Lesung Autorin solidarisch mit Laichinger Frauen

Erfolgsautorin Petra Durst-Benning hat Einblick in ihre Arbeit gegeben.
Erfolgsautorin Petra Durst-Benning hat Einblick in ihre Arbeit gegeben. © Foto: Eva Menner
Laichingen / Eva Menner 04.10.2018

Wenn Erfolgsautorin Petra Durst-Benning aus ihren Büchern liest, strömt die Fangemeinde. Besonders wenn der Ort der Lesung Schauplatz des Romans ist. So kamen am Sonntag zur Matinee-Lesung in der Laichinger Stadtbücherei rund 80 Gäste. Vorwiegend weibliches Publikum hatte sich eingefunden. Durst-Benning ist Spezialistin für historische Romane mit mutigen, starken Protagonistinnen, wie auch in ihrem neuen, gerade erschienenen Roman „Die Fotografin“. „Mit diesem Roman erfülle ich mir einen Kindheitstraum“, sagte sie. Denn ihre Eltern hatten ein Antiquitätengeschäft in Kirchheim/Teck, wo sie mit alten Fotografien in Berührung gekommen sei.

Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Esslinger Pfarrerstochter Mimi Reventlow, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ein für eine Frau ungewöhnlich freies Leben führt. „Sie hat Abitur gemacht, dazu musste sie zur ihrer Tante nach Berlin, denn damals durften Frauen in Baden-Württemberg kein Abitur machen.“ Nach der Ausbildung zur Fotografin verdient Mimi in einem Fotoatelier ihr eigenes Geld. „Mein Roman beginnt dort wo andere enden, mit einem Heiratsantrag, dann wird es doch erst spannend, oder?“, meint Durst­-Benning und erntet verständnisvolles Schmunzeln.

An ihrem 26. Geburtstag im Februar 1905 macht Mimi der junge Vikar Heinrich einen Heiratsantrag und schildert ihr begeistert ihr zukünftiges Eheleben. Sie würden dann nach Schorndorf umziehen, das Häuschen dort sei zwar etwas heruntergekommen, sie werde es aber sicher in Schuss bringen, dafür könne sie die Wäsche im vorbeifließenden Bach waschen und gleich im wunderschönen Garten aufhängen, und, ach, um den alten Pfarrer müsse man sich natürlich auch kümmern. Man ahnt es: Dieses Eheleben ist nicht das, wovon Mimi träumt, und sie wird den Heiratsantrag nicht annehmen.

Später verschlägt es Mimi, weil ihr schwer erkrankter Onkel Hilfe braucht, auf die Alb, in die Leinenweberstadt Laichingen. „Wie immer für meine Romane hab’ ich viel recherchiert“, sagte die Autorin. „Nur hatte ich es diesmal einfacher, weil ich keine so langen Reisen machen musste und die Landschaft ja gut kenne.“ Laichinger Leinen sei früher ein Begriff auf der ganzen Welt gewesen. Auf den Feldern wogte im Sommer der blau blühende Lein, im Winter wurde dann im Keller der „Dunk“ gewoben.

Hohe Kindersterblichkeit

Gesund für die Menschen sei die Feuchtigkeit, die der Flachs braucht, nicht gewesen. Der Niedergang kam mit der Einführung des mechanischen Webstuhls, für den der Laichinger Flachs nicht geeignet war, und die Weber arbeiteten nun das ganze Jahr über in den kleinen Fabriken. Die Frauen mussten aufs Feld und am Abend Stickereien machen. Das Leben war hart und ärmlich, man hungerte oder aß morgens, mittags und abends den berüchtigten schwarzen Brei.

In einer Szene hält eine Frau, Eveline, einen toten Säugling im Arm –  es ist das vierte Kind, das ihr wegstirbt. „Laichingen hielt über lange Zeit einen traurigen Rekord bei der Säuglingssterblichkeit“, erklärt Durst-Benning. Als sie erzählt, dass Pädagogen und Pfarrer den Müttern die Schuld zuschieben wollten wegen zu frühen Abstillens, schlechter Ernährung oder mangelnder Wertschätzung des Lebens, gerät sie in Rage: „Die hatten doch keine Ahnung unter welchen Verhältnissen die Leute lebten, die Frauen konnten nicht anders.“

Dem Publikum hat sie mit ihrer lebendigen Lesung Appetit auf mehr gemacht, wie sich an der langen Schlange am Büchertisch und den Bücherstapeln, die sie signieren musste, zeigte. Die Fangemeinde muss nicht lange darben, denn schon im Frühjahr soll die Fortsetzung erscheinen. Die Geschichte ist auf fünf Bände angelegt.

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