Kirche Bischof Ulrich lehrt das Hinschauen

Pater Ulrich hat sich mit Ulrich von Augsburg beschäftigt und bescheinigt dem Mittelalter-Bischof Vorbildcharakter.
Pater Ulrich hat sich mit Ulrich von Augsburg beschäftigt und bescheinigt dem Mittelalter-Bischof Vorbildcharakter. © Foto: Franz Glogger
Dornstadt / Von Franz Glogger 09.10.2018

Alle waren irgendwie ein bisschen Ulrich, als die katholische  Kirchengemeinde in Dornstadt am Sonntag Kirchweih-Jubiläum gefeiert hat. Dekan Ulrich Kloos sprach ein Grußwort und Pater Ulrich von den Prämonstratensern aus Roggenburg stellte beim Festakt im Bürgersaal – wie konnte es anders sein – den Namensgeber der vor 50 Jahren fertiggestellten St.-Ulrich-Kirche in den Mittelpunkt seiner Rede.

Geboren im Jahr 890, Adeliger, von 932 an 40 Jahre lang Bischof von Augsburg, gestorben 973 und 20 Jahre später heilig gesprochen. Diese Fakten über Ulrich von Augsburg setzte Pater Ulrich voraus, denn sie kamen in seinem launigen Vortrag nicht vor. Wichtiger war dem 49-Jährigen, der bürgerlich Christian Keller heißt, zu erklären, warum er den Ordensnamen „Ulrich“ gewählt hat und was er damit verbindet. Außer dem eher losen historischen Bezug als gebürtiger Augsburger sei es die nähere Beschäftigung mit Ulrich anlässlich der Feiern zu 1000 Jahre Heiligsprechung gewesen. Damals erkannte der junge Geistliche: Der Bischof war ein politischer Mensch und einer, der den Menschen in sehr praktischer Weise zugetan war.

„Vielleicht nicht sehr selbstlos, aber letztlich effektiv“, sagte Pater Ulrich. Zum Beispiel habe Bischof Ulrich nach der Vertreibung der Ungarn die zerstörten Wasserversorgungen aufbauen lassen und auf vielen Reisen durchs Bistum geschaut, was in den Klöstern und Pfarrhöfen vor sich geht und, dass es den Menschen gut geht. Ulrich habe wissen wollen, „was da draußen passiert“ – kirchlich und politisch.

Wieviel dabei Legende ist und ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen habe, sei dabei nicht entscheidend. Viel wichtiger sei für ihn die Schlussfolgerung: Wie sich Ulrich eingemischt hat, möchte auch er sich einmischen. Und dazu sei auch jedes Mitglied der Kirchengemeinde aufgerufen, „selber Ulrich oder Ulrike zu sein“. Einmischen „um der Menschen willen“ sei Pflicht des Einzelnen, aber auch der Kirche insgesamt, die ihm hierbei „viel zu leise ist“.

Das Wirken des Ulrich von Augsburg erinnere daran, nicht bequem zu sein, sondern hinzuschauen: „Nicht in den Himmel, sondern auf den Boden“, sagte Pater Ulrich. Dabei gelte es, den Blick für das Alltägliche zu bewahren, zu sagen, was geht und was nicht geht. Damit nicht, „die, die viel geben könnten, immer mehr Wege finden, nichts geben zu müssen“. Mit anhaltendem Applaus quittierten die etwa 300 Besucher den Vortrag.

Als die alte Kirche gesprengt wurde

Film In dem Festakt am Sonntagnachmittag zu 50 Jahre St. Ulrich wurde im Dornstadter Bürgersaal auch an die Vorgänger-Kirche erinnert. Die war im Jahr 1897 gebaut und im April 1967 gesprengt worden. Der damalige Pfarrer Eugen Kekeisen hielt das staubige Ereignis im Film fest.

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