Sanierung Bewahrte Wasser-Geschichte in Nellingen

Der Nellinger Bürgermeister Franko Kopp (vorne links) und sein Stellvertreter Werner Staudenmaier (dahinter) mit Jakob Salzmann (rechts neben Kopp) und einigen weiteren freiwilligen Helfern vor dem sanierten Wasserhäusle.
Der Nellinger Bürgermeister Franko Kopp (vorne links) und sein Stellvertreter Werner Staudenmaier (dahinter) mit Jakob Salzmann (rechts neben Kopp) und einigen weiteren freiwilligen Helfern vor dem sanierten Wasserhäusle. © Foto: Walter Notz
Nellingen / Walter Notz 09.07.2018

Mehr als 100 Jahre lang stellte der Hochbehälter „Schwachstett/Hohe Aspen“ die Versorgung von Nellingen und Aichen mit Trinkwasser sicher. Mit der Inbetriebnahme des Wasserturms in Machtolsheim im Jahr 1980 begann sein Verfall. Auch das Wasserhäusle über den Behältern verfiel zusehends. Bis sich Bürger und Gemeinde entschlossen, die historischen Bauwerke zu erhalten. Gestern ist der Abschluss der Sanierung gefeiert worden.

Die Vergangenheit sei wieder lebendig gemacht worden, sagte Bürgermeister Franko Kopp vor zahlreichen Besuchern und lobte den Einsatz und Tatendrang der Helfer. Vor gerade einmal 150 Jahren sei frisches, sauberes Wasser für die Menschen auf der Alb keineswegs selbstverständlich gewesen. Viele waren auf die Hülen angewiesen, nicht wissend wie belastet und damit alles andere als gesundheitsfördernd das Wasser daraus war. Trotzdem musste Dr. Karl Ehmann, der geistige Vater der Albwasserversorgung, einige Widerstände überwinden. Dass Wasser einen Berg hochfließen sollte, war manchen Zeitgenossen eher unheimlich. Ehmann aber setzte seine Idee in die Tat um. Ein wichtiger Baustein war der im Jahr 1875 fertiggestellte Wasserhochbehälter an der Markungsgrenze zwischen Nellingen und Merklingen.

Rot und grau leuchtet die Holzfassade des Wasserhäusles auf der Anhöhe über dem Wasserhochbehälter, die verzierten Balken tragen ein neu gedecktes Dach. Der Platz um das Häuschen herum wurde von Dickicht und Gestrüpp befreit. Im Inneren befinden sich zwei Wasserstandsanzeiger und zwei Einstiege zu den beiden getrennt gebauten Wasserbehältern mit einem Volumen von 256 Kubikmetern. Vier Meter geht es auf einer Leiter in die kühle Tiefe. Die Temperatur beträgt das ganze Jahr über etwa zehn Grad. Die Rohre sind alle noch im Originalzustand, ebenso ein großer Schwimmer. Beeindruckend aber sind vor allem Wände und der Boden. Man habe alles zwar von Dreck und Müll befreien müssen, sagte Werner Staudenmaier, stellvertretender Bürgermeister und einer der Initiatoren des Sanierungsprojekts. Doch abgesehen davon seien die beiden Gewölbekeller beachtlich gut erhalten.

Jakob Salzmann von der Interessengemeinschaft für Geschichte und Brauchtum in Merklingen ist es wohl maßgeblich zu verdanken, dass Behälter und Wasserhäusle gerettet wurden. Anfang der 2000er Jahre begann er, sich für deren Erhalt einzusetzen. Gestern war deshalb ein Freudentag für Salzmann. Herz erwärmend sei es für ihn, dass die Gemeinde Nellingen Wort gehalten habe und die Sanierung unterstütze. Werner Staudenmaier hatte mit Helfern der Feuerwehr und mit Unterstützung von Handwerksbetrieben die Planung übernommen, um das Kleinod zu bewahren. Zukunftspläne gibt es auch schon. So könnten Schulklassen an Ort und Stelle erleben, wie das Wasser einst auf die Alb kam.

Grüße an den Fensterdieb

Anekdote Während der Renovierung des Wasserhäusles hatten die Helfer auch einen Diebstahl zu verkraften, erzählte Werner Staudenmaier. Eines der beiden neu eingesetzten Fenster sei gestohlen worden. Also musste ein drittes angefertigt und eingebaut werden. Dem Dieb wünschte Staudenmaier lächelnd „einen recht baldigen Hagelschaden!“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel