Seit einem halben Jahrhundert gibt das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren Einblicke in das Leben der Steinzeitmenschen. Zum 50-jährigen Bestehen hat sich das Team des Museums eine besondere Form der Wissensvermittlung ausgedacht: 50 Antworten auf 50 kuriose Fragen zur Urgeschichte. Das digitale Projekt „50 Fragen – 50 Antworten – 50 Jahre“ startete vergangene Woche und ist zu finden unter www.urmu.de.

Woche für Woche wird immer montags eine von 50 Fragen gestellt, welche die urgeschichtliche Forschung in den vergangenen fünf Jahrzehnten beschäftigt haben. Es geht beispielsweise um die ursprüngliche Hautfarbe des Menschen oder ob es in der Altsteinzeit Kaugummi gab. Die Antworten folgen donnerstags.

Was haben Singschwan, Gänsegeier und Mammut gemeinsam? So lautete die Frage in der vergangenen Woche. Die Antwort: „Eine Gemeinsamkeit dieser drei Tiere ist, dass sie während der letzten Eiszeit in Mitteleuropa heimisch waren. Darüber hinaus wurden sowohl aus den Knochen von Singschwan und Gänsegeier als auch aus den Stoßzähnen von Mammuts Flöten gefertigt.“ Natürlich folgt auch der Hinweis, dass im Urgeschichtlichen Museum einige dieser eiszeitlichen Flöten mit einem Alter von bis zu 40 000 Jahren zu sehen sind – die ältesten bisher gefundenen Musikinstrumente der Welt.

„Wir wollen mit den Fragen und Antworten neue Bekannte gewinnen und für unsere Themen interessieren“, sagt Dr. Stefanie Kölbl, Direktorin des Museums – dies auch international, denn in Englisch stehen die Texte auf der Facebook-Seite des Netzwerks für eiszeitliche Fundstellen in Europa „Ice Age Europe“ (www.facebook.com/IceAgeEurope). Ein wichtiger Punkt im Jubiläumsjahr 2015 ist die neue Sonderausstellung „Mit Haut und Haar“, die am Sonntag, 17. Mai, eröffnet wird und bis zum 10. Januar 2016 läuft. Dabei werden auch Fotos von Herlinde Koelbl ausgestellt, einer der gegenwärtig bekanntesten deutschen Fotografinnen, deren Werkschau auch aus der Serie „Haare und andere menschliche Dinge“ derzeit in Oberhausen viele Besucher anzieht. Bekannt wurde Herlinde Koelbl vor allem durch ihre Foto-Serie „Spuren der Macht“, in der sie die äußerlichen Veränderungen von Politikern wie Joschka Fischer, Gerhard Schröder und Angela Merkel darstellte.

„Die Sonderausstellung beschäftigt sich mit Dingen wie Hautfarbe, Augenfarbe oder Haarfarbe“, erläutert Stefanie Kölbl. Es geht um Tätowierungen, Narbenmuster, Frisuren und die Ritzungen an der Venus-Figur. Eine spannende Rolle werden Ergebnisse aus der Paläogenetik spielen, die sich um die Analyse genetischer Proben von prähistorischen Organismen befasst.

Da wird dann beispielsweise auch auf die Frage eingegangen, welche Hautfarbe die Eiszeitmenschen hatten. Kölbl berichtet, dass die meisten Menschen in der Altsteinzeit dunkelhäutig gewesen sind, dazwischen gab es aber auch einige hellhäutige Menschen. „Erst als die Menschen vor 6000 bis 12 000 Jahren sesshaft wurden, hat sich im Norden die weiße Hautfarbe durchgesetzt, weil damit Vitamin D besser aufgenommen werden kann“, erläutert Kölbl. In Afrika blieb die schwarze Hautfarbe erhalten, weil sie einen besseren UV-Schutz bietet.

Neu im Programm des Museums im Jubiläumsjahr ist die „Tafelrunde“: Jeden Monat gibt es, beginnend am Dienstag, 24. Februar, eine etwa eineinhalbstündige Gesprächsrunde mit Wissenschaftlern des Museums zu aktuellen Themen der altsteinzeitlichen Archäologie. Da werden dann in einer kleinen Teilnehmerrunde beispielsweise aktuelle Forschungsartikel vorgestellt und diskutiert. Ansonsten sind natürlich wie bisher Steinzeitwerkstatt, Kinderferienangebot, Vorleserunde, Erwachsenenakademie, Fundstellenbesuche und Aktionstage im Jahresprogramm.

Auch einen offiziellen Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Museums werde es geben, sagt Georg Hiller, geschäftsführender Vorstand des Museums. Allerdings stehe der Termin noch nicht endgültig fest. Auf jeden Fall solle aber in einem besonderen Rahmen an die Entwicklung des Museums erinnert werden. Im Juli 1965 war es in einem Schauraum neben der Toreinfahrt des Spitals eröffnet worden. Ältere Bewohner des Spitals hatten damals noch Aufsicht geführt.

Das neue Jahresprogramm

Das neue Jahresprogramm des Urgeschichtlichen Museums ist gerade erschienen und im Blaubeurer Tourismus-Büro (Kirchplatz) erhältlich. Landesmuseum Die im historischen Blaubeurer Spitalgebäude untergebrachte Einrichtung ist Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg mit dem Schwerpunkt Altsteinzeit. Öffnungszeiten Während der Wintersaison vom 1. Dezember bis zum 14. März hat das Museum dienstags und samstags jeweils von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In der Sommersaison (15. März bis 30. November) ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.