Musical Biblische Geschichte im modernen Gewand

Martha, Immanuel und Maria waren die Hauptfiguren in dem Musical, das für eine volle Gemeindehalle in Wain sorgte.
Martha, Immanuel und Maria waren die Hauptfiguren in dem Musical, das für eine volle Gemeindehalle in Wain sorgte. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Von Lisa Maria Sporrer 12.04.2018

Lazarus, ein komischer Name“, kommentiert einer der Sanitäter ironisch den Namen des Mannes, der mit akuten Herzrythmusstörungen und Kammerflimmern ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Kurze Zeit später sitzen auch Maria und Marta verzweifelt in der Notaufnahme des Herz-Jesu-Krankenhauses und bangen um das Leben ihres Bruders.

Mit der Aufführung der biblischen Geschichte aus dem Johannes-Evangelium sind die Wundertaten Jesu in der Moderne angekommen. 70 Jugendliche aus dem oberschwäbischen Raum, zeigten in der Wainer Gemeindehalle mit dem Musical „Herzschlag“ eine teils amüsante, nachdenklich stimmende und sehr aktuelle Darstellung der biblischen Erzählung. „Die Jugendlichen sind nicht nur hoch motiviert und begabt, ihre Auftritte begeistern auch durch eine beachtliche Professionalität“, sagte Pfarrer Ernst Eyrich zu der Aufführung, die als Resultat der Zeltkirche gedeutet werden kann, die 2017 in Balzheim gastierte. Dort knüpfte die evangelische Kirchengemeinde Wain Kontakte mit der Jugendorganisation „Adonia“, die bundesweit versucht, christliche Jugendarbeit mit musikalischer Leidenschaft zusammenzubringen.

Zuschauer mittendrin

Leidenschaftlich präsentierten die Akteure das Spannungsverhältnis zwischen der Hektik des Krankenhausalltags und der Hoffnung auf ein Wunder. Der Hoffnung gab die Projektband und der Chor in Liedern wie „Nah bei dir“ und „Jeder Herzschlag ist ein Geschenk“ Ausdruck, die als Innehalten in der Aufführung, immer wieder durch christlichen, besinnlichen und hoffnungsfrohen Gesang, auf das Ende der Geschichte hindeuteten.

Von Anfang an wurden die Zuschauer aktiv miteinbezogen. „Drücken, drücken, 30 Mal, 30 Mal“, forderten die jungen Schauspieler das Publikum zur Auffrischung ihres „Erste-Hilfe-Kurses“ auf. Und die Zuschauer standen auf, machten mit und waren mittendrin in der Geschichte. Aber nur auf das Können der Ärzte zu setzen, die mit Fachausdrücken bei Maria und Martha eher Verwirrung stiften, ist den Schwestern zu wenig. „Wir haben da einen Freund der helfen kann. Immanuel.“ Und so wird Jesus selber als moderner Superstar in die Geschichte integriert; einer, der sich mit Whats-app-Bildern seiner Wundertaten bereits einen Namen gemacht hat in der virtuellen Community. Das wiederholte „Drücken, drücken“, das der Chor auf der Bühne immer in Zusammenarbeit mit dem Publikum leidenschaftlich praktizierte, deutet aber auch Unheil an. Ihr Freund Immanuel, wie Jesus im Matthäus-Evangelium genannt wird, kommt zu spät. Lazarus ist tot. Und tatsächlich: Immanuel lässt Lazarus auferstehen. Konsequenterweise ebenfalls in die heutige Zeit, denn der erste Kommentar des Auferstandenen: „Ich brauche jetzt erst mal eine Pizza.“ Gleichzeitig brachte die Musicalaufführung auch die Heilsgeschichte auf die Bühne: Nachdem die Putzfrau von Jesus Hinrichtung berichtet hatte, erscheint Immanuel in Begleitung eines Engels auf der Bühne und das Schlusslied „Jeder Herzschlag ist ein Geschenk“, beendete mit einem Meer von roten Rosen, die auf die Bühne rieselten, die Aufführung.

„Außer Maria und Martha war bis letzte Woche keine der Rollen besetzt“, sagte Johanna Undt, die mit den Jugendlichen in Erolzheim geprobt hat. Interessenten konnten sich für das Musicalcamp anmelden und erhielten CDs und Noten, um bereits daheim die Lieder einstudieren zu können. In einem intensiven Probecamp wurde dann das 90-minütige Programm mit zwölf Songs, Theater und Choreografien einstudiert. „Und man hat gemerkt, dass alle mit Eifer und Begeisterung am Werk waren“, kommentierte Eyrich das Stück.

59 Projektchöre

Christliche Jugendarbeit Adonia steht seit 2001 für besondere Musicalerlebnisse: Der gemeinnützige Verein mit Sitz Karlsruhe organisiert Musicalcamps und Konzerte. Für christliche Chor- und Jugendarbeit arbeitet Adonia mit örtlichen Kirchen und Gemeinden zusammen. Grundlage ist die Evangelische Allianz. In diesem Jahr gibt es 59 regionale Adonia-Projektchöre mit mehr als 3800 Kindern und Jugendlichen unter der Leitung von 650 ehrenamtlichen Mitarbeitern.

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