Mit neuen Zügen will Go-Ahead an den Start gehen. Zum Fahrplanwechsel am 9. Juni übernimmt die deutsche Tochter des britischen Verkehrsunternehmens unter anderem den Betrieb der Nahverkehrsverbindungen auf der Filstalbahn Stuttgart–Ulm. Go-Ahead werde neue Fahrzeuge des schweizerischen Herstellers Stadler einsetzen, versichert Pressesprecher Erik Bethkenhagen. Bedient werden die Züge unter anderem von Lokführern, die schon reichlich Erfahrung auf der Strecke gesammelt haben. Ihr Arbeitgeber, die DB Regio, stellt sie als Subunternehmer dem Mitbewerber zur Verfügung.

30 DB-Lokführer fahren für Go-Ahead

„Bundesweit fehlen 2000 Lokführer“, sagt Go-Ahead-Sprecher Bethkenhagen. Um diesem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern etwas abzuhelfen, haben die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio und Go-Ahead kürzlich einen Kooperationsvertrag geschlossen. Demnach fahren etwa 30 DB-Lokführer künftig für Go-Ahead.

Im Gegenzug steigen Go-Ahead-Mitarbeiter bei DB Regio ein. Aktuell werden Kundenbetreuer von Go-Ahead auf Zügen der DB Regio auf Strecken im Raum Ulm und Tübingen eingesetzt, teilt ein Bahnsprecher mit. Darüber hinaus erfolge „eine bedarfsgerechte Kooperation im Sinne der Fahrgäste – die Partner Go-Ahead und DB Regio sind hierzu in enger Abstimmung“.

Der Personalmangel lässt die Konkurrenten also zu Partnern werden. Zumindest vorübergehend – die Vereinbarung gilt für drei Jahre. Darüber hinaus kooperiert DB Regio bereits seit Jahren im Raum Heilbronn mit der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG). Die Bahn-Tochter ist dem Sprecher zufolge offen für weitere Kooperationen und hat das anderen Betreibern bereits angeboten. Spruchreif sei aber noch nichts.

Kooperation auch bei Fahrzeugen

Eine Herausforderung für alle Betreiber besteht auch darin, immer genug Fahrzeuge zur Verfügung zu haben. Das zeigt sich aktuell bei der DB Regio, die außer­planmäßig viele Triebwagen des Typs VT 650 in ihre Werkstätten bringen musste. Selbst bei Neufahrzeugen fehlt manchmal der Nachschub. So hat der Hersteller Bombardier offenbar Probleme, ausreichend Regionalzüge rechtzeitig auszuliefern. Die will der Betreiber Abellio im Regionalverkehr zwischen Stuttgart und Mannheim einsetzen.

Auch bei den Fahrzeugen sind deshalb „bedarfsgerechte Kooperationen“ geplant, teilt der Bahn-Sprecher mit. Betreiber­firmen und das Landes-Verkehrsministerium stünden deshalb „in einem engen Austausch“. Ziel sei es, „den Fahrgästen auch in Engpass-Situationen eine angemessene Verkehrsleistung anzubieten“.

Um die vom Land geforderte Verkehrsleistung auf die Schiene zu bringen, baut Go-Ahead in Essingen bei Aalen eine Instandhaltungs-Werkstatt. Die soll rechtzeitig zur Betriebsübernahme auf der Filstalbahn fertig sein. Auch auf der Strecke Stuttgart-Aalen sollen dann Züge des DB-Konkurrenten und -Partners fahren.

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Ulm/Neu-Ulm. 

Spezieller Kurs für Geflüchtete


Qualifizierung Flüchtlinge sollen zu Lokführern ausgebildet werden. Mit diesem Ziel haben die Verkehrsunternehmen Go-Ahead, AVG (Karlsruhe) und MEV (Mannheim) zusammen mit dem Landes-Verkehrsministerium und der Agentur für Arbeit einen Runden Tisch gebildet. Dem Ministerium zufolge sollen „bis zu 45 neue Triebfahrzeugführer“ gewonnen werden. Als erster Schritt werden vom 1. Oktober an 15 Zuwanderer qualifiziert. Begleitend zur fachlichen Ausbildung steht ein Kurs in Bahn-Deutsch auf dem Programm, um das Fachvokabular auch zu verstehen. Die Qualifizierung dauert zwei Jahre.