Der erste Rückkehrer starb vor 18 Jahren in der Förderschnecke der Kläranlage Lonsee-Halzhausen. Doch immerhin wusste man damit, dass der Biber ins Lonetal zurückgekehrt war. Bald darauf wurden in und an der Lone seine Spuren sichtbar: Es entstanden Burgen und Dämme, außerdem konnten Verbisse an Baumstämmen entdeckt werden.

Die erste Biberburg nach Jahrzehnten lag auf dem Damm zwischen Lonesee und dem Fluss, beherbergte lange eine Familie, deren Jungtiere eine weitere Burg an der Kläranlage Halzhausen bauten. „Dieses Revier ist ebenso besetzt wie das an der Bernstadter Kläranlage“, sagt Biberberater Günther Krämer.

Der Geograf ist ehrenamtlich in Sachen Biber im Lonetal tätig und wurde wie seine fünf Kollegen im Alb-Donau-Kreis vom Regierungspräsidum Tübingen geschult. Die Behörde hatte ein „Bibermanagement“ samt Biberbeauftragten eingerichtet.

Seit knapp 20 Jahren lebt der Biber wieder zwischen Lonetopf und Lonesee. „Dort gibt es eine Doppelburg, von der jedoch nur ein Teil besiedelt ist.“ Im anderen Teil liege vermutlich eine Biberleiche, was eine Wiederbesetzung verhindere. Auch zwischen Halzhausen und Westerstetten gibt es Reviere, ebenso wie an der Kläranlage in Setzingen. „Seit sieben, acht Jahren ist die Lage der Biber im oberen Lonetal stabil.“

Die Reviere werden von den Tieren streng verteidigt, weitere Biber finden keinen Platz, zumal die Lone östlich von Bernstadt meist kein Wasser führe. Dafür ist der Biber trotz anderslautender Gerüchte nicht verantwortlich. „Allein die Verkarstung ist an der Austrocknung des Flusses schuld“, sagt Krämer.

Nicht alle sind von der Rückkehr des Flussbaumeisters ins Lonetal begeistert. Während sich Natur- und Umweltschützer über den Biber freuen, weil er den Wasserabfluss in Flüssen und Bächen reguliere und die Ansiedlung verschiedenster Vogel- und anderer Tierarten fördere, sind Landwirte, Fischereiverbände und so manche Gemeinde oft weniger begeistert. Denn der Biber richtet durch seine „Bewirtschaftung“ auch Schäden an.

Neben dem Annagen oder gar Fällen ganzer Bäume graben die Tiere lange unterirdische Gänge zu landwirtschaftlichen Flächen, weil ihnen Mais, Raps und Getreide schmecken. „Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Landwirt wegen der Unterhöhlung mit seinem Traktor einbricht“, sagt Krämer. In Baden-Württemberg gibt es allerdings keinen Schadenersatz für vom Biber angerichtete Schäden. Man diskutiere jedoch die Einrichtung eines Entschädigungsfonds wie es ihn in Bayern schon gibt.

„Bei uns an der Lone halten sich die Schäden aber in Grenzen“, meint Krämer weiter, „und wenn etwas passiert, gibt es ja uns Biberberater. Wir sind dann die ersten Ansprechpartner.“ Gemeinsam mit den Geschädigten versuche man dann eine praktikable Lösung zu finden. Sei es der Einbau von Drainagen an den Dämmen, das Anbringen von Drahthosen an wertvollen Bäumen oder auch mal die Zerstörung eines Biberdammes oder einer Burg, wie am Lonesee vor einigen Jahren geschehen. Doch eigentlich steht der Biber unter Schutz (siehe Infokasten).

Die meisten Konflikte entstehen übrigens nahe am Flussufer. Die wirksamste Vorbeugung vor Biberschäden sei daher die Einhaltung des im Wasserhaushaltsgesetz vorgesehenen zehn Meter breiten Randstreifens, der nur extensiv genutzt werden sollte.

Rechtliche Situation und Historie


Schutz Der Biber darf weder gefangen noch getötet und auch nicht beunruhigt werden. Burgen, Dämme und Nahrungsreviere dürfen nicht beeinträchtigt oder zerstört werden.

Geschichte Der Biber galt in früheren Jahrhunderten als wertvolle Jagdbeute, auch wegen seines Pelzes. Im Jahr 1846 galt er im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg als ausgestorben, mittlerweile ist er zurückgekehrt.