Stadtentwicklung Bäume fallen vor Baubeschluss

Die Bäume am Leubeweg in Blaustein sind zum Teil bereits gefällt, die Terrassen angelegt. Weitere Bäume müssen folgen. Das ärgert einige Stadträte, aber auch Bürger. Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass Nachverdichtung nötig sei 
Die Bäume am Leubeweg in Blaustein sind zum Teil bereits gefällt, die Terrassen angelegt. Weitere Bäume müssen folgen. Das ärgert einige Stadträte, aber auch Bürger. Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass Nachverdichtung nötig sei  © Foto: Matthias Kessler
Blaustein / Von Thomas Vogel 06.06.2018
Weil viele Bäume weichen müssen, stößt ein Baugebiet am Leubeweg im Ehrenstein-Klingenstein-Ausschuss auf ein Kritik.

Auf einem am Leubeweg gelegenen Grundstück sind bereits Tatsachen geschaffen worden, obwohl in den politischen Gremien zu den dort vorgesehenen drei Doppelhäusern noch kein Einverständnis erteilt worden war. Die Bäume sind gerodet, das steil zur Ulmer Straße (B 28) abfallende Gelände ist bereits terrassiert.

„Hätte nicht passieren dürfen“, räumte Stadtbaumeisterin Sandra Pianezzola die Panne in der jüngsten Sitzung des Ehrenstein-Klingenstein-Ausschusses unumwunden ein, um dann gleich noch den Verlust des Grünzugs zu bedauern: „Schade drum.“  Auf Nachfrage sagte sie gestern, dass die Stadtverwaltung die Freigabe für die Baumfällungen erteilt habe, um die Planung der Baufirma nicht zu behindern, „Denn gefällt werden darf nur bis Ende Februar und dann erst wieder Ende November.“ Hätte die Verwaltung den Baubeschluss des Gemeinderats abgewartet, hätte das für die Firma, die noch im Sommer loslegen will, eine Verzögerung von mindestens einem halben Jahr bedeutet.

In der Ausschuss-Sitzung sagte Bürgermeister Thomas Kayser, das sei ein klassischer Konflikt zwischen Ökologie und Sozialem: der Schaffung von Wohnraum – „von bezahlbarem Wohnraum“, wie Kayser mehrfach betonte: Dem geplanten Baugebiet zwischen Leubeweg und Ulmer Straße sollen noch weitere Bäume weichen – andererseits soll die soziale Bindung des Wohnraums vertraglich fixiert werden. Nachverdichtung stoße selten auf Applaus, sagte Kayser. Aber bei einem anhaltenden Mangel an Wohnungen mit Mieten zwischen acht und zehn Euro, wie sie an der Ulmer Straße geschaffen werden sollen, drohten auf Dauer „soziale Konflikte“. Für ihn überwiegen daher die Argumente pro Neubebauung.

Anita Junginger (Grüne) und Elisabeth Couvigny-Erb (Bürgerbündnis) hingegen pochten auf den Erhalt des restlichen Baumbestandes und sprachen von einer „fatalen Fehlsteuerung in der Flächeninanspruchnahme“. Es gehe um „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, demonstrierte Lothar Ruhnke (CDU) eine andere Sicht auf die geplante Bebauung.

Wald oder nicht Wald? Auch diese Frage wurde unterschiedlich beantwortet. Für die Stadträtinnen Junginger und Couvigny-Erb ist der grüne Hang klar Bestandteil des Pfaffenhauwalds, für die Verwaltung dagegen handelt es sich lediglich um einen „Grünzug mit Baumbestand“. Die Stadtbaumeisterin erklärte: „Der Streifen ist zu schmal, um das Mikroklima eines Waldes ausbilden zu können.“ Und sie verwies auf kranke Eschen darin, die ohnehin zu fällen gewesen wären.

Den drei geplanten Doppelhäusern gab der Ausschuss mehrheitlich sein Plazet, ebenso wie der Gesamtplanung. Noch aber steht für die Baufenster im unteren Teil des Gebiets der Zuschlag an Bauträger aus. Gleich mehrere buhlen um die Grundstücke an der Ulmer Straße.

Die Verwaltung will wegen der Hanglage hohe Häuser zulassen: Sockelgeschoss plus vier Vollgeschosse. Albert Ludwig (FWG) verursacht die zu erwartende Mächtigkeit der Vorderfassaden Bauchgrimmen. Das sei eben „städtisches Bauen“, versuchte Kayser den Einwand zu entkräften. Wie Pianezzola ausführte werde versucht, den Eingriff in Topografie und Ökologie so gering wie möglich zu halten. In unbebauten Zwischenräumen werde eine „Feldheckenstruktur“ angelegt und die Hangsituation „so gut es geht“ beibehalten.

Gemeinderat muss über Vorhaben entscheiden

Pläne Flachdachhäuser mit vier Geschossen und einem Sockelgeschoss: Das sieht der Bebauungsplanentwurf der Stadt Blaustein im unteren Teil des Baugebiets „Nördlich Leubeweg/ Ulmer Straße“ im Stadtteil Klingenstein vor. Nach der Empfehlung des Ehrenstein-Klingenstein-Ausschusses muss im nächsten Schritt der Gemeinderat über das geplante Baugebiet beraten.

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