Naturschutz Ulmer Schmierstoffhersteller hat Blumenwiese angelegt

Illerrieden / Von Beate Reuter-Manz 12.07.2018

Sonnenblumen, Klatschmohn, Buchweizen, Ringelblumen, Koreander, Fenchel, Kornblumen, Dill und andere Sommerblüher: Dieser reich gedeckte Tisch lockt seit einigen Wochen Insekten zuhauf nach Illerrieden. Die Leckereien gedeihen auf  zwei Wiesen, insgesamt fünf Fußballfelder groß. Das Schlaraffenland für Bienen, Schmetterlinge, Käfer und Co geht auf eine Initiative der Ulmer Firma Hermann Bantleon zurück. Die hat sich im 100. Jahr ihres Bestehens mit einem Imker und einem Landwirt zusammengetan mit dem Ziel, ein nachhaltiges Umweltprojekt zu starten. Mit dem Portfolio des Ulmer Schmierstoffherstellers hat das freilich so gar nichts zu tun.

Es summt, surrt und brummt, als sich Rainer Janz und Georg Biberacher einen geeigneten Platz für ein Foto in der hüfthohen Blumenwiese suchen. Gelegen an der L260  hebt sich diese deutlich ab von den Mais- und Getreidefeldern. Nicht nur, weil es in allen Farben blüht, sondern auch, weil es betörend duftet. „Wir wollten ein nachhaltiges Projekt“, erzählt Janz, der bei Bantleon das Produkt- und Qualitätsmanagement leitet. Bereits vergangenes Jahr gab die Geschäftsführung das Okay für zwei firmeneigene Bienenvölker. Die werden auf dem Gelände des in Illerrieden ansässigen Ulmer Golfclubs gehalten und professionell gepflegt:  Honig  wird nur einmal im Jahr geerntet. Und auch nur so viel, dass den Bienen selbst genug zum Überwintern bleibt. Einige Honiggläschen gibt es am Ende doch. Die bekommen Geschäftspartner und Mitarbeiter als kleine „Givaways“, berichtet Janz.

Georg Biberacher, Imker aus Leidenschaft,  betreut seit 27 Jahren 17 eigene Bienenvölker. Der Rentner aus Illerrieden gab die Initialzündung für die Vertiefung des Projekts. Denn der 68-Jährige sorgt sich um die Nahrung für Insekten. „Das Angebot ist alles andere als üppig.“ Die industrielle Landwirtschaft mit ihrer Monokultur lasse Blumenwiesen zunehmend verschwinden.

„Nur“ Bienenvölker zu halten, schien dem Unternehmen vor diesem Hintergrund und im Sinne von Albert Einsteins Nachhaltigkeitsgedanken deshalb zu wenig. Der Ulmer Physiker soll einmal gesagt haben, der Mensch lebe genau noch vier Jahre, nachdem die letzte Biene verschwunden ist. „Das wurde mittlerweile zwar auf zwölf Jahre verifiziert. Immerhin“, sagt Janz. Aber: Wer den Erhalt von Bienen sichern wolle, müsse aktiv gegensteuern.

Hier kommt nun Thomas Gaissmayer als Dritter im Bunde ins Spiel. Der Landwirt stellte Bantleon fünf Hektar seiner Ackerflächen zur Verfügung. Gaissmayer spricht von einer Win-Win-Situation. Obschon er die Flächen unbewirtschaftet lässt, gerät er finanziell nicht ins Hintertreffen. Zum einen gibt es für Blühwiesen Zuschüsse aus einem EU-Topf, zum anderen schießt Bantleon zu. Außerdem fallen keine Kosten für Dünge- und Spritzmittel an  und er brauche  das Risiko wegen Unwetter oder Wildverbiss nicht zu fürchten. „Bantelon bezahlt die Saatgutmischung, ich stelle Maschinen zur Verfügung und bereite den Boden für die jährliche Aussaat vor“, sagt Gaissmayer, der ebenfalls eigene Bienenvölker hält. Imker Biberacher ist zudem angetan von der Vielfalt der Aussaat. „Die Versorgung der Insekten ist bis in den  Oktober hinein sichergestellt“, freut er sich.

 Das Trio hat ordentlich Resonanz von Spaziergängern und Joggern auf die blühenden Felder bekommen. Wunderschön sei der Anblick. Dazu noch lehrreich: Denn über den Deutschen Imkerbund wurden sieben Informationstafeln organisiert, die entlang der beiden Flurstücke Interessantes über die Nutztiere erläutern.

Das Bantleon-Projekt soll keine Eintagsfliege bleiben. Es läuft drei Jahre. Mindestens. Janz erhofft sich eine Signalwirkung: „Die Politik alleine wird es nicht richten. Deshalb hat auch die Wirtschaft eine Verantwortung. Alle müssen für eine intakte Umwelt an einem Strang ziehen.“

19 Imker in Illerrieden halten 36 Bienenvölker

Das Unternehmen Die Herrmann Bantleon GmbH ist ein mittelständischer Mineralölbetrieb in Ulm. Er produziert Hochleistungsschmierstoffe für die Metallbearbeitung, die Medizintechnik, für Autos und Baumaschinen und für die Holz- und Forstwirtschaft. Seit Mai 2018 ist Bantleon Mitglied im Unternehmensnetzwerk für nachhaltiges Wirtschaften. „Nachhaltiges Denken und Handeln sind klare Unternehmensleitlinien“, sagt Geschäftsführer Heribert Großmann. Bantleon beschäftigt 230 Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von 130 Millionen Euro. In diesem Jahr feiert der Betrieb das 100-jährige Bestehen.

Die Imker Gleich 19 Imker gibt es in der kleinen 3000 Einwohner-Gemeinde Illerrieden. Sie kümmern sich um 36 Völker. „Wir haben hier nicht zu wenig Bienen. Wir haben zu wenig Nahrungsfläche“, sagt Imker Georg Biberacher.

Das Bienensterben Nach einem drastischen Rückgang  in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende steigt die Anzahl der Bienenvölker seit 2013 wieder. Aktuell sind in Deutschland 792 000 Bienenvölker registriert. 1991 waren es noch mehr als eine Million, vor fünf Jahren hingegen nur noch 622 000  Bienenvölker. Ein Grund ist das weltweite Bienensterben.

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