Landwirtschaft Bio-Pioniere waren ihrer Zeit voraus

Dietenheim / Michael Seefelder 12.10.2018

Jeden Tag Fleisch auf dem Teller und das möglichst billig: Für Friedhelm Unterweger ist das der falsche Ansatz. Der 30-Jährige führt den familieneigenen Biohof in Dietenheim in vierter Generation. Und er kennt seit seiner Kindheit keine andere Produktionsweise als Bio. Denn sein Vater Ulrich Unterweger machte  einen Bioland-Betrieb aus dem Hof in einer Zeit, in der es eigentlich noch gar keinen Markt dafür gegeben hat. 1980 war das. Für die Biomilch habe der Vater damals nur den Preis von konventionell erzeugter Milch bekommen, kein wirklich lohnendes Geschäft also.

Doch der Wechsel auf Bio hatte gute Gründe. Vater Ulrich sei krank gewesen und habe daraufhin die Ernährung umgestellt. „Mit Agrar-Chemie wollte er nichts mehr zu tun haben“, berichtet Sohn Friedhelm. Im Jahr 2002 kam dann bei den Unterwegers die Umstellung von Milchvieh auf Geflügel. Und wenige Jahre später auch der Bio-Boom. „Es sind dann viele auf den Zug aufgesprungen. Die Supermärkte haben Bio in ihr Sortiment genommen“, sagt der Landwirtschaftsmeister und Geflügelwirt Friedhelm Unterweger.

In zwei Ställen finden bei ihm heute jeweils 4800 Masthähnchen Platz. Sie haben damit fast doppelt so viel Fläche als bei konventioneller Haltung. Die Küken schlüpfen aus Bio-Eiern, die aus einer Brüterei in Österreich stammen. Nach nur wenigen Stunden Fahrt  kommen sie in Dietenheim an. Sind die Tiere vier Wochen alt, wechseln sie vom 28 bis 30 Grad warmen Aufzuchtstall bis zu ihrer Schlachtung in den Maststall. Dort gibt es für sie jeden Tag Auslauf. Die Mastzeit ist doppelt so lange wie bei konventionell gehaltenen Hähnchen.

Gefüttert wird eine „Hofmischung“. Das Getreide komme von benachbarten Biobetrieben, sagt Unterweger, das Soja aus Bayern. Die nahegelegenen Höfe bekämen den Mist dann wieder zurück, „damit sich der ökologische Kreislauf auf dem Acker schließt“. Um die Größe seines Familienbetriebs einordnen zu können, macht er deutlich: „Normal sind Betriebe mit 40 000 oder heute sogar 80 000 Masthähnchen-Plätzen.“ Schlecht machen will  er die konventionellen Erzeuger aber keinesfalls. „Produziert wird, was der Kunde will“. Es werde immer Leute geben, für die die Produktionsart des Fleisches nicht im Vordergrund stehe. Ein Teil der Bevölkerung hingegen wolle Tierwohl und Bio. Statt beim Fleisch immer nur auf den niedrigsten Preis zu schauen, findet Friedhelm Unterweger es  besser, den Konsum zu reduzieren. „Man muss doch nicht jeden Tag Fleisch essen“, lautet sein Credo.

Wer in dem von Mutter Monika Unterweger betriebenen Hofladen einkauft, kennt das allgegenwärtige Geschnatter von  Gänsen. Denn nicht nur Hähnchen, auch Gänse und zur Weihnachtszeit Enten gehören zum Sortiment des Betriebs. Die Gänse können Tag und Nacht das komplette weitläufige Gelände nutzen. „Das tun sie auch“, sagt Unterweger junior und schmunzelt. Außerdem tummeln sich einige Schafe und pflegen das Grün auf dem Hof – ein Hobby des Landwirts.

Für den Verbraucher kostet das Tierwohl bare Münze. Doppelter Preis wie bei konventioneller Erzeugung sei der Grundsatz, erklärt Unterweger. Dennoch steige das Interesse an biologisch erzeugtem Fleisch nach wie vor. „Der Markt wächst langsamer, aber er wächst.“

Unterschiedliche Bio-Prädikate

Verbände Bio-Bauern sind meist bei Demeter, Bioland oder Naturland organisiert. Diese Anbauverbände verleihen ihr Siegel an Betriebe, die sich verpflichten, nach deren Vorgaben zu wirtschaften. Allen drei ist gemein, dass die Kontrollen engmaschiger  und strenger sind als die Vorgaben der Europäischen Union, die das EU-Bio-Siegel verleiht. Das EU-Prädikat wird von anderen Verbänden oft als „Biolandbau light“ kritisiert.

Ausnahme In der Region ist die biologische Wirtschaftsweise noch die Ausnahme, aber kein Kuriosum mehr. Diese Serie stellte in loser Folge Höfe und Menschen vor:  von der Brennerei bis zum Hühnerhof, vom Milchviehbetrieb bis zum Getreidebauern. Landwirte erzählten, wieso sich entschlossen haben, neue Wege zu gehen. Mit der heutigen Folge endet die Serie.

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