„Mir macht besonders die politische Dimension des Datenklaus Angst“, sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz: „Das ist ein Versuch, uns als Politiker einzuschüchtern, uns Angst einzujagen und damit uns in unseren Entscheidungen zu beeinflussen.“ Von der Abgeordneten aus Senden tauchte – bereits im Dezember – die Handynummer bei den geleakten Daten auf. Insofern sei sie nicht so schlimm betroffen wie andere, deren private Chats oder Fotos im Internet einsehbar wurden. So wie die des Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck. Dieser kündigte am Montag als Folge des Datenklaus an, sämtliche Accounts zu löschen.

Frankfurt/Oder

Der Transparenz im politischen Geschäft schade das aber immens. „Denn wir sind ja eben deshalb auf Facebook und Twitter, um unsere Arbeit nachvollziehbar zu machen.“ Jeder, der mit ihr in Kontakt treten wolle, könne dies über unterschiedliche Kanäle einfach tun, auch ohne ihre persönliche Handynummer.

Regelmäßig Passwörter ändern

„Meine Handynummer, die private Festnetznummer sowie die öffentlich zugängliche Büronummer“ sind bei Manuel Hagel, baden-württembergischer CDU-Land­tagsabgeordneter und Generalsekretär, gehackt worden. Zum ersten Mal.  „Private Daten im Netz zu veröffentlichen, egal ob von Politikern, Prominenten oder von Privatpersonen, ist beileibe kein Kavaliersdelikt und auch kein Jugendstreich“, findet Hagel. „Unsere Daten haben höchsten Wert, und wer das missachtet, begeht eine Straftat – nicht mehr und nicht weniger.“  Schützen könne man sich als Abgeordneter eigentlich nur so wie als Privatperson: Regelmäßig Passwörter verändern, sich immer ausloggen und verdächtige E-Mails und Anhänge nicht öffnen. „Ansonsten verwende ich zudem noch einen eigenen Server für meine Daten“, sagt der Ehinger.

Youtube

Sensibel mit eigenen Daten umgehen

 Mobilfunknummer und private E-Mail-Adresse der Ulmer SPD-Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis sind ebenfalls veröffentlicht worden. „Das ist sehr, sehr ärgerlich für mich, aber nichts, das mich richtig irritiert“, ist ihre Reaktion darauf. Nun müsse sie eben die Passwörter ändern. Die Telefonnummer sei nicht geheim – „Ich gebe sie raus“ – und sie werde diese auch behalten. Derzeit gebe es keine Anzeichen dafür, dass massive Eingriffe in ihre persönlichen Daten erfolgt seien. Ihr sei von jeher klar, dass man mit Daten im Internet sensibel umgehen müsse und deshalb bestimmte Dinge nicht ins Netz stellt. Etwa Privates auf Facebook.  Dort landeten bei ihr nur politische Daten. Kämen ihr E-Mails verdächtig vor, öffne sie diese grundsätzlich nicht. „Mein Büro passt auch sehr genau auf.“ Mattheis fordert Konsequenzen: Das Bundesinnenministerium sollte sensibler reagieren.

Ebenfalls betroffen vom Datenklau war der Neu-Ulmer Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner (SPD). Seine Handynummer sowie eine Geschäftsnummer, die nicht mehr aktuell ist, wurden veröffentlicht. „Der Datenklau ist kriminell“, sagt Brunner. Jedoch dürfe man nicht den Fehler machen und in Panik verfallen – sondern müsse nun mit Ruhe ermitteln. Brunner ärgert sich jedoch, dass er aus den Medien erfuhr, dass auch seine Daten veröffentlicht wurden. „Ich hätte erwartet, dass uns die Behörden gleich informieren.“

Massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte

Seine Handynummer wird er nicht wechseln: Viele Bürger aus seinem Wahlkreis hätten die Nummer – diese Kontakte wolle er nicht verlieren. Trotz des Skandals fühlt Brunner sich sicher – auch, weil die Polizei verstärkt Streifen an seinem Haus vorbeischickt.

Tatsächlich wurde „nur“ eine alte Handynummer von ihr geleakt, berichtet die CSU-Stadt- und Kreisrätin Katrin Albsteiger aus Neu-Ulm. Diese nutze sie seit Jahren nicht mehr, insofern  sei es kein größeres persönliches Problem. Ganz generell zeige dieser Leak von privaten Informationen ehemaliger Kollegen eine große Bösartigkeit. Es sei niemandem um Transparenz des politischen Systems gegangen, sondern um einen massiven Eingriff in Persönlichkeitsrechte: grundlos.

Datenklau und Hackerangriff So schütze ich meine Daten

Ulm

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer, deren Handynummer veröffentlicht wurde, befand sich am Montag mit einer Delegation auf dem Flug nach Hongkong. Über ihr Berliner Büro ließ sie ausrichten: „Die zuständigen staatlichen Stellen haben nun die Aufgabe, die Verantwortlichen für diese Veröffentlichung ausfindig zu machen – so komplex das auch ist.“ Gebraucht würden kluge, lebensnahe Konzepte, um die Menschen davon zu überzeugen, selbst in ihrer Sache tätig zu werden. Der Staat könne diese absolute Datensicherheit eben in einer Welt, in der jeder mit jedem verbunden ist, nicht alleine garantieren.

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Hacker-Angriff Bereits vor Weihnachten sind nach und nach Daten wie Handynummern, Chat-Verläufe, Adressen, E-Mail-Konten und Personalausweise von Politikern, Prominenten  und Journalisten auf einem Twitter-Konto veröffentlicht worden, das inzwischen gesperrt wurde. Erfahren vom Datenklau haben die meisten der Betroffenen erst am vergangenen Freitagmorgen, teils aus den Medien. Opfer des Hacker-Angriffs sind nach Angaben von Fachleuten bundesweit offenbar über 900 Menschen geworden. Dazu gehören Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien – außer der AfD.