Gesellschaft Armut in Schwaben begreifbar machen

Die Kunsthistorikerin Sabine Tischer präsentiert die Informationen auf Figuren aus Holz, die vier Kinderpaare darstellen.
Die Kunsthistorikerin Sabine Tischer präsentiert die Informationen auf Figuren aus Holz, die vier Kinderpaare darstellen. © Foto: Barbara Hinzpeter
Langenau / Barbara Hinzpeter 07.09.2018

Wenn man sich mit Kinderarbeit beschäftigt, kommt man automatisch auf die Landwirtschaft“, sagt Sabine Tischer von der Langenauer Fairtrade-Gruppe. Mehr als 70 Prozent der schätzungsweise 152 Millionen Kinder, die weltweit arbeiten müssen, arbeiten laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) in der Landwirtschaft – die meisten von ihnen in Afrika oder Asien. „Aber es ist gar nicht so lange her, dass es das auch hier bei uns gab“, betont die Langenauerin. Das zeigt die Wanderausstellung über die Schwabenkinder, die vom 16. September an im Langenauer Kulturbahnhof zu sehen ist. Bis  Mitte des 20. Jahrhunderts kamen Kinder aus den Alpenregionen als Saisonarbeiter nach Württemberg. Vor allem in Oberschwaben wurden sie auf „Hütekinder-Märkten“ an die Bauern vermittelt. Ein Zeitzeuge schrieb damals von „saisonaler Sklaverei“.

Sabine Tischer ergänzt die Wanderausstellung – unterstützt von Mitgliedern der Fairtrade-Gruppe – mit Exponaten über Kinderarbeit heute. Unter dem Titel „Armut-Schwaben-Kinder“ schlägt sie den Bogen sowohl von unserer Region in die armen Länder und Gegenden Afrikas und Asiens als auch von der Vergangenheit in die Gegenwart. Dazu hat die Langenauerin gut vier Monate recherchiert. Sehr berührt hat sie ein Film über Kindersklaven an der Elfenbeinküste: Ein Bauer, dessen eigene Kinder ebenfalls auf der Kakao-Plantage schuften, hat sich im Nachbarland einen Zehnjährigen gekauft, weil er sich erwachsene Arbeiter nicht leisten könne. Erschüttert habe sie die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Mann das gesagt habe. Das beweise, wie tief Kinderarbeit dort in der Kultur verankert sei.

Ein nicht unerheblicher Teil des Kakaos, der hierzulande in der Schokolade steckt, stammt aus dem westafrikanischen Land. Da beantwortet sich für Sabine Tischer die Frage, „was wir mit der Kinderarbeit in Afrika zu tun haben“, von selbst: „Eine ganze Menge, wenn wir die Produkte kaufen und konsumieren.“

Die Kunsthistorikerin präsentiert die Informationen auf Figuren aus Holz, die vier Kinderpaare darstellen. Das Material dafür habe ein Zimmermann aus ihrer Nachbarschaft zur Verfügung gestellt, Wagnermeister Jürgen Steck habe die Figuren ausgesägt. Diese Kooperationsbereitschaft vor Ort freut Sabine Tischer. Ebenso, dass Schüler der Gemeinschaftsschule und des Robert-Bosch-Gymnasiums, die beide als Fairtrade-Schulen zertifiziert sind, ihre Gedanken zur Ausstellung beigetragen haben. Und weil die trotz des düsteren Themas auch Spaß machen soll, werde die  Langenauer Eisdiele „Crema Gelato“ eigens für die Ausstellung ein „faires“ Schokoladen-Eis mit Kakao aus fairem Handel herstellen, kündigt Sabine Tischer an. Finanziert wird die Ausstellung von der Stadt Langenau. Außerdem hat sie schon im Vorfeld einen mit 1000 Euro dotierten Preis bekommen von der Organisation wecf (women engage for a common future), die sich für die Umsetzung der Agenda 2030 auf lokaler bis internationaler Ebene einsetzt. Ziel der Agenda 2030 der Vereinten Nationen ist mehr soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit weltweit.

Der Zeitpunkt der Ausstellung, die ebenfalls in Kürze in Ulm eröffnet wird, ist daher nicht zufällig gewählt, sondern eingebettet in die Präsentation der Ergebnisse des Poster-Wettbewerbs „Augen auf! Armut im Blick“. Dabei haben sich Gruppen in Ulm, Langenau und Umgebung mit dem ersten der 17 Nachhaltigkeits-Ziele der Agenda 2030 auseinandergesetzt. Es lautet:   „Keine Armut“.

Im Kulturbahnhof und in Schaufenstern

Eröffnung Die Ausstellung „Armut-Schwaben-Kinder“ wird am 16. September um 11 Uhr im Kulturbahnhof in Langenau eröffnet. Sie ist bis 7. Oktober samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Plakate des Poster-Wettbewerbs werden in diesem Zeitraum in Langenauer Schaufenstern gezeigt. Ein Rundgang dazu steht am Samstag, 22. September, von 15 bis 17 Uhr auf dem Programm. Treffpunkt ist am Bahnhof.

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