Landwirtschaft Bio: Bauern beweisen Anpassungsfähigkeit

Alb-Donau-Kreis / Von Barbara Hinzpeter und Joachim Lenk 11.07.2018
Am „Tag der Landwirtschaft“ besichtigen Landrat Heiner Scheffold und Kreisräte vier Höfe: Wie gehen diese mit Herausforderungen in der Landwirtschaft um?

Wie bewältigen die Bauern den Strukturwandel in der Landwirtschaft? Antworten haben Landrat Heiner Scheffold und die Kreisräte am „Tag der Landwirtschaft“ auf vier Höfen im Alb-Donau-Kreis gefunden. Scheffold zeigte sich beeindruckt vom Unternehmergeist der Bauern. Für den Landrat ist aber auch klar: Verbraucher müssen bereit sein, für bessere Qualität höhere Preise zu bezahlen, und die wiederum müssten bei den Erzeugern ankommen. „Wir müssen das Bewusstsein für die Landwirtschaft, von der wir leben, in der Bevölkerung stärken.“

Ferkel

„Ende 2014 brach der Ferkelmarkt ein und mit ihm die Moral“, sagt Alexander Häckel. Der Landwirt aus Langenau-Oster­stetten hatte damals frisch gebaut, brachte aber seine Tiere nicht mehr an den Mann. „Etwas zu produzieren, was keiner will, ist nicht schön.“ Die Suche von Edeka nach „Bio-Schweinen in großem Stil“ war die Rettung. Häckel stellte auf Bio um und schloss mit dem Handelsriesen einen Zehn-Jahres-Vertrag über die Abnahme des Fleisches. Den Bestand an Muttersauen reduzierte er von 250 auf 180. Zum Glück hatte er schon großzügige Laufställe gebaut – ressourcenschonend, betont der 42-Jährige. Jetzt habe jede Sau 7,5 Quadratmeter Auslauf, Zugang zu überdachtem und nicht überdachtem Freigelände und einen eingestreuten Liegeplatz. Das Futter erzeugt Häckel selbst: „Wir haben ein relativ geschlossenes System.“

Noch ist der Anteil von Bio-Schweinen gering, beträgt nur etwa ein Prozent, sagt Dr. Claus-Ulrich
Honold, im Landratsamt Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft. „Aber er wird wachsen mit der Nachfrage“, ist Häckel überzeugt. Der Bio-Landwirt rechnet mit etwa 18 Ferkeln pro Sau und Jahr, während ein Mutterschwein auf einem konventionellen Hof bis zu 30 Ferkel bringe.

Legehennen

Nach dem Verfall der Schweinepreise hat Johanna Buntz ihren Eltern zum radikalen Schnitt geraten. Anstelle von Schweinen hält die Familie auf ihrem Hof in Lonsee-Halzhausen jetzt Bio-Hühner. Sie habe sich gedacht, als Frau komme sie besser mit Hühnern zurecht, sagt die Jungbäuerin mit Hochschul-Abschluss im ökologischen Landbau. „Es war ein langer Diskussionsprozess“, räumt Johanna Buntz ein. 2016 stellte die Familie den Ackerbau auf ihren 110 Hektar auf Bio um, Anfang dieses Jahres bezogen die ersten 6000 Hühner die Ställe. 2019 soll noch einmal die gleiche Anzahl an Legehennen hinzukommen. „Ich brauche den Mist“, sagt Johanna Buntz, „um die Felder zu düngen“. Das Futter der Hennen besteht zu 70 Prozent aus eigenen Pflanzen wie Luzerne, Gerste, Mais, Weizen, Hafer, Erbsen und Ackerbohnen. „Das Spritzen“ vermisse er nicht, sagt Vater Konrad Buntz: „Im Gegenteil.“ 5600 bis 5800 Eier liefert der Familienbetrieb täglich an einen festen Abnehmer, der sie noch einmal sortiert und verpackt. Mutter Antonia Buntz schließt nicht aus, dass sie eines Tages direkt vermarkten. Ihr ist es ein Anliegen, auch die mit Biofutter genährten Hühner, die nach 13 Monaten Legezeit „ausgedient“ haben, gut zu verwerten. „Kaufen Sie Suppenhühner“, wirbt Johanna Buntz daher bei ihren Besuchern.

