Unterricht Auf dem Weg zu mehr Zivilcourage

Bei der Stockkampfkunst geht es nicht nur um Selbstverteidigung, sondern auch um soziale Kompetenzen. Das haben Schüler in Laichingen einem sozialen Lern-Tag erfahren.
Bei der Stockkampfkunst geht es nicht nur um Selbstverteidigung, sondern auch um soziale Kompetenzen. Das haben Schüler in Laichingen einem sozialen Lern-Tag erfahren. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 08.06.2018

Soziale Kompetenzen wie Selbstbeherrschung, Zivilcourage und Respekt vor den Mitmenschen werden häufig vermisst. Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Aggressivität scheinen an der Tagesordnung. 290 Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums im Alter von 14 bis 16 Jahren haben sich am Dienstag unter dem Motto „Soziales Lernen, Me&You“ in Workshops und Vorträgen damit auseinander gesetzt.

Die Jugendlichen zeigten sich sehr motiviert, gehören Cybermobbing und Aggressionen für sie doch zum Alltag. „Mobbing in digitalen sozialen Gruppen oder direkte Konflikte finden auch an unserer Schule statt“, räumt Kathrin Melcher ein. Die Lehrerin hatte den Lern-Tag im Rahmen des neu zu erstellenden Sozial-Curriculums für die Schule initiiert – auf eine Vorgabe des neuen Bildungsplans hin – und im sechsköpfigen Team und mit den Schulsozialarbeitern organisiert. Der bisherige soziale Projekttag, an dem die Schüler Einrichtungen wie Pflegeheime und Kindergärten besuchten, wurde dieses Mal anders gestaltet. Elf Referenten holte sich die Schule ins Haus, zwei Lehrer hatten ebenso ein Angebot vorbereitet.

Die eigene Wut zu kontrollieren, Aggressionen gar nicht erst aufzubauen und so Eskalationen vorzubeugen: Das galt es, bei der philippinischen Stockkampfkunst zu erlernen. Die Workshopleiterin Pia André stellte schon nach den ersten Minuten einen guten Draht zu den Schülern her. Sie stand ihnen kameradschaftlich, aber dennoch als Respektsperson gegenüber. Beim Stockkampf gehe es längst nicht nur um Selbstverteidigung, sondern um zahlreiche Kompetenzen: Fehler, etwa wenn der Stock herunterfällt, seien nie peinlich, sondern sie tragen dazu bei, das Ziel zu erreichen, sagte Pia André und übertrug das auf die Schule: „Es geht um die Effizienz beim Lernen. Wenn ich Fehler zulasse und aus ihnen lerne, erreiche ich mein Ziel schneller.“

Es gehe darum, inne zu halten, bevor man handelt, sich die ganze Situation bewusst zu machen, und vor allem positiv zu denken. „Überlegt euch bitte: Welche Gedanken unterstützen mich, und welche behindern mich beim Erreichen meines Ziels? Ein ‚Ich konnte das noch nie’ hält mich in der Vergangenheit fest.“ Offen im Geist zu sein, das lasse einen wachsen, ergänzte die Trainerin.

Mit immer größerer Begeisterung schwangen die 19 Jungen und zwei Mädchen ihre Stöcke – und am Ende war es keinem mehr peinlich, wenn er laut auf den Boden krachte.

Ähnliche Erfahrungen machten die Teilnehmer bei der Theaterpädagogik. Da ging es um Zivilcourage. Aber auch das Thema Selbsterkenntnis als Weg zu Selbstbeherrschung und Zivilcourage stand auf dem Programm. Etwa im Kurs „Weil ich ein Mädchen bin“ und im Besinnungstag im Kloster. Eineinhalb Jahre dauerten die Vorbereitungen zu diesem Projekt. Das sei zwar nur „ein Anstupsen“, wie Karin Melcher sagte. Aber die in jedem Menschen angelegten Keime für soziale Kompetenz dürften so ins Blühen gekommen sein. Das Projekt kostete rund 3000 Euro und wurde von Bürgerstiftung und vom Häberlefonds sowie durch einen Unkostenbeitrag der Schüler finanziert.

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