Motorradtreffen Bikertreffen mit Autorollen und Reifenqualmen

Sven Kessler, alias„Dschruuber“, gab mit seiner Honda in der „Burn Show“ einem Altreifen publikumswirksam den Rest.
Sven Kessler, alias„Dschruuber“, gab mit seiner Honda in der „Burn Show“ einem Altreifen publikumswirksam den Rest. © Foto: Christina Kirsch
Ersingen / Christina Kirsch 20.08.2018

Eingefleischte Motorradfans und viele Menschen, die einfach nur mal gucken wollten, bevölkerten das Gelände um das Stellwerk der Motorradfreunde Riedtal beim Motorradtreffen. Eine Wolke aus verbranntem Gummi, Lagerfeuerromantik, Partystimmung und verklärter Jugend lag über dem Gelände. Man atmete Feinstaub, trank dazu Bier und genoss den Feuerschein.

Der Ansturm war dieses Jahr so groß, dass Spätankömmlinge keine Zeltplätze mehr fanden und Autofahrer Parkplatznot hatten. Nun ist es nicht jedermanns Sache, einen röhrenden Auspuff direkt am Zelteingang zu haben. Aber beim Motorradtreffen gehört das dazu. Nichts trennt den Biker und sein Moped. Ein trockener Platz ist beim Zelten die halbe Miete und wenn Attraktionen wie Burn-Show, Autorollen, Mitternachtsstriptease und Lagerfeuer gleich neben dem Zelt liegen, ist das selbst für Biker aus Flensburg einen Ausflug in die schwäbische Provinz wert.

Einer raspelte 813 Kilometer herunter, um an dem Treffen teil nehmen zu können und bekam dafür einen Pokal überreicht. Die größte Gruppe, das Chopper-Cruiser-Forum mit 22 Teilnehmern, hatte 14 552 gefahrene Kilometer auf dem Tacho, als es in Ersingen ankam.

Die meisten Motorradfreunde kamen jedoch aus der näheren Umgebung, viele trugen die Insignien ihres Motorradlebens auf ihrer Weste zur Schau. So standen an den Absperrungen für die Shows Biker in Kluft neben Dorfbewohnern in Sandalen und Karohemden. Vor allem die in den Karohemden zückten die Handys, um die qualmenden Reifen bei Sven Kesslers „Burn Show“ zu fotografieren. Erfahrene Biker kennen das schon und inhalierten zur Kippe noch verbrannten Gummi. In zwei Shows fuhr Sven Kessler, der unter dem Namen „Dschruuber“ firmiert, einen Altreifen ab.

Opel Vectra dreimal rollen

Seine 100 PS starke Honda VFR 750 mache das schon sechs Jahre mit, lobte der Fahrer seinen Untersatz. Sieben Millimeter Restprofil des Altreifen gingen in sieben Minuten ohrenbetäubenden Motorenlärm und einer Wolke aus Abgas und Gummiabrieb in Rauch auf. Der Boden auf dem Wieland-Gelände sei extrem rau, meinte der Stuntman. Auf glatteren Böden mit weniger Grip habe der Zuschauer länger etwas von der Show.

Nach 22 Uhr traten dann die Muskelmänner an und maßen ihre Kräfte im Autorollen. Ein alter Opel Vectra, dem ohnehin der Ruf anhaftet, dass man ihn im Schwäbischen problemlos „weg tra“ könne, musste dreimal um die eigene Achse gerollt werden. Erwin Flaig, der Gründer der Motorradfreunde Riedtal, stoppte die Zeit.

Die Profis unter den Autorollern wussten, dass die stärksten Kerle an den Kotflügeln angreifen müssen, um die Karre nach jedem Überschlag neu auszurichten. Bald war von den Kotflügeln jedoch fast nichts mehr zu sehen. Aber den Männern schwollen die Adern im Gesicht und man schrie die Anstrengung heraus wie die Profis auf dem Tennisplatz. Die beste Mannschaft schaffte die Drehmanöver in 22 Sekunden.

Deutlich erholsamer war der Aufenthalt in der Tequila-Mais-Bar. Nur zum Gucken war auch die Mitternachtsüberraschung mit einem Stripper und einer Stripperin.

„So ein Treffen gibt es nur bei uns“, ist der Zweite Vorsitzende Erwin Flaig überzeugt. Ein Besucheransturm im geschätzt vierstelligen Bereich gab ihm recht. Der gebürtige Ersinger gründete den Club im Alter von 18 Jahren, „und wenn man mal was anfängt, wird das immer größer“, meinte der Organisator des Treffens, dem 70 Helfer zur Seite standen. Vom Klomann, der die gebrauchten Papierhandtücher gleich dem Lagerfeuer anvertraute, bis zu den Musikern und den Würstchenbratern ging alles Hand in Hand. Am Sonntagmorgen wurde gar für die Frühaufsteher Rührei mit Speck und literweise Kaffee serviert. Erwin Flaig allerdings machte durch.

Aus zwei Cliquen zusammengeschlossen

Motorradclub Im Jahr 1986 gründete Erwin Flaig den Club. Zehn Jahre später wurde er zu einem Verein, dessen Zweiter Vorsitzende Erwin Flaig heute ist. Die Motorradfreunde Riedtal entstanden aus dem Zusammenschluss von zwei Cliquen. Das Clubhaus ist ein ehemaliges Bahnwärterhäuschen zwischen Ersingen und Achstetten.

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