Befall Beliebter Uferweg muss wegen Raupen gesperrt werden

Warnung: Der Uferweg an der Iller bei Oberkirchberg ist seit gestern gesperrt. Grund dafür ist das massenhafte Auftreten von Eichenprozessionsspinnern.
Warnung: Der Uferweg an der Iller bei Oberkirchberg ist seit gestern gesperrt. Grund dafür ist das massenhafte Auftreten von Eichenprozessionsspinnern. © Foto: Franz Glogger
Franz Glogger 09.06.2018

Die Frau steigt verunsichert von ihrem Rad ab. Eine rot-weiße Absperrung behindert auf Höhe von Oberkirchberg die Weiterfahrt auf dem westlichen Uferweg der Iller in Richtung Wiblingen. „Weg gesperrt Gesundheitsgefahr Eichenprozessionsspinner“ steht auf einem von der Stadt Senden angebrachten, laminierten Schild. „Ach, ich hab’s ja nur bis Unterkirchberg“, sagt die Frau, schiebt ihr Fahrrad an dem Hindernis vorbei und radelt weiter.

Absperrungen und Warnhinweise stehen seit gestern allenthalben auf dem westlichen Uferweg, von Sinningen im Kreis Biberach bis Oberkirchberg, von Unterkirchberg bis Wiblingen waren gestern Nachmittag noch keine Schilder angebracht.

Ausgemacht hat die Gefahr der „Landesbetrieb Gewässer“, der dem Regierungspräsidium (RP) Tübingen angegliedert ist. Die Behörde mit Sitz in Riedlingen ist für die Verkehrssicherung des Uferwegs zuständig. Bei ihrer jüngsten Kontrollfahrt kamen die Mitarbeiter kaum mit dem Zählen der befallenen Eichen nach. An 80 Stellen entdeckten sie zum Teil „massenhaften Befall“, wie es in der Mitteilung des RP heißt. Manche Gespinste befinden sich auf Brusthöhe. Gar nicht auszudenken, wenn ein Kind danach greift, sagte ein Mitarbeiter.

Rathäuser alarmiert

Sogleich wurden gestern Morgen die Bürgermeisterämter alarmiert. In ihrer Zuständigkeit als Ortspolizeibehörde wurden sie gebeten, auf ihren Gemarkungen die Wege zu sperren. Darauf reagierte die Stadt Dietenheim prompt. „Wir werden die Sperrung der Zugänge zu diesem Gebiet sofort veranlassen“, sagte Hauptamtsleiter Dietmar Kögel.

Für den stellvertretenden Illerkirchberger Bürgermeister Giuseppe Lapomarda war die Aufgabe nicht auf die Schnelle lösbar. „Es sieht zwar so aus, als wäre der Weg auf unserer Gemarkung. Er befindet sich aber zumeist auf bayerischem, also Sendener Gebiet“, sagte Lapomarda. Und auf fremden Terrain wollte er nicht einfach einen Weg sperren. Ein Anruf von Hauptamtsleiter Manfred Kornmayer bei den Nachbar-Kollegen löste den Knoten und der Bauhof wurde damit beauftragt, die Sperrungen einzurichten. Auch die anderen Kommunen reagierten, wusste Bernd Weltin, der Pressesprecher des Landratsamts Alb-Donau, zu berichten. Die Kreisbehörde sei zwar nicht direkt in Maßnahmen involviert, berate aber betroffene Kommunen und Waldbesitzer. Zudem würden auf die Bekämpfung der gefährlichen Raupe spezialisierte Fachbetriebe vermittelt. Meistens jedoch sei das notwendige Fachwissen vor Ort vorhanden. Nächste Woche werde die Kreisbehörde, insbesondere der Fachdienst Forst, beraten, ob weitere Hilfe und Informationen angeboten werden können, sagte Weltin. Forstleute des Landratsamts sehen einen Grund für das massenhafte Auftreten der Raupe darin, dass zeitgleich mit ihrem Schlüpfen die Eichen austrieben, so dass für eine üppige Nahrungsgrundlage gesorgt war. Das sei nicht immer so, wurde aber durch die nun schon lang anhaltende milde Witterung begünstigt, sagte Weltin.

Einschränkung bis in die erste Juliwoche

Sperrung Spaziergänger und Radwanderer müssen sich wohl auf eine längere Sperrung der sehr beliebten, teils als Illerradwanderweg ausgewiesenen Strecke einstellen – voraussichtlich bis einschließlich Kalenderwoche 27, also der ersten Juli­woche, heißt es seitens des Regierungspräsidiums Tübingen. Denn wegen der an vielen Orten auftretenden Raupe seien derzeit kaum qualifizierte Betriebe zu bekommen. Sobald Fachleute zur Hand seien, werde mit der Beseitigung der Raupennester und Raupen an dem Uferweg begonnen.

Gesundheit Fachleute warnen eindringlich, abgesperrte Bereiche zu betreten. Die Gefahr von allergischen Reaktionen der Haut und der Atemwege sei beträchtlich. Verursacher sind die Brennhaare der Raupe. Zudem brechen sie leicht und können vom Wind in die Umgebung getragen werden. Auch von den zurückgebliebenen Gespinstnestern geht noch eine Gefahr aus. Die Reaktionen reichen von Hautreizungen über Pusteln bis zu Asthmaanfällen.

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