Veranstaltung Auch die Alb hat eine Venus

Knapp 200 Kartoffelsorten gibt es morgen im Nellinger Heimatmuseum zu bestaunen, darunter auch die Venus-Knolle.
Knapp 200 Kartoffelsorten gibt es morgen im Nellinger Heimatmuseum zu bestaunen, darunter auch die Venus-Knolle. © Foto: sgk
Nellingen / Sabine Graser-Kühnle 06.10.2018

Ein sensationeller  Fund bei Grabungsarbeiten im paradiesischen Garten Even auf der Schwäbischen Alb“ –  diese Nachricht erreichte das Team vom Nellinger Heimatmuseum wenige Tage vor dem diesjährigen Kartoffelfest, das am morgigen Sonntag stattfindet. Helma Haible ließ sich diese Sensation freilich nicht entgehen und aus den insgesamt knapp 200 alten und neuen Kartoffelsorten, die dieses Mal im Heimatmuseum ausgestellt sind, ragt eben diese „Alb-Venus“ ganz besonders hervor: Diese etwa 20 Zentimeter große Kartoffel ähnelt in erstaunlicher Weise der vor zehn Jahren im Hohlen Fels in Schelklingen gefundenen etwa 35 000 Jahre alten Venus, die wohl erste plastisch nachgestellte Menschenfigur in der Menschheitsgeschichte.

Die „Alb-Venus“ hat freilich ein zartes Alter von wenigen Tagen, denn erst da wurde sie in einem Nellinger Garten zu Tage befördert. Am morgigen Sonntag hat die Kartoffel mit ihren üppigen, menschlichen Rundungen ihren exponierten Platz in einer Glasvitrine, direkt im Flur, der sich dem Eingang zum Heimatmuseum anschließt. Dieser Alb-Venus stehen manche andere der ausgestellten Kartoffelsorten im einzigartigen Aussehen oder zumindest im Namen in nichts nach. Da gibt es beispielsweise die „Eichenhofer Gelbe“ zu entdecken, die aussieht wie weiße Kieselsteine. Mit exotischen Namen trumpfen die „Borolla Colorada“, eine kanadische Sorte von 1960 und die peruanische „Blaue Ajanhuiri“ oder „Mrs. Moerlens Purple Baker“ auf. Seit vielen Jahren fester Bestandteil der Ausstellung ist die ungarische  „Somogyi Kifli“ und ihr Debüt in der Kartoffelausstellung im Nellinger Heimatmuseum feiert heuer die deutsche Kartoffel „Pink Manuela in Love“. Etwa 170 der ausgestellten Sorten hat Helma Haible selber angebaut und geerntet, etwa 20 hat sie über Saatgutbörsen dazugekauft, rund 20 davon sind erstmals im Heimatmuseum ausgestellt.

Kein Kartoffelfest ohne den „Weg der Kartoffel“: Vom Kartoffelstecken bis hin zur Verarbeitung im Kochtopf oder der Pfanne zeigen die von Werner Staudenmayer aufgebauten Stationen, was alles für eine Kartoffelernte nötig ist.

Es sind vor allem die frühen Handwerkszeuge, bis hin zu ersten Maschinen, von Traktorkraft angetrieben, die den Bauersleuten einst ihre mühsame Tätigkeit erleichterten. Teilweise sind die Maschinen in Betrieb, zum Teil sind die Stationen mit Personal besetzt, die Antworten auf Fragen zu den Handwerkszeugen und Maschinen geben. Erstmals ist eine Sortiermaschine zu sehen, die um die 19. Jahrhundertwende große von kleinen Kartoffeln trennte.

Warum hat die Kartoffel überhaupt einmal ihren Siegeszug in Deutschland gehabt? Weil sie nahrhaft ist und als Speise zubereitet in vielfältiger Weise schmeckt. Die Geschmacksknospen testen können die Kartoffelfestbesucher in der Festhalle, dorthin führt nämlich der Weg der Kartoffel, der beim Heimatmuseum startet. Aus der Knolle entstehen unter fachkundigen Händen der Albvereinsmitglieder Suppe, Gulasch, Reibekuchen, Wedges und als Hingucker vor der Halle die „Kartoffel-to-go“, frittierte Kartoffelspiralen. Nicht fehlen darf der Klassiker unter den Kartoffelgerichten: die Pellkartoffel. Direkt aus dem Kartoffeldämpfer, am besten mit einem Dip oder einem Klecks Butter, gibt es die ebenfalls vor der Halle. Neu im Speisenangebot ist dieses Jahr der Kartoffelkuchen. Dafür sowie für die Suppe und das Gulasch wandern ausschließlich Kartoffeln aus der Region in den Topf.

Info Das Nellinger Kartoffelfest beginnt morgen um 11 Uhr.

Mit dem Alb-Bähnle und Oldtimerbus zum Fest

Das Alb-Bähnle der Ulmer Eisenbahnfreunde dampft am Sonntag ebenfalls wieder in Richtung Nellingen. Freilich endet die Fahrt von Amstetten in Oppingen, weil dort die Schmalspur endet. Dennoch gelangen Interessierte zum Nellinger Kartoffelfest, nämlich mit dem Oldtimer Setra Bus, der als Shuttle nach Nellingen fungiert. Zurück zum Oppinger Bahnhof werden die Gäste mit dem Nellinger Gemeindebus chauffiert. Fahrpläne hängen an der Halle und im Museum aus.

Die Kartoffelausstellung im Heimatmuseum samt der „Alb-Venus“ ist am Sonntag, 14. Oktober, von 17 bis 19 Uhr noch einmal geöffnet.

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