Es ging gestern vor allem darum, Einigkeit und Zusammenhalt bei der Vermarktung des Unesco-Welterbes zu demonstrieren: Der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer und sein Tübinger Kollege Klaus Tappeser besuchten erstmals gemeinsam den Archäopark Vogelherd bei Niederstotzingen-Stetten. Seit 2017 sind die „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ Welterbe. „Unser Besuch zeigt, wie wichtig uns dieses Welterbe und die Aufbereitung für unsere Bürger ist“, sagte Reimer im Besucherzentrum des Archäoparks. Auch im Hinblick auf den Tourismus: „Mit diesem Pfund kann man touristisch wuchern.“

Welterbe-Titel bringt Pflichten

Heidenheims Landrat Thomas Reinhardt schloss sich an: „Wir ziehen an einem Strang, was die Zielsetzung angeht: sechs Höhlen – zwei Täler gemeinsam voranbringen.“ Er erinnerte an die 40 000 Jahre alten Funde aus den eiszeitlichen Höhlen und die aus dem Welterbe-Titel resultierenden Pflichten: „Wir wissen, dass noch viel zu tun ist.“ Dazu brauche man auch die Unterstützung des Landes. Tübingens Regierungspräsident Tappeser, Vorsitzender des Kuratoriums Weltkultursprung, war gestern zum ersten Mal in dem Themenpark: „Ich muss den Archäopark begreifen, um zu wissen, wovon ich rede.“

Niederstotzingens Bürgermeister Marcus Bremer freute sich „alle Akteure heute hier dabei zu haben“. Niederstotzingen habe insgesamt 3,5 Millionen Euro in den Archäopark investiert – unterstützt vom EU-Programm Leader und dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum, sagte der Bürgermeister. Durchschnittlich 24 000 Besucher im Jahr seien seit der Eröffnung 2013 gezählt worden. Die Stadt Niederstotzingen finanziere die Einrichtung samt Betrieb im Wesentlichen alleine: „Keine ganz unerhebliche Leistung für eine Stadt von 4600 Einwohnern.“ Bremer zufolge ist der jährliche Kostenzuschuss der Stadt gestiegen und liegt derzeit im niederen sechsstelligen Bereich. Die Stadt sei ein Partner von vielen, die gemeinsam die Eiszeitregion entwickeln wollen. „Da nehmen wir uns gegenseitig auch nichts weg. Jede Einrichtung hat ihre Besonderheiten“, bekannte sich Bremer klar zur dezentralen Präsentation der Funde aus den Höhlen. Die wissenschaftliche Betreuerin des Parks, Ewa Dutkiewicz, führte die Gäste durch den Archäopark. Das Ausstellen der originalen geschnitzten Fundstücke Mammut und Höhlenlöwe werte den Besuch für die Menschen enorm auf, zumal hier im Gegensatz zu den anderen Präsentationsorten der direkte Bezug zum Fundort gegeben sei.

Im Außenbereich konnten sich die Regierungspräsidenten dann selbst an der Nutzung nachgebildeter Jagdwaffen aus der Eiszeit versuchen. Professor Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, schilderte vor dem Eingang der Vogelherdhöhle, dass diese die einzige sei, die von Archäologen komplett ausgeräumt worden ist.

Löwenmensch und Venus

Nach dem Besuch des Archäoparks war die Tour durch die Eiszeit für die beiden Regierungspräsidenten und ihre Begleiter, darunter auch Alb-Donau-Landrat Heiner Scheffold, noch nicht zu Ende. Im Anschluss besichtigten sie im Ulmer Museum  den weltberühmten Löwenmenschen und anschließend den Hohle Fels in Schelklingen. Dort wurde die Venus als bisher älteste bekannte, von Menschenhand geschaffene Frauenfigur gefunden.

Öffnungszeiten des Archäoparks


Saisonstart Zum 1. April hat im Archäopark Vogelherd im Niederstotzinger Ortsteil Stetten ob Lontal die Saison begonnen. Geöffnet ist nun Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr, montags bleibt der Themenpark geschlossen. Auch gibt es nun wieder zahlreiche Veranstaltungen, etwa am kommenden Sonntag. Dann heißt es ab 10.30 Uhr am „Platz der Kunst“ „Entdecke den Künstler der Steinzeit in Dir“. Unter Anleitung des Archäo-Guides Holger Müller können die Besucher aus Speckstein Figuren schnitzen. Mehr über das Programm im Archäopark gibt es im Internet unter www.archaeopark-vogelherd.de