Den Anwohnern der Scharenstetter Straße, der Langgasse und der Lindenstraße in Merklingen stinkt es. Und zwar gewaltig und im wahrsten Sinn des Wortes: Bei Unfällen und Staus auf der parallel verlaufenden Autobahn 8 wird die Ortsdurchfahrt immer öfter als „Umgehungsstraße“ und „Schleichweg“ genutzt, wettern die dort lebenden Bürger. Deshalb haben sie Ende 2018 die Bürgerinitiative „SchLaLi“ (siehe Infokasten) ins Leben gerufen. Deren Sprecher Manfred Ruhland hat am Dienstagabend den Ärger im Gemeinderat vorgebracht. Im Sitzungssaal, in dem auch zwanzig Zuhörer saßen, forderte er „Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Verkehrssituation und eine Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität“.

Fenster nicht mehr öffnen

„Das aktuelle Verkehrsaufkommen dort ist mittlerweile unerträglich und nimmt von Monat zu Monat zu.“ So schilderte Ruhland die aktuelle Situation auf der Landesstraße 1234. Lärm, Dreck und Gestank entlang der Ortsdurchfahrt beeinträchtigten deutlich die Wohnqualität. Zeitweise könne man die Fenster nicht mehr öffnen. Und: „Ein sicheres Überqueren der Straße, hauptsächlich für Kinder und ältere Mitbürger, ist nicht mehr gegeben.“

Eine Besserung ist laut „SchLaLi“ nicht in Sicht. Im Gegenteil. Ruhland erinnerte an den neuen Bahnhalt in Merklingen und an die bereits terminierte Sanierung der Ortsdurchfahrt von Nellingen, die mehrere Monate lang dauern werde. Was hat das mit Merklingen zu tun? Ganz einfach: „Die Umleitungsstrecke führt unter anderem über die Landesstraße 1234“, merkte Ruhland an. In diesem Zusammenhang sprach er auch das geplante interkommunale Gewerbegebiet an, das Merklingen noch mehr Verkehr bescheren werde.

„SchLaLi“ fordert nun die Verwaltung auf, „ein ganzheitliches Verkehrskonzept“ zur Entlastung der Anwohner zu erarbeiten. Einige Vorschläge hatte die Bürgerinitiative bereits parat: eine Einleitung eines Umwidmungsverfahrens von einer Landesstraße zur Ortsstraße, eine deutlichere Beschilderung zur Nutzung der Umfahrung Merklingens, eine Tempobeschränkung auf 30 Stundenkilometer, ein Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr, eine stationäre Geschwindigkeitsüberwachung und eine Verengung der Straße.

Bei der anschließenden Aussprache im Gemeinderat kristallisierte sich sehr schnell heraus, das „SchLaLi“ auf die Unterstützung des Gremiums zählen kann. Bürgermeister Sven Kneipp sicherte der Bürgerinitiative sofort seine Unterstützung zu. Auch das Landratsamt Alb-Donau sei bereits im Boot, informierte der Rathauschef, der bereits im Vorfeld mit der Behörde in Ulm über die Problematik gesprochen hat. Die hatte im Januar eine Geschwindigkeitskontrolle in der Ortsdurchfahrt veranlasst. Dabei wurde laut Kneipp „nur ein Verkehrsverstoß festgestellt“. Allerdings werde der Blitzer im kommenden Monat noch einmal an der besagten Straße aufgestellt. „Vielleicht lässt es sich einrichten, dies bei einem Stau auf der Autobahn zu tun“, sagte der Bürgermeister.

Bereits angeregt hat er eine neue Verkehrszählung in diesem Bereich. Die Verkehrsmonitoring-Zahlen, die ihm vorliegen, seien nicht auf dem neuesten Stand. Liegen die aktuellen Zahlen einmal vor, werde er einen Termin mit Anliegern, den Verkehrsbehörden, der Polizei und dem Gemeinderat vereinbaren.

Tempo-Anzeigen aufstellen

Zudem versprach Kneipp, Geschwindigkeitsanzeigegeräte aufzustellen. Und zwar, auf Antrag von Gemeinderat Martin Gröh, in beiden Fahrtrichtungen. Hans-Jürgen Betz gab noch zu bedenken, dass die angedachte Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h keine Verringerung des Verkehrs mit sich bringe. Das Gremium war sich einig, eine einvernehmliche Lösung finden zu wollen. „SchLaLi“-Sprecher Ruhland bedankte sich nach der Aussprache im Namen aller Mitstreiter für das Entgegenkommen.

Von West nach Ost durchs Dorf


Zählung Die Bürgerinitiative „SchLaLi“ (Scharenstetter Straße, Langgasse und Lindenstraße) wurde Ende vergangenen Jahres ins Leben gerufen. Die drei zusammenhängenden Straßen gehören gemeinsam zur Landesstraße 1234, die vom Westen Merklingens (Kreisverkehr Lindenstraße) Richtung Osten (Kreisverkehr Scharenstetter Straße) führt. Bei einer Verkehrszählung der Bürgerinitiative seien im Mai 2018 während eines Staus auf der A 8 rund 800 Fahrzeuge pro Stunde in eine Richtung der Ortsdurchfahrt gezählt worden.

Resolution Entlang der 1400 Meter langen Straße wohnen laut „SchLaLi“  156 Bürger. 133 haben eine Resolution für eine Verkehrsentlastung vor ihrer Haustür unterschrieben.