Monika und Manfred Hiller - 62 und 60 Jahre alt - haben ein großes Haus im Laichinger Wohn-Gewerbe-Mischgebiet im Osten der Stadt. Seit September halten sie sich fast nur in der Küche auf. "Alles andere pack' ich noch nicht, ist mir zu groß", sagt Monika Hiller. Überall ist Afrika eingezogen, in das Haus mit dem großen Kachelofen: Bilder mit Wasser tragenden Frauen, Skulpturen, Manfred Hiller schnitzt für den Laichinger Weihnachtsmarkt Kettenanhänger aus Ebenholz. Das ist innen extrem schwarz, außen hell. Fünf Jahre lang waren die Hillers die Hellen unter Schwarzen, als Gesandte der Organisation Christliche Fachkräfte International (CFI) in der 30 000-Einwohner-Stadt Luwero in Uganda. Ihre Arbeit unterstützte die Laichinger Kirchengemeinde St. Alban.

Nun ist das Paar zurück. Und hat eine Katze mitgebracht, die ebenfalls schwarz-weiß ist, einen Schatz an Erfahrungen und die Worte des dortigen Bischofs: "Sagt euren Leuten, dass wir keine Menschen mehr essen und in unseren Adern auch rotes Blut fließt." Monika Hiller: "Da weiß man gar nicht, was man sagen soll." Sie und ihr Mann wissen, dass das Schwarz-Weiß-Denken bei vielen Menschen der Nordhalbkugel existiert, wenn's um Afrika geht. Dass Bilder zementiert sind: Hier die entwickelten, Zivilisierten, dort die Unterentwickelten im "Entwicklungsland".

Die Eingewöhnung im herbstlichen Deutschland fällt nicht leicht. "Unser Körper ist hier, unser Geist noch dort. Mein Magen spielt verrückt", sagt Monika Hiller. Die großen Supermärkte hätten zu viel Auswahl, die meide sie noch. Spontanbesuche vermisst sie und Trubel auf der Straße. "Aber ich genieße hier die langen Spaziergänge." Sich überall sicher bewegen zu können.

Manfred Hiller erinnert sich noch gut an die Zeit, als seine Frau mit der Afrika-Idee um die Ecke kam. "Ich selber hätte mir sowas nicht zugetraut." Er, der Glaser, bei Fenster Kneer - wo er jetzt wieder arbeitet, sie, die Frisörin mit eigenem Salon, deren Idol Mutter Teresa war. Sie haben sich getraut, "auch wenn wir Handwerker und keine Studierten sind" - wie die Freiwilligen Ärzte oder Ingenieure ohne Grenzen. Er kündigte seinen Job, für das Haus fanden sie Zwischenmieter. Viele Bekannte waren entgeistert, dass sie ihre Sicherheit aufgaben, den Job und das "Heiligtum Haus". Das Paar ließ sich nicht beirren. Schnell lernte es noch Englisch - das hatte es in der Schule nicht.

In Uganda bekamen Hillers eine Haushälterin zur Seite. "Meine Sara", sagt Monika Hiller immer wieder. Mit deren Dolmetscher-Hilfe, Händen, Füßen und Englisch kamen sie durch. Manfred Hiller: "Die Afrikaner haben mir es leicht gemacht, sie waren da sehr großzügig." Und herzlich. Er sagt: "So strahlen können nur die Afrikaner. Wenn die den Mund aufmachen und in einem dunklen Gesicht leuchten nur weiße Zähne und zwei weiße Punkte - da geht für mich die Sonne auf." Die Hillers wunderten sich, dass die Ugander selbst manchmal mit ihrer Haut so hadern. "Je heller der Teint, desto besser. Das steckt so in denen drin", sagt Monika Hiller. Die Assoziation mit der Zeit, in der Afrikaner unter britischen Kolonialherren im eigenen Land als Sklaven arbeiteten, ist noch präsent. 1962 wurde Uganda unabhängig. Manfred Hiller schüttelt den Kopf und sagt: "Deutsche wollen dunkle Haut und liegen ins Solarium, Schwarzen wollen helle. Deutsche machen sich Dauerwellen, Afrikanerinnen glätten ihre Naturkrause."

