Krimi Lesung: Beim Tod in Ulm fließt kein Blut

Schriftstellerin Adi Hübel in Oberbalzheim.
Schriftstellerin Adi Hübel in Oberbalzheim. © Foto: Manuela Rapp
Balzheim / MANUELA RAPP 07.11.2016

Kiki Wunder hat’s nicht leicht. Ach, da ist dieses merkwürdige Essen – braune Soße und Würste zum Beispiel. Und erst diese komische Sprache: Wie soll denn ein Berliner diesen Dialekt verstehen? Also dann:  Willkommen in Ulm.

Kiki Wunder ist keine Person aus Fleisch und Blut, das nicht, aber sie gewinnt schnell reale Konturen, wenn ihre Schöpferin, Adi Hübel, so lebhaft und engagiert aus ihrem Roman „Tod in Ulm“ liest. Die Autorin, in Söflingen beheimatet, präsentierte nämlich Passagen aus diesem ihrem zweiten Roman beim jüngsten Kleinen Kulturprogramm in der Oberbalzheimer Stiftungshalle. Diese Kiki ist eine Kecke, manchmal vielleicht zu naiv, aber sympathisch und zu allem Überfluss auch noch Kriminalassistentin. Wen wundert’s da, dass Frau Wunder auch schon gleich nach ihrem Umzug in die Provinz in einem Mordfall ermitteln muss. „Es handelt sich um keinen Thriller, um nichts, wo Blut fließt“, charakterisierte Adi Hübel ihr Buch.

Die Schriftstellerin, Gründerin der Ulmer Theater-Werkstatt und Chefin des Kindertheaters Kinkerlitzchen, versteht es mit ihrer animierten und pointierten Lesung die Zuschauer in die Alltagswelt ihrer Heldin mitzunehmen. Gepflegte, vielseitige und unterhaltsame Sprache, aber auch eine gute Portion Humor machen das Zuhören zum Vergnügen. Adi Hübel versteht Stimmung aufzubauen – auch was den Einsatz von Stimme und Gestik anbelangt.

Und so liest sie sich im Laufe des Abends richtiggehend in Fahrt, wobei die Ermittlungen parallel dazu ebenso an Dynamik gewinnen. Jede Menge Lokalkolorit steigert zusätzlich das Interesse am Mord am dubiosen Bauunternehmer Hannes Bader, der versucht hatte, sich durch den Bau von Multifunktionshallen in Ulm und in Norddeutschland eine goldene Nase zu verdienen. So treibt seine Leiche in der Söflinger Blau, der Schwiegervater des Ermordeten hat sein Luxusbüro in der Fußgängerzone: Bekannte Schauplätze – wenn das mal nicht die Phantasie des Publikums anregt.

Anregend gestaltet sich im Übrigen auch die Annäherung der sich rasch ans schwäbische Alltagsleben anpassenden Heldin an ihren flotten, nach Olivenöl riechenden Co-Ermittler, wo recht schnell die Funken fliegen…

Den Mörder gab Adi Hübel – selbstverständlich – nicht preis. Nur so viel durften die Anwesenden mitermitteln: Die Spur führt in den Norden, wohin Kiki und ihr Kollege auf Dienstreise gehen.

Dass ihr Herz fürs Schwäbische schlägt, stellte die Dichterin übrigens nicht nur durch immer wiederkehrende dialektale Textpassagen unter Beweis. Sie hatte auch eine Auswahl von Mundartgedichten dabei. Diese, hintergründig und ein wenig philosophisch, rundeten den von der Stiftung Oberbalzheim organisierten Abend ab.

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