Im Landkreis Neu-Ulm leben etwa 450 Biber. Wie viele es genau sind, soll eine Zählung im Frühjahr zeigen. Mindestens die Hälfte der Biber lebt im Donau- und im Iller-Auwald, sagt Michael Angerer, der Umweltschutzbeauftragte des Kreises. Weitere Schwerpunkte seien das Mittlere Rothtal bei Pfaffenhofen und das Pfuhler oder Finninger Bauernried in Neu-Ulm. "Grundsätzlich kann man sagen: Der Biber ist in sämtlichen Hauptgewässern. Überall, wo es viele Gewässer gibt, leben viele Biber."

Im Jahr 2005 gab es laut Angerer 250 bis 300 Biber im Landkreis Neu-Ulm, im Jahr 2009 waren es etwa 400 und nun sind es 450. Nachdem die Zahl der Biber 20 Jahre lang anstieg, stagniert sie nun. Und das wird laut Landratsamt auch so bleiben: Weil alle Lebensräume besetzt sind, herrscht unter den Bibern ein Verdrängungswettbewerb. Neuankömmlinge werden vertrieben und bei Revierkämpfen oft so schwer verletzt, dass sie sterben. Oder sie werden auf der Suche nach einer neuen Heimat überfahren. Dazu steigt die Jungensterblichkeit, weil das Nahrungsangebot begrenzt ist. 

Im Landkreis Neu-Ulm gibt es acht ehrenamtliche Biberberater, die ein positives Image des Bibers fördern sollen. Sie überwachen den Bestand, beraten Betroffene bei Biberschäden und geben Tipps zur Prävention. 

Im Alb-Donau-Kreis und Ulm leben derzeit schätzungsweise 350 Biber in etwa 100 Revieren, sagt Franz Spannenkrebs, der als Biberbeauftragter für das Regierungspräsidium Tübingen die Entwicklung der Biberpopulation in den vergangenen Jahren beobachtet hat. Bis zum Jahr 2010 wurden Kartierungen durchgeführt: 2009 gab es 151 Biber und 2010 182. Pro Jahr könne man von einem Wachstum der Population um 20 bis 25 Prozent ausgehen, sagt Spannenkrebs. So ergebe sich die aktuelle Hochrechnung. Dieses Jahr soll es wieder eine Kartierung geben.

Fünf Biberberater gibt es im Alb-Donau-Kreis. Sie sollen unter anderem helfen, Konflikte zu lösen, etwa wenn Biber in Ufernähe Höhlen graben und die Landwirtschaft beeinträchtigt wird, erzählt Wolfgang Dreher. Er ist für das Gebiet um Blaustein, Blaubeuren, Berghülen, Laichingen, Westerheim, Heroldstatt und Schelklingen zuständig. In seinem Bereich gebe es drei Biberreviere im Schmiechtal. Edwin Gairing, der die Biber im südlichen Alb-Donau-Kreis zwischen Lauterach und Oberstadion im Blick hat, schätzt, dass es allein in seinem Bereich mindestens 15 Reviere gibt. 

Für die kommenden Jahre sei im Alb-Donau-Kreis zu erwarten, dass die Zahl an Bibern noch etwas zunehme, sagt Spannenkrebs. "Doch genau kann man das nicht sagen." Da die Biber von Bayern nach Baden-Württemberg kamen, leben im Alb-Donau-Kreis, Ravensburg und Biberach vergleichsweise viele der Tiere. Zum Vergleich nennt Spannenkrebs Zahlen: Im gesamten Regierungsbezirk Tübingen gebe es etwa 1600 Biber, in ganz Baden-Württemberg 2000 bis 2500 und in Bayern 13.000 bis 15.000.

Im Stadtgebiet Ulm gibt es 16 Biberreviere, sagt Kathrin Haas von der Stadt Ulm. Jedes Revier werde von einer Biberfamilie, durchschnittlich 3,5 Bibern, bewohnt. Hinweise auf die Anzahl der Biber geben Nagespuren der Tiere, die die Naturschutzbehörde im Überblick behält.

Im Jahr 2001 seien die ersten Biber in Ulm aufgefallen, sagt Haas. In den vergangenen zwei Jahren habe es kaum Zuwachs an Revieren gegeben, da inzwischen wohl alle möglichen Stellen besetzt seien.

In der Friedrichsau leben sechs Biber, sagte Christian Giers, der Leiter der Abteilung Grünflächen, im September 2013 auf einem Expertenhearing. Sie haben dort mehr als hundert Bäume angenagt. Immer wieder können Passanten einen Blick auf die Tiere erhaschen, wie folgende Videos vom Mai und Juni 2013 zeigen.
 

Quelle: Petra Vögele/"eine.art.kunst"
 

Quelle: Henning Schütz