Konjunktur Wirtschaft konkret: Eine halbe Million Euro auf der Baustelle

Der Chef sitzt am liebsten im Bagger: Tiefbauunternehmer Hans Holzäpfel reißt Gebäude ab und hebt Baugruben aus – seit zehn Jahren geht es für seinen Betrieb nur aufwärts.
Der Chef sitzt am liebsten im Bagger: Tiefbauunternehmer Hans Holzäpfel reißt Gebäude ab und hebt Baugruben aus – seit zehn Jahren geht es für seinen Betrieb nur aufwärts. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Altheim/Alb / Regina Frank 07.12.2018
Wie ein schwäbisches Tiefbauunternehmen mit dem Auf und Ab in der Branche umgeht.

Sie müssen sehr viel Geld in die Hand nehmen, damit sie überhaupt anfangen können zu arbeiten: Auf einer Baustelle von Hans und Gabriele Holzäpfel, die auf der Schwäbischen Alb ein Tiefbauunternehmen am Laufen halten, steht schnell mal eine halbe Million Euro in Form von Kettenbaggern, Planierraupen und Lastwagen. Der Familienbetrieb gehört zum Bauhauptgewerbe, und das befindet sich in einer Hochkonjunkturphase.

Die Kammern sprechen in ihren Quartalsberichten von einer hohen Zufriedenheit der Unternehmen, von steigenden Umsätzen, vollen Auftragsbüchern und davon, dass die Betriebe optimistisch in die Zukunft blicken. Holzäpfels haben sich noch nie an einer solchen Umfrage beteiligt, aber sie lesen die Berichte. „Uns interessiert natürlich, wie der Markt sich entwickelt“, sagt Gabriele Holzäpfel.

Was leiten sie für sich, für ihr Unternehmen daraus ab? Welche betrieblichen Entscheidungen treffen sie, wenn die Konjunktur brummt  (um ein viel verwendetes Bild aufzugreifen)?  Die Tiefbauer aus Altheim/Alb investieren mehr und zeitiger als sonst in ihren Fuhrpark: Sie haben zwei neue Bagger gekauft, einen Ende 2017, einen Anfang 2018. Ungefähr 150 000 Euro kostet so eine Baumaschine. Es handelte sich um so genannte Ersatzinvestitionen – denn im Gegenzug wurden zwei andere Bagger ausgemustert. In schlechteren Zeiten wären Letztere wohl noch ein Jahr gefahren worden. Aber wenn so viel Arbeit ansteht wie im Moment, darf keine der Maschinen ausfallen. Sie müssen raus auf die Baustellen, Tag für Tag.

Ein Boom nach dem anderen

Hochkonjunktur bedeutet für das Tiefbauunternehmen obendrein: zusätzliche Anschaffungen. In 2017 und 2018 kamen auch zwei weitere Lkw auf den Hof. Und Holzäpfels stellten zwei zusätzliche Fahrer ein. Hintergrund dieser Entscheidungen ist, dass die Tiefbauer nun zwangsläufig auch Arbeiten übernehmen, die normalerweise andere erledigen. Zum Beispiel den Aushub auf die Deponie bringen. Und den Schotter heranschaffen. Das eine können die Deponien selber nicht mehr in diesem Ausmaß leisten, das andere die Schotterwerke nicht mehr.

Seit 2008 – also der damaligen allgemeinen Wirtschaftskrise – geht es für die Firma Holzäpfel „nur aufwärts“, sagt der Chef. Mal boomt der Bau von Biogasanlagen, mal der Stallbau oder die Güllegruben. Im Moment sind es die Wohnhäuser, die dem Tiefbauunternehmen die meisten Aufträge bringen. Schwankungen innerhalb der Branche weiß Hans Holzäpfel (58) zu nutzen: Er ist Landwirtschaftsmeister und Straßenbaumeister, verfügt, wie er sagt, über viel Erfahrung und breites Fachwissen. So kann er flexibel agieren.

Schlechte Konjunktur hat gute Seiten

Die üblichen Schwankungen während des Jahreslaufs, bedingt durch Jahreszeiten und Wetter, flachen ab. Winter fiel zuletzt aus. Nur eine Woche im Januar, bei tiefen Minusgraden, streikten die Maschinen, und die Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt.  Von Weihnachten bis Heilige Dreikönige war Betriebsruhe. Ansonsten wurde gearbeitet. Moderne Bagger haben gute Sitzheizungen.

Zeiten, in denen die allgemeine Konjunktur auf einem schlechten Niveau ist, haben fürs Handwerk mitunter ihre guten Seiten: Baut die Metallindustrie im großen Stil Arbeitsplätze ab, stehen also Fachkräfte auf der Straße, kommt auch ein vergleichsweise kleiner Arbeitgeber, der noch dazu einer nicht so beliebten Branche angehört, wie Holzäpfel, eher an Fachkräfte. Aber im Moment sei das schwierig, sagt der Unternehmer, wobei er ja noch Glück habe. Soll heißen: Die Hälfte seiner Leute sind langjährige Mitarbeiter, sie bilden so etwas wie einen Stamm. Holzäpfel beschäftigt zwei Baggerfahrer, fünf Lkw-Fahrer, vier Bauhelfer und zwei Büromitarbeiterinnen (eine davon ist seine Frau); darunter Arbeitskräfte aus dem eigenen Dorf genauso wie Bauarbeiter aus Polen.

Zehn Jahre geht es nun schon aufwärts für das Tiefbauunternehmen. Mittlerweile ist in Fachkreisen von einer Verlangsamung des Aufschwungs die Rede. Was, wenn sich die Geschäftslage verschlechtert? Holzäpfel ist relativ gelassen, verweist auf den Umstand, breit aufgestellt zu sein. Es werde sich irgendwo etwas auftun, eine neue Nische. Was dem Unternehmer bei seinem kapitalintensiven Geschäft außerdem Sicherheit gibt, ist seine Frau: „Wenn wir beide nicht so hinter dem Betrieb stehen würden, ginge es nicht.“

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Wirtschaftslexikon

Definition Ganz allgemein formuliert soll der Begriff Konjunktur Auskunft über die wirtschaftliche Lage, also den Auf- oder Abschwung eines Landes oder Bezirkes, geben. Dabei spielen vor allem die Schwankungen zwischen der Kundennachfrage und der Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung eine Rolle. (Quelle: HWK)

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