen, deren Länge vom dort forschenden Verein "Arge Blaukarst" mit 3832 Metern angegeben wird. Zwar konnte durch Färbversuche im Wasser eine Verbindung nachgewiesen werden. Doch bei den Höhlenforschern zählt nur das, was sie begangen oder betaucht und auch vermessen haben. Auf der Landkarte liegen rund 1,4 Kilometer zwischen Hessenhauhöhle und Blauhöhlensystem.

Die Forschung geht weiter in diesen Albhöhlen, die jetzt bei der gemeinsamen Jahrestagung der deutschen und österreichischen Höhlenforscher in Bad Mitterndorf vorgestellt wurden. Dort anwesende Experten bezeichneten sie wegen ihrer Größe, Schönheit und Vielfalt als einzigartig in Deutschland.

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