Vielen, vor allem Älteren, ist die Geschichte von "Bärenklau" und seiner Sippe in Erinnerung: Wie der Steinzeitmensch im Lonetal Bären jagt, sein Revier gegen ein neues Volk verteidigt, Abenteuer erlebt. Geschrieben hat die Erzählung "Die Mammutjäger vom Lonetal" der Archäologe Gustav Riek. Der Professor aus Tübingen hat im Jahr 1931 an der Vogelherdhöhle bei Stetten ob Lontal die ersten Grabungen geleitet und damit den Grundstein gelegt für die Forschungen über die Urgeschichte, für die die Region heute berühmt ist.

"Die Mammutjäger vom Lonetal", das in den 1930er Jahren erstmals erschien und mit Zeichnungen von Willy Planck illustriert ist, war seit geraumer Zeit vergriffen. Daher kam die Idee auf, das Buch neu aufzulegen. Vorangetrieben wurde der Plan von Patricia Friderich, der Leiterin des Archäoparks Vogelherd. Die Stadt Niederstotzingen hat die Herausgeberschaft übernommen. Gestern wurde das neu gestaltete Buch im Archäopark der Öffentlichkeit vorgestellt.

"Das hier ist die moderne Interpretation des Buches", sagte der Niederstotzinger Bürgermeister Gerhard Kieninger. Denn das Buch beinhaltet nicht nur die fiktive Erzählung von "Bärenklau" und seiner Sippe, sondern auch wissenschaftliche Beiträge über die neueste Forschung auf dem Feld der Urgeschichte im Ach- und im Lonetal. Geschrieben wurden die Beiträge von Prof. Nicholas Conard von der Uni Tübingen und dessen Mitarbeiterin Ewa Dutkiewicz. Conard hat die Nachgrabungen am Vogelherd geleitet, bei denen im Jahr 2006 unter anderem das weltberühmte Elfenbein-Mammut entdeckt wurde. Ewa Dutkiewicz war damals dabei.

"80 Jahre Forschung sind seit Rieks Grabungen vergangen", sagte die Archäologin. Riek, der wegen seiner Nazi-Vergangenheit nicht unumstritten ist, habe seine Arbeit für damalige Verhältnisse "hervorragend" und den Vogelherd damit berühmt gemacht. Aber Verfahren wie etwa die Isotopenanalyse, mit deren Hilfe Rückschlüsse auf das Lebensumfeld der Menschen in der Steinzeit gezogen werden können, waren zu Rieks Zeiten ebenso unbekannt wie die Genanalyse. Dank dieser Technik haben Conard und sein Team viel über die Lebensumstände der damaligen Menschen erfahren: Was sie gegessen haben, welche Pflanzen es gab, wie die Landschaft aussah, von wo sie in die Region eingewandert sind und vieles mehr. Diese Informationen sind in 15 kurzen Kapiteln von Conard und Dutkiewicz eingearbeitet, die der Erzählung Rieks vorangestellt sind.

"Die Texte sollten nicht hochwissenschaftlich sein, aber dennoch Details und Hintergründe enthalten. Ich finde sie sehr gelungen", sagte Bürgermeister Kieninger. Er hofft im Übrigen, dass sich durch das Buch noch mehr Menschen für die Urgeschichte interessieren - und natürlich auch in den Archäopark kommen, um sich den Ort der Handlung genauer anzusehen.

Info "Die Mammutjäger vom Lonetal" (ISBN 978-3-87336-462-2) ist im Gerhard-Hess-Verlag, Bad Schussenried, erschienen. Es ist für 14,95 Euro erhältlich im Buchhandel und im Shop des Archäoparks Vogelherd.