Ermittlung Skelett in Lonsee: Baggerfahrer macht grausigen Fund im Kalksilo 

Die Steinbrechanlage im ehemaligen Steinbruch in Lonsee wird abgerissen. Gestern Morgen entdeckte ein Arbeiter auf seiner Baggerschaufel Knochen und einen Stiefel im Kalk. Er alarmierte die Polizei, das Gelände wurde abgesperrt, Spuren wurden gesichert
Die Steinbrechanlage im ehemaligen Steinbruch in Lonsee wird abgerissen. Gestern Morgen entdeckte ein Arbeiter auf seiner Baggerschaufel Knochen und einen Stiefel im Kalk. Er alarmierte die Polizei, das Gelände wurde abgesperrt, Spuren wurden gesichert © Foto: Ralf Zwiebler
Lonsee / Petra Laible 02.08.2018
Als der Arbeiter im ehemaligen Steinbruch von Lonsee auf die Baggerschaufel blickte, ragten Knochen und Stiefel heraus.

Als ein Arbeiter am Donnerstagmorgen dabei war, das alte Kalksilo im ehemaligen Steinbruch von Lonsee abzutragen und auf die volle Baggerschaufel blickte, ragten Knochen und Stiefel heraus. Kein Krimi, sondern das wahre Leben.

Der Baggerfahrer habe die Nerven bewahrt und sofort die Polizei alarmiert. So schildert der Lonseer Bürgermeister Jochen Ogger die Geschehnisse, die die Gemeinde in Aufregung versetzten. Polizei und Spurensicherung in weißen Overalls rückten an, die Arbeiten wurden eingestellt, das Gelände an der Talstraße wurde abgeriegelt.

Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass es sich bei dem Fund um menschliche Knochen handelt. Das Silo sei intensiv durchsucht worden, weitere Knochen wurden gefunden. Eine Ladung Bauschutt, die bereits auf dem Weg zum Illerkirchberger Recyclinghof war, sei noch rechtzeitig gestoppt worden, berichtet der Bürgermeister weiter.

Skelett wohl schon mehrere Jahre im Silo

Auch darin fanden die Ermittler Knochen. Mittlerweile wurde ein fast vollständiges menschliches Skelett gefunden. „Wir haben das Puzzle zusammengetragen“, sagt Stefan Adamski, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm. Ob ein Verbrechen oder ein Unfall geschehen ist, ist aber noch unklar. Fest stehe, dass das Skelett schon mehrere Jahre im Silo lag.  „Wir müssen nun Vermisstenfälle abklären“, sagt Adamski. Eine Analyse der Knochen könne zudem womöglich Aufschluss darüber geben, aus welcher Region der Mensch stammt.

Untersuchungen in der Gerichtsmedizin nötig

Näheres zu den menschlichen Überresten konnten die Ermittler am Donnerstagabend noch nicht sagen. Dazu sind weitere Untersuchungen in der Gerichtsmedizin erforderlich. Auch zur Todesursache ist den Behörden noch nichts bekannt. Das heißt aber nicht, dass ein Fall selbst nach vielen Jahren nicht aufgeklärt werden kann.

Adamski erinnert an den spektakulären Häuserhof-Fall, bei dem eine weibliche Leiche nach zwei Jahren  am Gerlenhofener See gefunden wurde und sich später herausstellte, dass die Frau getötet worden war (siehe Infokasten).

Früher viele Gastarbeiter im Steinbruch beschäftigt

Ein Abbruchunternehmen habe vor rund zwei Wochen damit begonnen, das Backsteinhaus in dem früheren Steinbruch abzureißen. Dieser sei seit den 70er-/80er-Jahren außer Betrieb, erinnert sich Ogger. Seither habe dort niemand mehr gearbeitet, nichts sei dort jemals gereinigt worden. In dem Steinbruch seien damals viele Gastarbeiter beschäftigt gewesen, die vor allem aus Süditalien und Südtirol kamen.

Die Abbruchfirma habe zunächst Backstein für Backstein und das Dach abgetragen, erzählt Ogger. Dann war am Donnerstag das Silo, das sich im Inneren befunden hatte,  an der Reihe – eine Steinbrechanlage, in der Steine zu Kalk gemahlen wurden.

Wer war der Mensch, der dort so lange lag? Diese Frage stellten sich viele in Lonsee, sagt der Bürgermeister. Ogger vermutet, dass es sich um einen der Gastarbeiter handeln könnte. „Im Ort wäre es ganz klar aufgefallen, wenn jemand nicht mehr auftaucht.“  Die Knochen seien ja im Kalk vergraben gewesen. „Das heißt, der Steinbruch muss noch eine Weile in Betrieb gewesen sein“, mutmaßt er.

Häuserhof-Fall bei Gerlenhofen

Vermisste

Fischer haben im Juli 2007 am Häuserhofsee bei Gerlenhofen (Neu-Ulm) einen Schädel und weitere menschliche Knochen gefunden. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft trieben einen hohen Aufwand, werteten jede Menge Spuren aus, schalteten Zeugenaufrufe. Nach zwei Jahren konnten die Ermittler ein Ergebnis präsentieren. Die Tote war eine 1952 in Ulm geborene Frau, die seit 2002 als vermisst galt. Todesursache: schwere innere Verletzungen.

Verurteilung

Ihr 47-jähriger Ehemann geriet in Verdacht. Der Kroate wurde festgenommen und wegen Mordes angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, seine Ehe nur zum Schein eingegangen zu sein, um das Aufenthaltsrecht zu erlangen. Zudem kassierte er jahrelang ihre Invalidenrente. Das Landgericht Ulm verurteilte ihn sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau wegen Mordes zu lebenslanger Haft. 2010 bestätigte der Bundesgerichtshof das Urteil.

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