Man muss sich hüten, vorschnell über die Geschichte zu urteilen: Ein lesbisches Ehepaar aus Asselfingen hat sich um ein behindertes Pflegekind bemüht, eine Zusage bekommen – und dann am Tag, bevor der Säugling in sein neues Zuhause kam, eine Absage. Ohne Angabe von Gründen.

Man möchte dem beteiligten Jugendamt und der Stiftung, die behinderte Kinder an Pflegefamilien vermittelt, zugute halten, dass sie verantwortungsvoll handeln und vor allem das Kindeswohl im Auge haben. Aber im vorliegenden Fall bleiben Fragen offen.

Es gibt nicht viele Familien, die sich bewusst um ein behindertes Kind bemühen. Und das Asselfinger Pärchen weiß durch die berufliche Erfahrung einer der Frauen auch, was das im Alltag bedeutet. Man kann sich nicht vorstellen, dass es für das Kind besser sein soll, in einer Pflegeeinrichtung, in einem Heim aufzuwachsen.

Dass es sich um ein gleichgeschlechtliches Paar handelt, lässt ungute Spekulationen über die Ablehnung aufkommen. Aber warum in letzter Minute? Ohne offizielle Begründung?

Man kann dem kleinen Buben nur wünschen, dass er – vielleicht als Adoptivkind – ein gutes Zuhause, eine gute Familie findet. Und dem Asselfinger Pärchen möchte man unbedingt wünschen, nicht die Suche nach einem Pflegekind aufzugeben. Es ist eine Geschichte, die einen traurig macht.