Führung Auf Spurensuche in Niederstotzingen

Joachim Schwarz berichtet an der alten Stadtmauer von der Niederstotzinger Geschichte.
Joachim Schwarz berichtet an der alten Stadtmauer von der Niederstotzinger Geschichte. © Foto: Patrick Fauß
Niederstotzingen / Patrick Fauß 26.06.2018

Eine der interessantesten Ortsgeschichten im Kreisgebiet“ habe die Stadt Niederstotzingen zu bieten, sagte Experte Joachim Schwarz. Rund 30 Interessierte waren zum geschichtlichen Termin erschienen. Schwarz führte über den historischen Stadtrundgang, den der Förderverein „Lebenswerte Stadt Niederstotzingen“ zum 650-jährigen Jubiläum der Stadterhebung vor zwei Jahren mit Info-Tafeln ausgeschildert hatte.

Erste Station war die ehemalige Römerkreuzung, an der heute eine Tankstelle steht. Schwarz verwies dort auf die lang zurückreichende Besiedlungsgeschichte. „Funde gibt es schon aus der Eiszeit“. Zum Beispiel das berühmte Wildpferd aus Elfenbein, das in der Vogelherdhöhle gefunden wurde. Weitere Ausgrabungen aus Kelten- und Römerzeit belegen eine durchgehende Besiedlung. Weshalb das Gebiet so reich an Funden ist, konnte Schwarz nicht sagen. Immerhin, eine Beschreibung für das Oberamt in Ulm, um das Jahr 1835 verfasst, weise Niederstotzingen als „eine der schönsten Herrschaften“ der Gegend aus.

Wie Schwarz auf dem Friedhof erläuterte, blicke die heute 4600 Einwohner zählende Kleinstadt – wie andere Städte auch – auf einige grausige Hinrichtungen zurück. Wie im 17. Jahrhundert, als ein Betteljunge eine Feuersbrunst ausgelöst haben soll. Zur Strafe wurde er bei lebendigem Leib verbrannt.

Die Gruppe zog weiter bis zum in Privatbesitz befindlichen Burgschloss. Dort war vor einigen Jahren das 40 000 Jahre alte geschnitzte Elfenbeinmammut aus der Vogelherdhöhle vorgestellt worden. Graf Karl Leopold vom Stain hatte das Schloss in klassizistischen Stil 1780 errichten lassen. Als der Burgherr 1809 kinderlos starb, ging das Anwesen in den Besitz seine Verwandtschaft, die Familie Maldeghem, der das Schloss heute noch immer gehört.

In der nur wenig Schritte entfernt gelegenen Kirche erläuterte Schwarz die bewegte Religionsgeschichte der Stadt.

In der zeit von 1565 bis 1806 war die Stadt, den unterschiedlichen Konfessionen der Brüder Heinrich und Bernhard vom Satin geschuldet, in einen katholischen und einen evangelischen Herrschaftsbereich geteilt.

Mit entsprechenden Folgen für das städtische Leben. So hatte das ehemalige Schulhaus gegenüber der Kirche einen Eingang für evangelische Schüler. Und einen weiteren für katholische.

St. Petrus und Paul war zwischen 1844 und 1848 an Stelle eines älteren Gotteshauses erbaut worden. Und wurde 1966 bis 1969 umfangreich modernisiert. Die Kirche war bis 1963 sowohl von Katholiken als auch von Protestanten genutzt worden. Heute ist es eine katholische Kirche.

An den Resten der alten Stadtmauer, mit deren Bau um das Jahr 1378 begonnen worden war, konnten die Teilnehmer den Umfang des ursprünglichen Stadtgebiets erahnen: Es maß 100 Schritte um den damaligen Marktplatz herum. Aus heutiger Sicht ist dies nicht viel. Dennoch es bot und bietet genügend Raum für unzählige Geschichten, die teilweise noch auf ihre Erforschung warten.

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