Schafe

Johannes und Regina Allgaier halten in ihrem Betrieb in Heroldstatt-Ennabeuren etwa 600 Mutterschafe und einige hundert Lämmer. Für die Wolle bekomme man nicht mehr viel Geld, gefragt sei heute das Lammfleisch, das „einen guten Preis“ erziele, sagt Johannes Allgaier. Ein Drittel vermarktet die Familie selbst, zwei Drittel kauft ein Großhändler. Allgaier macht keinen Hehl daraus, dass er ohne die Landschaftspflege nicht existieren könnte. Sein Hof grenzt an den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen, auf dem die Schafe eine Fläche von 250 Hektar abweiden. Die Kernzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb sei für ihn und elf weitere Schäfer in der Umgebung daher „ein Segen“. Für die Allgaiers sogar in doppelter Hinsicht. Die Chefin hat neben dem Stall einen Imbiss eröffnet. Von Mai bis Oktober stärken sich viele Wanderer in „Reginas Futterkiste“ mit Lammburger, Kuchen und Bauernhofeis. Manchmal wird auch Lammbraten serviert. Den lassen sich am „Tag der Landwirtschaft“ auch die Besucher aus dem Landratsamt und die Vertreter des Bauernverbands schmecken.

Milchkühe

Der Tannhof von Gerhard Enderle und seinem Sohn Thomas in Laichingen-Feld­stetten, ist nach den Worten von Bürgermeister Klaus Kaufmann „der größte Hof auf der Laichinger Alb“. Eindrucksvoll schildern die Enderles, wie sie den Strukturwandel in der Landwirtschaft mitgegangen sind. Anfang der 1970er Jahre begann der Betrieb der Eltern mit 50 Milchkühen und 50 Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Heute sind es doppelt so viele Tiere. Die zu bewirtschaftende Fläche ist mehr als vier Mal so groß. Die Familie, auf deren Hof vier Generationen leben, baut in erster Linie Mais, Weizen, Wintergerste, Braugerste und Ackerfutter wie Kleegras an. Im Jahr 2010 wurde eine Biogasanlage gebaut. Jeweils ein Drittel ihres Einkommens erwirtschaften die Enderles mit der Biogasanlage, der Milchviehhaltung und dem Marktfruchtanbau.

Die Bürokratie werde immer mehr zu einer Belastung, sagt Gerhard Enderle. „Heute muss ein Bauer Banker, Tierarzt, Steuerberater, Einkäufer, Disponent und Personaler sein.“ Auch sei die Akzeptanz der Landwirtschaft in Teilen der Bevölkerung nicht mehr so gut. In diesem Zusammenhang bittet er den Landrat, „der sich vorbildlich für die Landwirtschaft einsetzt“, bei Neueinstellungen für den Fachdienst darauf zu achten, dass das Personal „ebenfalls mit der Landwirtschaft vererdet ist“.

Wenig Bio-Höfe im Alb-Donau-Kreis

Von der landwirtschaftlichen Fläche im Alb-Donau-Kreis werden nur 6,2 Prozent nach Bio-Richtlinien bewirtschaftet.

Statistik

Der Alb-Donau-Kreis umfasst eine Fläche von 135 855 Hektar. Davon werden 77 345 Hektar oder 56,9 Prozent landwirtschaftlich genutzt. 41 Prozent der Landwirte führen einen Voll­erwerbsbetrieb. Im Landkreis werden 5 Prozent der Milchkühe, 13 Prozent der Schweine, 11 Prozent der Zuchtsauen, 5 Prozent der Schafe und 16 Prozent der Hühner in Baden-Württemberg gehalten. Wichtige Kulturen in der Region sind Getreide, Mais und Ölfrüchte, in geringem Umfang Kartoffeln, Zuckerrüben, Kleegras, Ackerbohnen und Erbsen. Der Obstanbau spielt im Alb-Donau-Kreis kaum eine Rolle.

Größe

Die Zahl der landwirtschaft­lichen Betriebe nimmt pro Jahr um zwei bis drei Prozent ab. Dadurch steigen die Betriebsgrößen der verbleibenden Höfe. Die Durchschnittsgröße beträgt inzwischen 43 Hektar, das sind 8 Hektar mehr als im Landesdurchschnitt. Der Anteil der Bio-Bauernhöfe liegt mit 6,2 Prozent dagegen unter dem baden-württembergischen Durchschnitt (8,5 Prozent). 4425 Hektar werden ökologisch bewirtschaftet, das sind 5,7 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Alb-Donau-Kreis.

Vergleich

In Baden-Württemberg werden 45,3 Prozent der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt. Das Ulmer Stadtgebiet – 45,2 Prozent von 11 868 Hektar– entspricht damit ziemlich genau dem Landesdurchschnitt. (Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2016.)

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel