Bildung Aus für Gemeinschaftsschule in Blaustein

In den Sommerferien beginnt an der Realschule in Blaustein der Umbau zum Schulzentrum. Der Platz werde auch ohne Gemeinschaftsschule benötigt, so die Meinung der Stadträte.
In den Sommerferien beginnt an der Realschule in Blaustein der Umbau zum Schulzentrum. Der Platz werde auch ohne Gemeinschaftsschule benötigt, so die Meinung der Stadträte. © Foto: Volkmar Könneke
Blaustein / Helga Mäckle 18.07.2018
Der Blausteiner Gemeinderat beschließt wegen zu geringer Anmeldezahlen nach nur drei Jahren die Schließung.

Die Gemeinschaftsschule in Blaustein wird nach nur drei Jahren geschlossen. Das hat der Gemeinderat am Dienstag mit 16 Ja- und 5-Nein-Stimmen beschlossen.

Grund ist, dass zum neuen Schuljahr nicht die erforderlichen 16 Anmeldungen eingegangen sind, um eine neue fünfte Klasse einzurichten. Da die Aussichten für das Schuljahr 2019/20 ebenfalls schlecht sind, ausreichend Schüler zusammen zu bekommen, beschlossen die Stadträte bereits jetzt, die Reißleine zu ziehen. Das hätte sonst im kommenden Jahr das Staatliche Schulamt getan, denn nach deren Aussage bedarf es für den Weiterbestand des 2015 gegründeten Schulverbunds aus Real- und Gemeinschaftsschule auf jeden Fall eine zweizügige Gemeinschaftsschule. Davon ist die Blausteiner weit entfernt.

Sondersitzung Anfang Mai

Wie Anke Jaeger, Leiterin des Hauptamtes, am Dienstag berichtete, sind in mehreren nicht-öffentlichen Sitzungen des Verwaltungsausschusses sowie in einer Sondersitzung des Gemeinderats Anfang Mai, die verschiedenen Möglichkeiten für den Schulverbund durchgesprochen worden. Letztlich sei man zu dem Schluss gekommen, dass es besser sei, die Gemeinschaftsschule sofort aufzulösen und im Gegenzug die Realschule besser aufzustellen.

Der Bau des neuen Schulzentrums wird fortgesetzt. Die Realschule soll ab dem neuen Schuljahr ein offenes Ganztagsangebot bekommen. Das bedeutet, dass die Schüler – auf freiwilliger Basis – an vier Tagen auch nachmittags an der Schule betreut werden. „Die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung ist da“, sagte Margot Stützle, Leiterin des Schulverbunds. Je nachdem wie stark das Angebot nachgefragt werde, kann sie sich vorstellen, auch eine richtige Ganztagsklasse an der Realschule einzurichten mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht.

Ersatz für Fünfte

Da es nun keine fünfte Klasse an der Gemeinschaftsschule geben wird, werden Stützle und ihr Kollegium an der Realschule für die beiden fünften Klassen an zwei Tagen ein freiwilliges Angebot in Form eines „Lernateliers“ anbieten. Dort sollen schwächere Kinder mit Hausaufgabenbetreuung und Förderkursen nach dem Konzept der Gemeinschaftsschule unterstützt werden. Ziel ist, dass diese Kinder an der Realschule den Hauptschulabschluss ablegen.

Bedauern

„Ich bin jetzt seit zehn Jahren im Gemeinderat und habe in dieser Zeit mit der Hauptschule und der Werkrealschule bereits zwei Schulformen beerdigt“, sagte Kristina Nußbaumner (FW). Dass die Stadt nun auch die Gemeinschaftsschule schließen müsse, „wo die schwächeren Schüler gut aufgehoben sind“, finde sie schrecklich.

Ein kleiner Trost sei, dass die Realschule auch diese Kinder aufnehmen und entsprechend fördern will.  Das Konzept für die offene Ganztagsbetreuung an der Realschule sei „wichtig und richtig“, sagte Nußbaumer. Elisabeth Couvigny-Erb (Bürger Bündnis Blaustein) sieht im Scheitern der Gemeinschaftsschule ein Versagen der Politik, schließlich stehe nicht nur die Blausteiner auf der Kippe: „Bei jedem Regierungswechsel kommen neue Ideen, und die gehen letztlich immer zu Lasten der schwächeren Kinder.“

Eltern wollen Schulform nicht

Jürgen Dannwolf (SPD) bedauert die Schließung auch. „Aber eine Schule steht und fällt mit den Anmeldungen.“ Offenbar wollten die Eltern die Gemeinschaftsschule nicht für ihre Kinder. Die Schließung sei daher konsequent. Das sei extrem schade, denn die Gemeinschaftsschule sei „eine Chance für die Kinder, die auf der Strecke bleiben“, sagte Robert Jungwirth (Grüne).

Er wies auch darauf hin, dass auch die Anmeldungen für die Realschule in den vergangenen Jahren rückläufig waren, für die neue fünfte Klasse liegen 47 Anmeldungen vor: Es könne nicht nur an den Bauarbeiten liegen, dass Blausteiner Kinder nach Ulm oder Gerhausen in die Realschule gehen. „Nicht nur die neuen Gebäude sind wichtig, sondern wir müssen auch das pädagogische Profil besser herausarbeiten.“

Lothar Ruhnke (CDU) sagte es gehe in puncto Gemeinschaftsschule nicht um die Befindlichkeiten der Stadträte, sondern um die Schüler und Eltern. Und die hätten sich nun Mal gegen diese Schulform entschieden. „Und sie wollen, wie alle Eltern, das Beste für ihr Kind.“ Seine Fraktion sei für eine gute Realschule in Blaustein, dafür sei das Angebot der offenen Ganztagsbetreuung der richtige Schritt.

Einstimmiger Beschluss

Der Beschluss, diese ab kommenden Schuljahr einzuführen, fiel einstimmig.

Bau des neuen Schulzentrums Ehrenstein beginnt in den Sommerferien

Geburtenzahlen Geplant war der Umbau der Realschule zu einem Schulzentrum Ehrenstein mit Real- und Gemeinschaftsschule sowie der Ludwig-Uhland-Grundschule. Für geschätzte 8,8 Millionen Euro. Teil der Planung war, Platz für die im Jahr 2015 eingeführte Gemeinschaftsschule zu schaffen, zudem entsteht ein Neubau für eine Mensa und die Schulverwaltung. In nicht-öffentlicher Sitzung hat der Gemeinderat nach Angaben von Hauptamtsleiterin Anke Jeager beschlossen, den Umbau trotz der Schließung der Gemeinschaftsschule nicht zu stoppen. Derzeit wird die Baustelle eingerichtet, die Arbeiten beginnen in den Sommerferien. Grund für die Entscheidung sei gewesen, dass Verwaltung und Gemeinderat davon ausgehen, dass die Realschule künftig wieder drei Klassen pro Jahrgang haben werde, derzeit wie auch im neuen Schuljahr sind es nur zwei. Die Realschule benötige zudem für das neue, offene Ganztagsangebot zusätzlich Platz, gleiches gelte für die Ludwig-Uhland-Grundschule. Die Entscheidung, den Campus weiterzubauen, ist laut Jaeger angesichts der stetig steigenden Geburtenzahlen gerechtfertigt.

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