Merklingen / BRIGITTE SCHEIFFELE  Uhr
Merklinger Bürger müssen sich auf enorme Belastungen gefasst machen. Denn bald erfolgt der Start zum Bau eines 394 Meter langen Bahntunnels. Auch der Ausbau der Autobahn Richtung Westen geht weiter.

Gleichzeitig arbeiten Bahn und Regierungspräsidium (RP) jetzt auf der Albhochfläche zwischen Hohenstadt und Merklingen: Der sechsstreifige Autobahnausbau, für den das RP zuständig ist, und der Bau der ICE-Trasse rücken weiter nach Westen. Bei einer Informationsveranstaltung in Merklingen erfuhren die etwa 60 anwesenden Bürger, dass unter dem Autobahnanschluss bei Merklingen ein 394 Meter langer Tunnel gelegt wird. Diese Unterführung für die beiden Bahngleise wird in offener Bauweise errichtet. Das bedeutet, dass eine Baugrube geöffnet wird, in dieser wird die rechteckige Röhre für die Gleise betoniert, dann wird die Grube wieder aufgefüllt.

Für diese Tunnelarbeiten muss eine Umfahrung für die Landesstraße gebaut werden. Mit den Arbeiten dafür wird im August begonnen, danach wird ein Teil des Tunnels gebaut. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, wird die Umfahrung wieder beseitigt, die restlichen Tunnelarbeiten werden dann in Angriff genommen. Alle Arbeiten am Bahnkörper inklusive Tunnel im Streckenabschnitt Merklingen-Hohenstadt werden bis 2017 abgeschlossen sein. Da im Zuge der Bauarbeiten auch die Landesstraße 1230 voll saniert wird, muss im Oktober 2016 noch einmal die komplette Kreuzung an der Autobahnauffahrt dicht gemacht werden.

Doch auch der Ausbau der Autobahn Richtung Westen wird die Bewohner der Gemeinden auf eine harte Probe stellen. "Es wird natürlich Belastungen für die Anwohner durch Baustellenverkehr geben, aber wir versuchen, diesen weitestgehend im Baufeld selbst abzuwickeln", betonte Arnold Goller. Er ist der Projektleiter des RP Tübingen für den Ausbau der A 8 für den 23 Kilometer langen Bauabschnitt von Ulm-West bis Hohenstadt.

2016 werde mit dem Ausbau der Autobahn im Bereich Merklingen begonnen, weil bis dahin der Streckenausbau zwischen Temmenhausen und Nellingen abgeschlossen ist. Bei Merklingen wird zunächst mit der Fahrbahnerweiterung in Richtung München begonnen. Dafür wird die alte Betonfahrbahn ausgebaut, das Material vor Ort aufbereitet und anschließend wieder für die Erweiterung verwendet. Dann erfolgen die Arbeiten Richtung Hohenstadt. Goller meint, bis Ende 2018 mit dem Gröbsten durch zu sein, Restarbeiten könnten sich aber bis ins Jahr 2019 hinziehen.

Bereits jetzt liefen vorbereitende Arbeiten für eine Umfahrungstrasse, die insbesondere den Verkehr in Richtung Nellingen auf der L 1230 regeln sollen. Diese Trasse sei auch wichtig für den Fall von Autobahnsperrungen. "Wir werden überwiegend in Nachteinsätzen arbeiten, zum Beispiel, wenn alte Brücken abgebrochen werden. Das passiert dann Samstagabends von 22 Uhr bis Sonntag um 12 Uhr, also außerhalb der Hauptverkehrszeiten," betonte Goller. Wie Projekt-Ingenieur Ronald Stolz erläuterte, ist mit einer ersten Vollsperrung der Autobahn im September dieses Jahres zu rechnen. In nächsten Jahr folgen weitere Sperrungen zum Einheben von Brückenträgern.

"Wenn wir es schaffen, das es uns belastet, aber nicht überlastet, uns stört, aber nicht unerträglich wird, dann sind wir schon einen großen Schritt weiter," sagte der Merklinger Bürgermeister Sven Kneipp bei der Informationsveranstaltung.

Für Beschwerden stehen Ansprechpartner bei der Bauüberwachung in Merklingen zur Verfügung, an die sich die Bevölkerung wenden kann unter Tel. (07337) 92 44 40. Die Baufahrzeuge sind an der Windschutzscheibe gekennzeichnet, so dass diese jederzeit identifiziert werden können: "Wenn also ein Spitzbube vorbeifährt und sich nicht an die Regeln hält, rufen Sie sofort an. Neben dem Logo des Unternehmens sind an den Lkw Buchstaben zur Kennzeichnung angebracht," sagte Bahn-Projektleiter Kielbassa. Die Bahn will demnächst Flugblätter mit allen Kontaktdaten verteilen.

Alb-Bahnhalt: Vorbereitet für einen raketenartigen Start

Bahnhalt Im Zuge der Infoveranstaltung zum Bau der Schnelbahntrasse und der A 8 kam auch das Thema Bahnhalt bei Merklingen zur Sprache. Bahn-Projektleiter Stefan Kielbassa äußerte sich erst zurückhaltend: "Die Welt ist für mich als Bauprojektleiter ganz einfach gestrickt: Ich baue und plane das, was ich im Auftrag habe. Es liegt eine Bestellung für eine Neubaustrecke vor und da gibt es keinen Halt in Merklingen." Wenn dieser gebaut werden sollte, müssten sich die Entscheider klar dazu äußern und entsprechende Gelder bereit stellen, "denn unsere Baustelle Neubaustrecke hält nicht an."

Später wurde Kielbassa etwas deutlicher: "Wir planen gar nicht. Ich nehme zwar an den Besprechungen teil, damit wir im gegebenen Fall einen raketenartigen Start hinlegen können, aber zunächst muss die politische Ebene beschließen." Auch wenn der politischer Wille vorhanden sei, müsse es ein Planfeststellungsverfahren geben und die Finanzierung müsse gesichert sein. Es müssten keine großen Umplanungen erfolgen, auch technisch sei der Halt auf der Alb kein Problem, sagte Stefan Kielbassa. Ende 2017 müsse aber klar sein, ob mit dem Bau des Bahnhalts begonnen werden kann.