Langenau Aus Verzweiflung Feuer im eigenen Haus gelegt

Das Amtsgericht Ulm hat einen Mann wegen versuchter Brandstiftung und dem Versuch, eine Gasexplosion herbeizuführen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
Das Amtsgericht Ulm hat einen Mann wegen versuchter Brandstiftung und dem Versuch, eine Gasexplosion herbeizuführen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. © Foto: Archiv
Langenau/Ulm / rei 06.11.2018
Weil er in mehreren Zimmern seines Hauses in Langenau Vorhänge und Kleidung angezündet hat, wurde ein Mann jetzt verurteilt.

Eine Tat, geboren aus purer Verzweiflung: An zehn Stellen in seinem eigenen Haus in Langenau hatte der Mann im Januar 2016 Feuer gelegt, Vorhänge und Kleidung angezündet. Er wollte sich umbringen in diesem Moment, sagte er vor Gericht, „zusammen mit dem Haus untergehen“.

Täter war hoch verschuldet

Wenige Tage zuvor, am Neujahrsmorgen, war seine Frau nach einem Streit aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen, zusammen mit dem Sohn. Der heute 37-Jährige dachte, er könnte die noch offenen Schulden für das Haus nicht alleine tragen, war zutiefst verzweifelt, trank – und legte schließlich die Brände: unter anderem im Schlafzimmer und im Wohnzimmer, aber auch im Technikraum des Hauses, indem er mit brennender Kleidung Feuer an eine Gasleitung legte. Der Mann überlebte, wenn auch knapp. Er erlitt eine schwere Rauchgasvergiftung, wurde mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzt.

Nun hat das Amtsgericht Ulm den Mann verurteilt: Wegen versuchter Brandstiftung und dem Versuch, eine Gasexplosion herbeizuführen verhängte es eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Den Vorsatz des Mannes, sein Haus in Brand zu setzen, sah das Gericht als erwiesen an, auch wenn die tatsächliche Zerstörung der Grundsubstanz nicht nachweisbar sei, hauptsächlich das Interieur war zerstört. Insgesamt war Sachschaden von 50.000 Euro entstanden.

Experte sieht verminderte Schuldfähigkeit

In der Urteilsbegründung machte das Schöffengericht viele mildernde Umstände geltend: Etwa hatte ein psychiatrische Sachverständiger den 37-Jährigen zum Tatzeitpunkt als vermindert schuldfähig erklärt, wegen psychischer Probleme und weil der Mann zum Tatzeitpunkt Alkohol getrunken hatte. Außerdem habe er die Tat gestanden, kümmere sich heute als Alleinerziehender um seinen Sohn und sei um Schadenswiedergutmachung bemüht: Die Kosten für die Reparaturen am Haus  trage er allein, ebenso die restlichen Schulden, die nach dem Verkauf des Hauses noch übrig seien. Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht tief bereuend. „Es tut mir Leid, was passiert ist“, sagte er.

Verteidigerin sieht keine Brandstiftung

Die Verteidigerin des Angeklagten hatte in ihrem Plädoyer in der Tat keine Brandstiftung und auch nicht die Intention, eine Gasexplosion im Haus zu verursachen gesehen, sondern eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung gefordert.

Die Staatsanwältin forderte dagegen eine Verurteilung wegen Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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