Der Laichinger wunderte sich auch, wenn ältere Menschen mit ihm sprachen und an ihm vorbei schauten. "Bis ich verstanden habe, dass In-die-Augen-Schauen unhöflich ist." Wieder andersherum als in Deutschland. Unhöflich sei es auch, kritische Dinge offen anzusprechen oder nein zu sagen. Nicht immer war das so einfach, das sorgte schon mal für Probleme.

Das Ehepaar war ebenso geprägt von der eigenen Kultur, den eigenen Werten. Anfangs dachte sich Manfred Hiller: "Ich zeige denen jetzt, wie's Geschäft läuft, wie man Geld macht." Heute lächelt er über sich. Genauso, wie seine Frau, die sagt: "Und ich habe gedacht, ich zeige denen, wie man Obstkuchen macht. Mit Ananas, Mango, Bananen - statt Apfelkuchen." Sie gab Backkurse. Die waren zwar ein Erfolg, weniger dagegen ihre Bananenmuffins. Sie musste einsehen, dass die Menschen morgens, mittags, abends Bananen hatten. Das ganze Jahr über. Bitte nicht noch in Muffins. . . Manfred Hiller baute mit jungen Männern Backöfen aus Ziegeln. Damit konnte viel mehr auf einmal gebacken werden. Gleichzeitig gefielen dem Laichinger auch die traditionellen Sandöfen, die seit jeher benutzt wurden. Und auch weiterhin zu Hause üblich waren.

In den Backkursen - über 50 waren es in zwei Jahren - entstanden Kuchen und pompöse, bunte Torten. Ist es richtig, Menschen so etwas beizubringen, wenn es nicht typisch für ihre Kultur ist? Wird künstlich ein Bedarf erzeugt? Auch die Hillers haben darüber nachgedacht und sind zur Ansicht gekommen: Nein. Denn die Menschen dort, kauften sich bereits Kuchen und Torten für Hochzeiten und Konfirmationen im Supermarkt. Überteuert, wie Monika Hiller sagt. Und sie hat noch die Freude einer Backschülerin in den Ohren, die sagte: "Ich habe nicht in die Schule gehen können, nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen gelernt und jetzt bin ich Geschäftsfrau mit eigenem Shop." Für viele Frauen war der Backkurs ein zarter Schritt, sich von ihrem Mann zu emanzipieren. Viele knieten angeblich noch vor diesem, wenn sie ihm das Essen brachten. Einige Männer wollten nicht, dass ihre Frauen den Kurs absolvierten.

Doch Geld ist auch nötig, wenn es darum geht, die Schulkosten der Kinder zu bezahlen - oder einfach Medizin. Zehn Kinder zu haben sei völlig normal. Und bei Männern ein Zeichen von Potenz. Statussymbol. Da musste das Ehepaar Hiller oft herum lavieren, weil sie nur ein Kind haben. "Das hätten sie sonst nicht verstanden", sagt Monika Hiller. Gleichzeitig gibt es einige Familien, in denen ein Kind oder ein Elternteil krank ist, zum Beispiel Malaria oder Aids hat. Auch Alkoholismus ist verbreitet. Oft konnten Monika und Manfred Hiller schon mit wenig Geld helfen. Und dennoch: Die Deutschen sind noch immer beeindruckt: "Die Afrikaner können mit sehr viel Leid umgehen. Wenn man nichts zu essen hat, wird nicht gejammert. Morgen gibt's ja vielleicht wieder was", sagt Manfred Hiller.

Jetzt, wo Namutebi, der Fisch, aus dem Mamba-Clan alias Monika Hiller mit ihrem Juko, dem Sohn des Königs vom Löwen-Clan alias Manfred Hiller, wieder zurück in Laichingen ist, hat sie viele Kinder mehr, wie sie sagt. Einige sind Waisen oder Halbwaisen. Schweren Herzens haben ihr Mann und sie diese zurück gelassen. Damit ihre Kinder eine Zukunft haben, gründeten sie den Verein "Fredmon". Für zehn Euro im Monat kann man eine Schul-Patenschaft übernehmen oder anderweitig spenden.

Info

Morgen erzählen die Hillers von ihrer Zeit in Uganda, und zwar von 19.30 Uhr an im Alban Plus.