Beschwerde Bewohner aus Merklingen und Nellingen klagen über Sprengungen

Die Bahn baut bei Hohenstadt zwei Röhren für die neue Schnellbahntrasse. Alle paar Stunden sind dafür Sprengungen nötig. Bewohner von Merklingen und Nellingen klagen über Lärm und Erschütterungen.
Die Bahn baut bei Hohenstadt zwei Röhren für die neue Schnellbahntrasse. Alle paar Stunden sind dafür Sprengungen nötig. Bewohner von Merklingen und Nellingen klagen über Lärm und Erschütterungen. © Foto: Sabrina Balzer
Merklingen / BRIGITTE SCHEIFFELE 04.11.2013
Es donnert im Fünf-Stunden-Takt, der Boden wackelt: Bürger aus Merklingen und Nellingen klagen über die Auswirkungen von Sprengungen. Im Verdacht: die Tunnel-Baustelle der Bahn bei Hohenstadt.

Zuerst dachten manche Bewohner von Merklingen und Nellingen an ein Gewitter, als in der Nacht zum Montag wieder einmal donnerte. Doch es gab mehrere Detonationsgeräusche hintereinander, zudem vibrierte der Boden. „Bei mir haben die Fenster regelrecht geklirrt“, sagt Carmen Gröh aus Merklingen. Also keine Wettererscheinung, sondern eine Sprengung. Schließlich wird in der Nähe an Tunneln für die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm gearbeitet.

Auch am Tage knallte es am Montag weiter. Hausbesitzer bangen um ihre Gebäude. „Man kann nur hoffen, dass durch die Sprengungen keine Schäden an den Häusern verursacht werden“, sagt Carmen Gröh, die im Meisenweg lebt und deren Wahrnehmung von den Nachbarn bestätigt wird. Auch beim Merklinger Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wackelten am Montag die Wände: Weniger im Seniorenwohnheim, das näher an der Autobahn liegt, als in der Geschäftsstelle am Ortsrand Richtung Machtolsheim.

Bürgermeister Sven Kneipp weiß nichts von möglichen Änderungen bei den Sprengarbeiten an den Tunnelbaustellen bei Widderstall und bei Hohenstadt (Kreis Göppingen). „Es handelt sich um eine Baumaßnahme auf langer Strecke, weswegen die betroffenen Gemeinden mit allen Informationen in den Nachrichtenverteiler aufgenommen sein müssten.“ Auch Heidi Frank aus Merklingen beklagt die fehlende Information. „Wenn man im Vorfeld aufgeklärt worden wäre, würde man nicht so erschrecken.“

Michael Schmidt, stellvertretender Leiter des Kommunikationsbüros der Deutschen Bahn, hat sich mit der Bauüberwachung und den Immissionsbeauftragten in Verbindung gesetzt. Wie er gegenüber der SÜDWEST PRESSE sagte, dürften die Auswirkungen von Sprengarbeiten eigentlich nicht bis Merklingen reichen. Dass der dort wahrgenommen Lärm und die Erschütterungen von Sprengarbeiten an der Baustelle Hohenstadt verursacht werden, wollte er noch nicht bestätigen. An der Baustelle Widderstall finden derzeit laut Schmidt keine Sprengungen statt.

Aktuell werden bei Hohenstadt die beiden Röhren für den Steinbühltunnel gebaut. Von der Baugrube „Pfaffenäcker“ aus arbeiten sich die Mineure sowohl in Richtung Filstal vor als auch in Richtung Ulm. Nunmehr wird aber auch in die andere Richtung gearbeitet, also vom Portal Hohenstadt hinunter zur Baugrube „Pfaffenäcker“. Rund um die Uhr im Abstand von etwa fünf bis sechs Stunden erfolgen Sprengarbeiten. „Der Rhythmus richtet sich danach, wie man vorwärts kommt“, erklärt Schmidt.

Für den Merklinger Gemeinderat Horst Nägele, der im Weiler Widderstall wohnt, ist die Ursache eindeutig. Die Störungen kämen nicht aus der direkten Nachbarschaft, dem Tunnelbau Widderstall, sondern aus Hohenstadt. Doch in Widderstall flatterten die Rollläden und wackele Boden. Gnadenlos seien die Sprengungen im Fünf-Stunden-Rhythmus, ob spätabends um 23 Uhr oder frühmorgens um 4: „Das haut uns aus dem Bett, das geht einfach gar nicht!“ Nägele hatte sich bereits mehrfach wegen des starken Lkw-Verkehrs beschwert, der nun aber nachgelassen habe. „Dafür gehen die Sprengungen los.“ Wegen möglicher Gebäudeschäden seien im Vorfeld alle Häuser begutachtet worden. „Wenn sich Risse zeigen, dann können wir beweisen, woher sie kommen.“

Auch aus Nellingen gibt es Klagen. Heidi Weiss ist überzeugt, die Geräusche zuordnen zu können: „Das sind Sprengungen. Wir haben nie etwas gehört, aber seit vergangener Woche grummelt es dauernd, Tag und Nacht, und sogar das Haus vibriert. Es ist beängstigend.“

Noch vor einigen Wochen hatte der Sprenglärm die Bewohner der Gemeinde Hohenstadt belästigt. Der Tunnel wirkte dabei wie ein Verstärker. Seit vergangener Woche herrscht dort aber plötzlich Ruhe: „Es ist merklich ruhiger. Früher gingen die Sprengungen auch nachts weiter, aber das ist jetzt vorbei“, sagt Gerlinde Müller.