Geschichte Bermaringen: Marktort von Kaisers Gnaden

Wie Bermaringen das Marktrecht bekam: Die stellvertretende Ortsvorsteherin Lara Honold (von links), Hans Mutschler und Ortsvorsteherin Hilde Mayer halten die Infotafel, die zum Markttag am 30. Juni aufgestellt wird.
Wie Bermaringen das Marktrecht bekam: Die stellvertretende Ortsvorsteherin Lara Honold (von links), Hans Mutschler und Ortsvorsteherin Hilde Mayer halten die Infotafel, die zum Markttag am 30. Juni aufgestellt wird. © Foto: Volkmar Könneke
Bermaringen / Von Jan-Henrik Hnida 19.06.2018

Wenn ein kleines Bauerndorf das Privileg des Hauptgerichts und des Marktrechts erhält, ist das etwas Besonderes. Das Recht, Waren zu verkaufen verlieh Kaiser Karl IV. (1316-1378) dem Dorf Bermaringen vor 650 Jahren – ein Grund zum Feiern und Erinnern. Der Heimatforscher Hans Mutschler wohnt direkt an der Stelle des vermuteten Marktplatzes. Die Spuren sind jedoch verwischt.

Im Mittelalter bekamen die Städte mit ihrer Ernennung neben der Gerichtsbarkeit auch das Marktrecht zugestanden. Ländliche Gemeinden waren davon meist ausgenommen. Ein wenig anders verlief es im Jahr 1368 in Bermaringen. „Man nimmt an, dass es hier war“, sagt Hans Mutschler. Er sitzt im Wohnzimmer seines Hauses in der Bollinger Straße 16. An der Stelle des Hauses vermutet der Ruheständler den „Laich“ – den erhöhten Ort, wo sich vor hunderten Jahren der Bermaringer Marktplatz befunden haben soll. 1838 baute sein Ururgroßvater dort das erste Haus der Familie  – als Tagelöhner und späterer Wegewart. Sein Vater hütete Schafe, Hans Mutschler selbst war in der Metallindustrie tätig. „Erst im Alter kam ich zu meiner Leidenschaft“, sagt er und meint damit die Geschichte, besser: die Heimatgeschichte.

Als Quellen dienten dem 79-Jährigen die im Württembergischen Staatsarchiv gelagerten Verleihungstexte und „Bermaringen einst und jetzt“ von Pfarrer Ernst Egerer. Hans Mutschler hat daraus ein vierseitiges Faltblatt für das Fest „650 Jahre Marktrecht in Bermaringen“ am Samstag, 30. Juni, verfasst (siehe Infokasten).

Im 14. Jahrhundert herrschten die Stein zu Klingenstein als örtliche Herren. Bermaringen hatte sich zu einer Albgemeinde mit 90 Höfen und 600 Einwohnern entwickelt (heute etwa 1250 Einwohner). Das damalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation war kein Staat, sondern eine Art Zweckverband unterschiedlichster Territorien und deren Fürsten. Die von den Kurfüsten auf Lebenszeit gewählten Könige und Kaiser fungierten als Herrscher mit eingeschränkter Macht. Bei einem Treffen in Mantua beantragte Graf Berthold von Stein zu Klingenstein für seinen „bedeutenden Güterkomplex“ in Bermaringen das Marktrecht und die Gerichtsbarkeit. Beides gewährte ihm Karl IV. mit den Worten „Stock und Galgen zu haben und einen Wochenmarkt zu halten“.

Ein großer Schritt in Richtung ökonomischer Freiheit und ein Machtzuwachs für den dominierenden Gutsbesitzer, der nun auch Marktherr war. Am Markttag – donnerstags – wurden Brot, Fleisch, Gemüse und Haushaltswaren angeboten. „Bermaringen war eine stets ertragreiche und pflegeleichte Gegend“, erklärt Hans Mutschler. Jedoch versandete die glorreiche Marktzeit schon recht bald wieder. Nach einer Phase der Vielherrschaft und Misswirtschaft ging Bermaringen in den Besitz der Freien Reichsstadt Ulm über. Das war 1512, „und dann verlieren sich die Spuren“, sagt Mutschler.

„Vergessen ist das Marktrecht aber nicht“, sagt Hobbyhistoriker Hans Mutschler. Spätestens mit dem „Markttag in Bermaringen“ werde das verschollene Erbe wieder ins Bewusstsein rücken.

Markttag in Bermaringen

Fest Gemüse, Eier, Feinkost, Babykleidung, Damenstulpen, Dekoratives aus Holz und aus Beton … dazu Weißwurstfrühstück und weitere Speisen, Getränke sowie eine Hüpfburg für Kinder; außerdem ist der Arbeitskreis Dorfladen mit einem Infostand vertreten: Am Samstag, 30. Juni, ist in Bermaringen (Bollinger Straße/Auf dem Leh) wieder Markttag. Beginn ist im 8.30 Uhr, zur offiziellen Eröffnung um 9 Uhr spricht der Blausteiner Bürgermeister Thomas Kayser. Anschließend präsentiert Hobbyhistoriker Hans Mutschler seine geschichtliche Dokumentation über 650 Jahre Marktrecht für Bermaringen.

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