Alb-Donau-Kreis Begehrter Boden für Landwirte

Unmengen Erde werden auf der Bahn-Baustelle bei Dornstadt bewegt. Vor allem die obere Schicht, der wertvolle Oberboden, ist begehrt. Der Rest wird zu einem großen Teil für den Bau des Lärmschutzwalls verwendet.
Unmengen Erde werden auf der Bahn-Baustelle bei Dornstadt bewegt. Vor allem die obere Schicht, der wertvolle Oberboden, ist begehrt. Der Rest wird zu einem großen Teil für den Bau des Lärmschutzwalls verwendet. © Foto: Siegfried Geyer
Alb-Donau-Kreis / HELGA MÄCKLE 16.04.2014
Der fruchtbare Oberboden, der an der Bahn-Baustelle auf der Alb anfällt, ist bei Landwirten begehrt: Sie lassen ihn auf ihre Felder fahren. Das muss vom Landratsamt genehmigt werden, sonst droht Ungemach.

"Die Leute wollen wissen, warum der gute Boden weggefahren wird. Die hätten ihn gerne auf ihren steinigen Äckern." Landrat Heinz Seiffert brachte in der Kreistagssitzung am Montag ein Thema zur Sprache, das die Landwirte auf der Alb beschäftigt: Der Aushub an der Großbaustelle der Deutschen Bahn, die dort ihre neue ICE-Trasse baut. Jede Menge Erde wird dafür ausgebaggert und zum Teil auf großen Halden zwischengelagert. Vor allem die obere Humusschicht, der Oberboden, ist für die Landwirte interessant: Das ist guter Ackerboden, den die Bauern gerne auf ihren Felder hätten, um die Qualität ihrer Böden zu verbessern.

Aus Sicht der Landwirtschaft sei die Nutzung des nährstoffreichen und damit wertvollen Oberbodens sehr zu begrüßen, findet auch der Bauernverband Ulm-Ehingen. Denn damit könne die natürliche Fruchtbarkeit verbessert werden, die Bauern erzielten bessere Erträge - insbesondere auf der "steinigen Alb" . Der Oberbodenauftrag ist laut Roman Gottschalk, Geschäftsführer des Bauernverbands, im Planfeststellungsbeschluss für das Bahn-Projekt berücksichtigt.

"Wir haben allerorten zahlreiche Anfragen für solche Bodenauffüllungen", erklärte Heiner Scheffold, Erster Landesbeamter des Alb-Donau-Kreises den Kreisräten, und fügte gleich hinzu: "Wir sind aber der Auffassung, dass das teuer werden kann." Der Grund sei vor allem die Qualität der Böden, deren Unbedenklichkeit bestätigt sein muss - das heißt ein unabhängiges Fachbüro muss Art und Qualität des Bodens begutachten. Auf Basis eines solchen Gutachten genehmige die Unteren Naturschutz- oder Baubehörde des Landratsamtes Alb-Donau die Auffüllungen. Diese müssen laut Bundesnaturschutzgesetz und Landesbauordnung ab einer Größe von 500 Quadratmetern oder mehr als zwei Meter Höhenunterschied genehmigt werden (siehe Info-Kasten)

Grundsätzlich dürfe nur aufgefüllt werden, wenn dies dazu dient, entweder die Qualität der Bodens zu verbessern oder aber um die Bewirtschaftung zu erleichtern, etwa um Mulden oder Senken auszugleichen, erklärte Scheffold. Das Genehmigungsverfahren sei nicht nur wegen der Bodenqualität sinnvoll, sondern auch um abzuklären, ob es etwa Probleme mit dem Artenschutz gibt. "Wenn in einem Auffüllbereich beispielsweise selten Vögel brüten oder ähnliches."

Scheffold sagte im Kreistag auch, dass manche Landwirte wegen nicht genehmigter Auffüllungen bereits Probleme bekommen hätten. Und das könne teuer werden, schließlich koste es schnell einige tausend Euro, wenn das Material wieder abgetragen werden muss. Das Landratsamt bemühe sich zwar, die Anträge schnell zu bearbeiten. "Aber auch hier gilt: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Wir arbeiten die Anträge nach den gesetzlichen Vorgaben ab", sagte Scheffold. Vier bis sechs Wochen dauere die Bearbeitung in der Regel. "Wobei wir bei unproblematischen kleineren Vorhaben ohne förmliche Genehmigung in aller Regel auch kurzfristig Auskünfte erteilen."

Laut Reinhold Ranz vom Umweltamt des Landratsamtes sind im vergangenen Jahr auf der Bahnbaustelle bei Dornstadt rund 60 000 Kubikmeter des begehrten Oberbodens angefallen. Das beauftragte und damit verantwortliche Fuhrunternehmen habe damals die gesamte Menge untersuchen lassen und bei den Behörden das entsprechende Gutachten vorgelegt. "Die Landwirte konnten dann bei uns einen Antrag stellen, wo sie den Boden auffüllen wollten. Das war recht unkompliziert." Rund 20 Verfahren habe das Landratsamt im vergangenen Jahr bearbeitet.

In diesem Jahr fallen laut Ranz rund 26 000 Kubikmeter Oberboden an. Die habe sich bereits ein Landwirt gesichert. Das Genehmigungsverfahren dazu läuft.

Landratsamt hat Infoblatt über Kriterien aufgelegt