Der Obstgarten einer Aufheimer Familie am östlichen Ortsrand bot ein idyllisches Bild: Am Ufer eines Fischteichs wuchsen rund 300 Bäume, überwiegend verschiedene Apfelsorten. Nun ist davon nicht mehr viel übrig: Biber haben von mehr als 200 Bäumen nur noch die typischen Stummel stehen lassen. Das große Fressen begann Mitte Oktober, schätzt die Eigentümerfamilie, die überhaupt nicht begeistert ist vom Arbeitseifer der Pelztiere.

Der Schaden an den Obstbäumen ist aber nicht der Grund dafür, dass das Landratsamt Neu-Ulm auf der Wiese Biber-Fallen aufgestellt hat, stellt der Umweltschutzbeauftragte des Landkreises, Michael Angerer, fest. In Bayern gebe es nur dann eine Ausnahme vom Biberschutz, wenn die öffentliche Sicherheit „erheblich gefährdet“ sei. Schäden an Gehölzen zählten da nicht.

Wohl aber die Annahme, dass es sich bei den Aufheimer Bibern um dieselbe Familie handelt, die im Bereich Jedelhausen das Ufer des Haldegrabens so stark unterhöhlt hat, dass ein angrenzender Feldweg einzubrechen droht. Solche Einbrüche habe es schon gegeben, sagt Angerer. Dabei sei an landwirtschaftlichen Fahrzeugen ein „erheblicher Maschinenschaden“ entstanden.

Das Landratsamt Neu-Ulm ist dabei, den Biberbestand am Haldegraben auf zwei oder drei Tiere zu reduzieren. Einer der Nager ging bereits in die Falle, berichtet Angerer. Er wurde getötet. Denn freie Reviere, in die man ihn hätte umsiedeln können, gibt es nicht mehr. Auch der Export nach Osteuropa, wo Ansiedelungsprogramme liefen, klappt nicht mehr, weil es dort keinen Bedarf mehr gibt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz zwar „streng geschützt“, gibt es doch Ausnahmeregelungen, von der das Landratsamt als Untere Naturschutzbehörde Gebrauch gemacht hat.

Michael Angerer glaubt, dass die Biber, die in Aufheim Obstbäume gefällt haben, entweder Jungtiere sind, die von der Jedelhauser Familie aus dem Revier vertrieben wurden, oder aber, dass es sich um ein und dieselbe Großfamilie aus bis zu zehn Tieren handelt, die nach Aufheim umgesiedelt ist. Der Teich, der durch einen Gehölzgürtel geschützt ist, sei das ideale Winterquartier für die Nager, erklärt der Naturschutzbeauftragte. Darauf lasse schließen, dass in Jedelhausen in der jüngsten Zeit keine frischen Biberspuren gefunden wurden, und dass die Tiere gerne ihr Revier auf drei bis vier Kilometer Fließgewässer ausdehnen. Auf jeden Fall handle es sich um mehrere Tiere, die in Aufheim zugange sind. Auch wenn Obstbäume zur Leibspeise von Bibern gehörten, sei es „ungewöhnlich, dass so viele Bäume gefällt werden“. Angerer rät den Eigentümern, die verbliebenen Bäume mit einer Drahtummantelung zu schützen.

Die generelle Jagd auf das Pelztier lehnt der Fachmann ab. Schon einmal sei der große Nager ausgerottet worden. Dabei sei er ein wichtiger Helfer der Naturschützer, weil er durch seine Bauten neue Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten schaffe, sagt Angerer. Einzelne Gegenden „biberfrei“ zu machen, sei auch nicht sinnvoll: „Es wandern schnell wieder neue Tiere nach.“

Im Jahr 2005 gab es nach Angaben von Angerer 250 bis 300 Biber im Landkreis Neu-Ulm, im Jahr 2009 waren es etwa 400 und nun sind es 450. Mehr werden es seiner Einschätzung nach nicht werden. Denn es herrscht ein Kampf um den Lebensraum. Neuankömmlinge werden vertrieben und bei Revierkämpfen oft so schwer verletzt, dass sie sterben. Oder sie werden auf der Suche nach einer neuen Heimat überfahren, wenn sie Straßen überqueren. Weil das Nahrungsangebot begrenzt ist, kommen manche Jungtiere nicht durch.


Quelle: Petra Vögele/"eine.art.kunst"