Veranstaltung Blaubeuren: Das gab’s beim Geoparkfest zu sehen

Vor dem Urmu erfuhren die Besucher, wie früher aus Feuerstein Werkzeuge hergestellt wurden.
Vor dem Urmu erfuhren die Besucher, wie früher aus Feuerstein Werkzeuge hergestellt wurden. © Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler
Blaubeuren / Margot Autenrieth-Kronenthaler 05.06.2018
Schiefer klopfen, eine Fledermaus streicheln, Wasser auf dem Kopf tragen: Beim Geoparkfest in Blaubeuren war einiges geboten.

Tausende von Besuchern waren am Sonntag in der Blaubeurer Altstadt unterwegs – schließlich wurden hier gleich drei Feste gemeinsam gefeiert: das Geoparkfest, das Museumsfest und das Stadtfest. Die Infostände des Geoparks waren vom Kirchplatz über die Karl- und Klosterstraße bis hin zum Blautopf verteilt.  Gastgeber war das Urgeschichtliche Museum (Urmu).

Erich Straub als stellvertretender Bürgermeister, der erste Landesbeamte des Alb-Donau-Kreises, Markus Möller, und die geschäftsführende Direktorin des Urmu, Dr. Stefanie Kölbl, hießen die Besucher willkommen. „Ich kann mir kaum einen besseren Platz als Blaubeuren mit gleich zwei Unesco-Labeln für das Geoparkfest vorstellen“, sagte Möller. Von einem „Geopark der Superlative“ sprach Geschäftsführer Dr. Siegfried Roth. Schließlich gebe es auf der Schwäbischen Alb insgesamt  2600 Höhlen. Davon zehn Schauhöhlen, mit Fossil-Fundstätten wie Holzmaden oder Nusplingen, mit Karst-Erscheinungen wie dem Blautopf und der Donauversickerung. Auch einen Meteoritengraben, einen Vulkan und Eiszeitkunst könne der Geopark bieten.

Die Vielfalt der Alb zeigte sich auch an den rund 30 Ständen und Mitmach-Aktionen. Beim Stand des Freilichtmuseums Beuren am Marktbrunnen ging es etwa um das Thema Wasser. Museumspädagogin Isolde Halm erklärte, wie das früher gehandhabt wurde. „Bis in die 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es keine Wasserleitungen. Das Wasser wurde mit Eimern, teils auf dem Kopf oder mittels Wasserjochen transportiert“. Besucherin Ursula Lieb aus Geislingen legte sich ein Kissen auf den Kopf und trug darauf einen Wassereimer. „Das ist wackelig und ungewohnt. Es ist eine Kunst, nichts zu verschütten“, sagte sie. Leopold Richter trug Holzeimer mit dem Wasserjoch. „Das ist aber schwer“, kommentierte der Junge.

Er war mit seiner Familie aus Bernstadt gekommen. „Wir sind an den Ständen jetzt schon auf viele Ausflugsziele aufmerksam geworden“, sagte Susanne Richter. Leopold und seine Schwester bastelten Fledermäuse oder übten sich im Bogenschießen und Ringewerfen.

Ein Renner unter den Besuchern war der „Klopfplatz“. Das Fossilienmuseum Dotternhausen bei Balingen hatte eine Ladung Schieferplatten auf dem Rossmarkt abladen lassen. Mit Hammer und Meißel bearbeiteten die Besucher die Platten und förderten Versteinerungen zutage. Mitglieder einer Bamberger Pilgergruppe waren eher zufällig auf den Klopfplatz gekommen. Eine Dame aus der Gruppe fand einen vollständigen Ammoniten, die Versteinerung sieht wie eine Schnecke aus. „Was für eine schöne Erinnerung“, sagte sie. 

Paläontologe Andreas Matzke zeigte Präparationen mit einem so genannten Druckluftstichel. „Mit dem Minimeißel lässt es sich viel gezielter und vorsichtiger arbeiten, als wenn mit dem Hammer geklopft wird.“ Nebenan bot der Stand der Alb-Guides Zollernalb einen Barfußpfad. Mit bloßen Füßen marschierten die Besucher über Hackschnitzel, Tuffstein, Wolle, Heu, Moos und Tannenzapfen. Am Ende wartete ein Wasserbad. „Die Wolle und die Zapfen waren am angenehmsten“, sagte Irma Warth aus Eggingen.

Die siebenjährige Fledermaus Isolde hatte am Blautopf ihren großen Auftritt. Der Große Abendsegler wurde von Hand aufgezogen und ließ sich ohne weiteres ausgiebig streicheln. „Die ist süß, voll goldig“, rief die 10-jährige Carlotta. „Das Fell ist ja ganz weich“, sagte die 7-jährige Elisabeth, die sich auch noch eine Holzfledermaus bastelte.

Freier Eintritt im Museum

Das Urmu bot freien Eintritt, viele Leute nahmen das Angebot wahr. Vor dem Museum zeigte Paläotechniker Frieder Palmer, wie die frühen Menschen aus Feuerstein Werkzeuge herstellten. „Unsere Vorfahren präparierten sich einen Stein so zu, dass sie vom Mittelstück sehr viele dünne Klingen abschlagen konnten“, erklärte er. Diese Klingen wurden weiterverarbeitet zu Pfeilspitzen, Messern, Bohrern, Schabern oder Kratzern.

Viele Besucher machten es sich im Laufe des Tages auch an schattigen Plätzen gemütlich. Auf dem Kirchplatz boten verschiedene Gruppen Musik zum Verweilen, es gab ein Unterhaltungsprogramm für Jung und Alt. Die Atmosphäre war heiter und gelöst, das Wetter hervorragend. Und nicht nur die Blaubeurer genossen die autofreie Innenstadt.

Urmu ist Geopark-Infostelle

Auszeichnung Der Geopark Schwäbische Alb gehört zu einem exklusiven Kreis. Seit drei Jahren ist er als Unesco Global Geopark ausgezeichnet. Weltweit tragen 127 Landschaften diese Auszeichnung.

Museum Das Urgeschichtliche Museum  in Blaubeuren, ist auch eine offizielle Geopark-Infostelle. Das Geoparkfest wurde in diesem Jahr zum neunten Mal begangen.

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