Blaustein Arbeiten für den Steinzeitpark Ehrenstein kommen voran

Der Förderverein Steinzeitdorf freut sich über den Baufortschritt beim Abbagern des Schlammbeckens. Teile sind auch nach Jahren noch feucht.
Der Förderverein Steinzeitdorf freut sich über den Baufortschritt beim Abbagern des Schlammbeckens. Teile sind auch nach Jahren noch feucht. © Foto: Joachim Striebel
Blaustein / JOACHIM STRIEBEL 04.02.2015
Die Arbeiten am Steinzeitdorf Ehrenstein kommen voran. Beim Abbaggern des Kalkschlamms nähern sich die Arbeiter einem 1952 aufgeschütteten Damm. Dort vermuten Archäologen Siedlungsreste.

Bürgermeister Thomas Kayser und Mitglieder des Fördervereins Steinzeitdorf Ehrenstein haben am Dienstag die Baustelle des Steinzeitparks Ehrenstein besichtigt. Wie der Landschaftsarchitekt und zweite Vorsitzende des Vereins Edmund Spengler berichtete, fahren seit Mitte vergangener Woche Lkws Kalkschlamm ab. Ungefähr 3000 Kubikmeter Material wurden bereits bewegt, noch rund 6000 Kubikmeter sollen folgen - das haben sich Stadt Blaustein und Förderverein für 2015 vorgenommen. Diese Menge ist nur ein Drittel des gesamten ehemaligen Kalk-Absetzbeckens, das dem Steinzeitpark weichen muss.

Gerd Bratrich vom Beirat des Fördervereins kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als das Schlammabsetzbecken des damaligen Steinbruchbetriebs Hilsenbeck in Betrieb war. Die Firma stellte Terrazzo her, etwa zur Verwendung als Bodenbelag. Die Kalksteine mussten dafür sauber sein, Staub wurde mit Wasser abgewaschen und landete in dem Schlammbecken. Früher hätten die Ehrensteiner ihre Kinder eindringlich davor gewarnt, ins "Puddingland" zu gehen, berichtete Bratrich. Wer die Schlammoberfläche betrat, drohte zu versinken.

Während sich eine gut zweieinhalb Meter starke Schicht im Laufe der Jahre stark verfestigt hat, stieß der Bagger jetzt weiter unten stellenweise tatsächlich noch auf "Pudding". Das nasse Material sei schwer, damit dürfe er die Vierachs-Lastwagen nicht voll beladen, berichtete der Baggerfahrer. Thomas Kayser freut sich, dass die Arbeiten nach langer Planungsphase jetzt begonnen haben. "Das motiviert den Förderverein."

Am Donnerstag will sich das Landesamt für Denkmalpflege ein Bild von den Arbeiten machen. Denn der Bagger nähert sich jenem Damm, der 1952 mit Aushubmaterial aufgeschüttet wurde - durch die Bauarbeiten damals war man überhaupt auf das Steinzeitdorf gestoßen. Denkmalamt und Landschaftsarchitekt wollen vor allem die Lage des Dammes markieren, um ihn nicht mit dem Bagger zu beschädigen.

Eine Grabung im Damm ist nicht vorgesehen. Dies wäre laut Dr. Helmut Schlichtherle von der Arbeitsstelle für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie in Hemmenhofen dann nötig, wenn der Damm beseitigt werden sollte, was nach dem Entwurf des Fördervereins derzeit nicht geplant ist. Im Sommer hatten die Archäologen in dem "aus einer Kulturschicht aufgehäuften Damm", wie Schlichtherle sagt, Bohrungen und Baggerschnitte gemacht und Reste des 6000 Jahre alten Steinzeitdorfs entdeckt.

Das Gelände des ehemaligen Schlammabsetzbeckens gehört laut Schlichtherle zur "Siedlungsperipherie", das Steinzeitdorf selbst befand sich südöstlich davon. Dort will das Landesdenkmalamt seine 2014 begonnene Grabung in diesem Jahr fortsetzen. "Es ist ein tolles Monument, das da im Boden liegt", sagt Schlichtherle. Die Siedlung sei mehrfach abgebrannt und wieder aufgebaut worden. "Da liegt alles übereinander in einem dicken Paket." Schlichtherle sieht ein "tolles Potenzial für künftige Forschungen". Es werde aber nicht großflächig gegraben. "Es bleibt bei kleinen Nadelstichen." Wie Schlichtherle am Dienstag sagte, will das Denkmalamt die Stadt Blaustein und den Förderverein bei der Verwirklichung des Steinzeitparks unterstützen. "Das gibt eine schöne Sache."

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