Bildung Berufsberatung in Langenau: „Plan B“ als Tipp

Langenau / BARBARA HINZPETER 07.06.2018

Es ist schon ein Fortschritt, wenn die Bewerber vor dem Vorstellungsgespräch das Handy ausschalten“, sagte Frieda Freudenthaler, Leiterin des Pflegeheims Sonnenhof. Sie habe zwar Verständnis für die Jugendlichen, wenn sie vor lauter Aufregung keine drei geraden Sätze herausbringen. Dafür legt sie aber Wert auf Pünktlichkeit und darauf, dass Bewerber über den Beruf informiert sind und selbst Fragen stellen. Ähnlich äußerten sich sämtliche Firmenvertreter auf dem Podium bei der Berufswahl-Veranstaltung von IHK und Friedrich-Schiller-Realschule in Langenau. Wäre diese in den Biergarten verlegt worden, wären wohl mehr Interessierte gekommen, mutmaßte Schulleiter Martin Metzger angesichts der Temperaturen und der lichten Stuhlreihen in der Mensa.

Jedes Jahr bieten IHK, Realschule und deren Bildungspartner einen Abend für Schüler der achten und neunten Klassen, an dem sie rund um Ausbildung und Bewerbung informieren. Dabei ist stets Wolfgang Schmeh von der Agentur für Arbeit, der seit fast 40 Jahren Langenauer Realschüler bei der Berufswahl berät und begleitet. Fabian Späth von der IHK Ulm gab einen Überblick über die möglichen Wege, die Realschüler nach der Schule einschlagen können. Die Entscheidung für eine duale Ausbildung eröffne gute Weiterbildungsmöglichkeiten und Chancen. Umgekehrt könne es sein, dass „viele, die Architektur studiert haben, heute als Bauzeichner arbeiten“. Der Satz ließ Hannah aufhorchen, die ein Architekturstudium in Betracht zieht. Diese Info bringe die Achtklässlerin schon zum Nachdenken.

Ohnehin sei es ratsam, mehrgleisig zu fahren und einen „Plan B“ in der Tasche zu haben, empfahl Schmeh. Besonders wertvoll fanden Elias und sein Vater Gerhard Henseler die praktischen Tipps. So   erfuhren die Zuhörer, dass die Form der schriftlichen Bewerbung völlig unterschiedlich sein kann; einige Firmen nehmen nur Online-Bewerbungen an. Aber auch aus denen sollte die Motivation deutlich hervorgehen, betonte Jürgen Noszkovics von Bosch-Rexroth.

Eine verpflichtende offizielle Form gebe es nicht, sagte Carmen Pawlitschko (Reinz). Aber ein zweiter Blick aufs Anschreiben sei ratsam: Denn Rechtschreibfehler und gar ein falscher Firmenname machten einen schlechten Eindruck. Immerhin sei das Bewerbungsschreiben Grundlage für die Vorauswahl. „Die Ernsthaftigkeit der Bewerbung ist nicht immer zu erkennen“, bestätigte Klaus Hummler von ScanPlus. 300 bis 400 Bewerbungen gingen bei der Firma ein, die pro Jahr 27 Auszubildende einstelle. Hummler riet den Realschülern, sich früh zu bewerben. ScanPlus habe keine Bewerbungsfrist. Am besten sollten die Jugendlichen schon alles vorbereitet haben, dass sie die Unterlagen gleich abschicken können, wenn sie das Zeugnis bekommen haben. Besonders aufschlussreich sind laut Walter Gerstlauer, Leiter der Langenauer Sparkasse und Vorsitzender des Gewerbeverbands, Praktika. Eine Woche lang könne sich niemand verstellen – weder die  Jugendlichen noch die Zuständigen im Betrieb.

In Berufsorientierung aktive Schule

Kooperationen Die Friedrich-Schiller-Realschule Langenau ist „top aufgestellt“ bei der Berufsorientierung, sagte Schulleiter Martin Metzger vor IHK und Bildungspartnern der Schule. Dazu zählen die Firmen ScanPlus, Reinz-Dichtungs-GmbH, Bosch-Rexroth, Sparkasse, Hotel und Rasthof Seligweiler sowie das Pflegeheim Sonnenhof. Sie bieten etwa Workshops an für Achtklässler, die in der Schule schon ihre Stärken analysiert haben und sie in der Praxis erproben möchten. Außerdem beteiligen sie sich mit zahlreichen anderen regionalen Unternehmen am „Check-Your-Talents-Day“, den die Realschule im Frühjahr zum vierten Mal organisiert hatte.