Verkehr Ausbau A 8: Arbeiten an einem Nadelöhr

Regierungspräsident Klaus Tappeser (Mitte) besichtigt die A 8-Baustelle bei Merklingen, begleitet von Rainer Hölz, stellvertretender Leiter der Abteilung Straßenwesen, Projektleiter Silvio Milke, Pressesprecher Dirk Abel und Ingenieurin Susanne Mayer (von links).
Regierungspräsident Klaus Tappeser (Mitte) besichtigt die A 8-Baustelle bei Merklingen, begleitet von Rainer Hölz, stellvertretender Leiter der Abteilung Straßenwesen, Projektleiter Silvio Milke, Pressesprecher Dirk Abel und Ingenieurin Susanne Mayer (von links). © Foto: Joachim Striebel
Merklingen/Ulm / Joachim Striebel 26.06.2018
„Wir hoffen, dass wir 2021 fertig sind“, sagte Regierungspräsident Tappeser beim Besuch der A8-Baustelle in Merklingen.

Nach heutigem Stand der Dinge kann der sechsstreifige Ausbau der Autobahn 8 zwischen Ulm und Hohenstadt im Jahr 2021 abgeschlossen werden. Das hat der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser am Montag bei einem Baustellenbesuch gesagt. Es sei „ein Vorhaben, das viele Bürger, nicht nur aus Baden-Württemberg, interessiert“. Denn die A 8 sei die „Ost-West-Achse schlechthin“. Wie Rainer Hölz, stellvertretender Leiter der Abteilung Straßenwesen und Verkehr im Regierungspräsidium Tübingen, berichtete, liegen die Arbeiten im Zeit- und Kostenplan. Das derzeit größte über öffentliche Haushalte finanzierte Straßenbauprojekt in Baden-Württemberg kostet einschließlich Grunderwerb rund 250 Millionen Euro. Die Baukosten belaufen sich auf 225 Millionen Euro. 160 Millionen Euro wurden bereits verbaut, insgesamt bestünden derzeit vertragliche Bindungen für eine Summe von 215 Millionen Euro, sagte Hölz. Bei den Ausschreibungsergebnissen habe das Regierungspräsidium angesichts der steigenden Baupreise noch Glück gehabt.

Die im Jahr 2012 begonnene Baustelle ist 23 Kilometer lang. Mit dem Abschluss des sechsstreifigen Ausbaus 2021 sind noch nicht alle Nadelöhre zwischen Stuttgart und München beseitigt. Für den Albaufstieg zwischen Mühlhausen und Hohenstadt wurde nach jahrelangem Stillstand jetzt wieder das Planfeststellungsverfahren aufgenommen. Im besten Fall kann der Verkehr 2026 auf dem neuen sechsspurigen Abschnitt rollen. Möglicherweise etwas früher fertig werden könnte der Ausbau zwischen Ulm und Elchingen. Tappeser rechnet mit einer Fertigstellung in fünf bis sechs Jahren. Genaues könne er nicht sagen, denn das Planfeststellungsverfahren werden von den Behörden in Bayern betrieben.

Am tiefsten Punkt begonnen

Die unter Regie des Regierungspräsidiums Tübingen stehende Teilstrecke auf der Alb ist in vier Bauabschnitte aufgeteilt. Begonnen hatten die Straßenbauer mit dem Abschnitt 2 zwischen Dornstadt und Temmenhausen. Das hat geografische Gründe: In dem am tiefsten liegenden Abschnitt wurden Regenrückhaltebecken gebaut, die für die Entwässerung der anderen Abschnitte nötig sind. Wie Projektleiter Silvio Milke berichtete, versickert das Regenwasser von der Straße nicht mehr in der Böschung, sondern fließt in insgesamt acht Becken, die regelmäßig gereinigt werden. Der Bauabschnitt 2 ist seit 2014 fertig, der Bauabschnitt 3 von Temmenhausen bis Nellingen seit diesem Monat.

Derzeit sind die Arbeiter mit ihren großen Maschinen im Bauabschnitt 4 von Nellingen bis Hohenstadt zugange. Dort ist die Richtungsfahrbahn Stuttgart bereits fertig, momentan rollt dort der Verkehr jeweils zweispurig in beiden Richtungen. Die Fahrbahn in Richtung München soll Ende 2018 fertiggestellt sein. Doch auch dann stehen noch nicht drei Spuren in jeder Richtung zur Verfügung, denn es müsse noch an Brücken gearbeitet werden, berichteten die Ingenieure.

Das Vorgehen ist abgestimmt mit der Bahn, die parallel die Schnellbahntrasse Wendlingen–Ulm baut. Auto- und Bahnverkehr kommen sich stellenweise recht nahe, der geringste Abstand beträgt 14 Meter. Durchgehend verläuft zwischen Straße und Gleisen eine Wand oder ein Wall. Der Autofahrer sieht den Zug nicht. „Es eignet sich nicht für Wettrennen“, sagte Regierungspräsident Tappeser.

Breitere Brücke über die Bahn

In sich hat es der zuletzt begonnene, 2,3 Kilometer lange Abschnitt 1 zwischen Ulm-Nord und Dornstadt. Neben dem bestehenden Anschluss Ulm-West entsteht die neue Anschlussstelle Ulm-Nord. Zudem sind vier Brückenbauwerke nötig. Die dortige Projektleiterin Susanne Mayer zeigte dem Tübinger Regierungspräsidenten die Fundamentarbeiten für eine neue, breitere Brücke über die bestehende Bahnlinie Ulm–Stuttgart. Während der Bauzeit sind Behelfskonstruktionen nötig, denn der Verkehr muss ohne große Unterbrechung rollen. Auf dem Gleis und auf der Autobahn.

In Hohenstadt kein Anschluss in Richtung Stuttgart

Albabstieg Für einen vollwertigen Autobahnanschluss in Hohenstadt im Zuge des neuen Albauf- und abstiegs ist das Verkehrsaufkommen dort zu gering. „Da müsste viel Geld ausgegeben werden für wenige Autos“, sagte der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser gestern am Rande des Baustellenbesuchs in Merklingen. Er rechnet nicht mit einer Überlastung am Anschluss Merklingen. Die Zubringerstraßen nach Merklingen und Mühlhausen, zum Teil auf der Trasse der alten Autobahn, würden verbessert.

Kritik Wie berichtet, hatte das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart mit der Wiederaufnahme des Planfeststellungsverfahrens Pläne für einen Streckenverlauf vorgelegt, der in der Nähe von Hohenstadt zwar eine Anschlussstelle vorsieht, aber nur in Fahrtrichtung München. Der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann hatte dies bei einer Info-Veranstaltung in Gruibingen kritisiert und auf die Entwicklung der Laichinger Alb mit Bahnhof und Interkommunalem Gewerbegebiet verwiesen. Bisher existieren in Hohenstadt Ausfahrten aus beiden Richtungen und eine Einfahrt in Richtung Stuttgart. Seit gestern liegen die neuen Pläne für den Albaufstieg öffentlich aus.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel